Der Zuger Cellist und Tenor Jonas Iten ist oft in der Kirche zu hören
Er spielt Cello, seit er sieben ist : Heute ist Jonas Iten Profimusiker und als Cellist und Solosänger international unterwegs. Er erzählt von der besonderen Stimmung von Konzerten in der Kirche, warum ihn geistliche Werke berühren und wie er in einem Gotteshaus den « stillsten Ort » fand, um eine CD aufzunehmen.
In der einen Hand das Cello, in der anderen einen Koffer : Jonas Iten kommt direkt vom letzten Konzert in der Romandie zum Gespräch. Am Musikfestival von La Chaux-de-Fonds stand er als Solocellist mit dem Luzerner Kammerorchester Festival Strings Lucerne auf der Bühne, zusammen mit einer argentinisch-schweizerischen Pianistin. Inspirierend, aber auch anspruchsvoll sei das Programm gewesen, erzählt er und benennt in einem Atemzug die gespielten Werke, unter anderem von Wolfgang Amadeus Mozart.
Streichquartett in der Familie
Das Cello wird Jonas Iten quasi in die Wiege gelegt. Schon als kleiner Bub macht er auf einem Kindercello seine ersten Versuche. Die Mutter spielt Geige, der Vater Bratsche, die Schwester ebenfalls Violine – das Cello macht das Streichquartett in der Familie komplett. Als er sieben ist, unterrichtet ihn sein Götti und Onkel, Solocellist an der Oper Zürich. Die Familie macht zusammen Kammermusik, und auch sonst ist die Musik allgegenwärtig in seinem Alltag, erzählt der heute 54-Jährige. « Es war ein Umfeld, das mich sehr geprägt und inspiriert hat. »
Das Cello und Jonas Iten – eine wohl lebenslange Liebesbeziehung. Schon ein Jahr nach der Matura hält Iten das Lehrdiplom in den Händen und kann fortan selbst Cello unterrichten. Einen anderen Berufsweg einzuschlagen, erwägt er nur kurz : « Ein Studium hätte bedeutet, das Cello häufig auf die Seite zu legen – doch dafür war es schon zu sehr meine Leidenschaft. » Heute ist Iten professioneller Solocellist und Tenorsänger und tritt rund um den Erdball mit verschiedenen Orchestern auf.
Das « singende » Cello
Was fasziniert ihn bis heute am Instrument mit dem tiefen, warmen Klang ? Der Musiker muss nicht lange überlegen : sicher der grosse Tonumfang. Dieser reiche von tiefsten Basstönen bis in fast schon himmlische Höhen, in denen das Cello « singend » eine wunderbare Atmosphäre verbreite. Gleichzeitig sei das Instrument sehr « geerdet ». Dieser Gegensatz zeigt sich auch in der Praxis : « Als Solocellist mit einem Orchester kommt es vor, dass ich einen Satz lang nur Begleitung in tiefen Tönen spiele und kurz danach ein hohes Solo », macht Iten ein Beispiel. Dies erfordere viel Konzentration, sei aber auch reizvoll.
Musik in der Kirche
Stichwort reizvoll : Das sind für Jonas Iten auch Konzerte in der Kirche. In jungen Jahren spielte er in einer Kirchenband und half gelegentlich bei der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Zug am Klavier aus. Heute ist er als Profi regelmässig mit dem Cello oder als Tenorsänger in den Zuger Kirchen und oft auch in Luzerner und Zürcher Gotteshäusern zu hören. Manchmal begleitet er als Kantor den Gottesdienst, manchmal ist er Solist, etwa mit dem Bach Ensemble Luzern.
Dabei hat die Kirche als Konzertsaal für ihn einen ganz besonderen Reiz : « Kirchen haben eine eindrückliche Atmosphäre, ein geistiges Klima. Man merkt : Das ist ein Ort der Stille, der Ruhe und mit einer Präsenz. » Dies verleihe der Musik einen besonderen Charakter.
Geistliche Werke als intensives Erlebnis
Auch wenn er von den geistlichen Werken erzählt, die er in den Gotteshäusern singt oder spielt, kommt Jonas Iten ins Schwärmen : « Geistliche Werke, gesungen am Karfreitag oder an Weihnachten, erhalten im Kontext der kirchlichen Liturgie nochmals eine neue Dimension. » Ein « sehr intensives Erlebnis » sei das. Die Musik erfasse ihn komplett, fliesse fast schon durch ihn hindurch.
Als Beispiel nennt Iten « Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz » von César Franck : « Pater, in manus tuas commendo spiritum meum » heisst es dort – zu Deutsch : « Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. » « Wenn man das an Karfreitag in der Kirche singt und spürt, wie die Menschen die Stimmung aufnehmen, wird die Musik sehr gegenwärtig. »
Grosse Momente im Advent
Ähnlich ergeht es ihm, wenn er mit seinen Cello‑Schülerinnen und -Schülern den Rorate‑Gottesdienst im Advent begleitet. « Da gibt es einen orthodoxen Choral von Tschaikowsky, den wir oft spielen, wenn die Menschen zur Kommunion schreiten. In dem Moment entsteht ein Kontext, ein Erlebnis, das über die Musik hinausgeht. » Berührend sei das – nicht zuletzt, weil der Glaube ihm auch privat wichtig ist.
An der Kirche schätzt der Musiker überdies nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die « unglaubliche Stille ». In der Marienkirche Unterägeri hat er mehrmals CDs aufgenommen, weil besagtes Gotteshaus so wahnsinnig still sei. Stille, erklärt er, lasse sich messen – und die Marienkirche wies einen besonders hohen Wert auf. Die Akustik an einem solchen Ort sei natürlich « extrem schön », schwärmt er. « Fast schon himmlisch. »
Ramona Nock, « Pfarreiblatt – Katholische Kirche Zug », 24.08.2026
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