Vom Luxus, seine Arbeit zu gestalten

Christoph Honegger ist seit 30 Jahren Kirchenmusiker des heutigen Pastoral­raums Schaffhausen-Reiat. Im Interview erzählt er von seiner abwechslungsreichen Tätigkeit. 

Was muss man sich unter einem Kirchen­musiker vorstellen ? 
Ich bin Generalist. Mich fasziniert an meiner Stelle, dass ich mit Menschen von jung bis alt arbeiten darf und von der Gregorianik über ein Barockorchester bis zur Kirchenband. Ich kann mich mit Leidenschaft in diesen Bereichen aus­leben. Meine Haupttätigkeit ist die Chor­leitung der beiden Kirchen­chöre St. Peterchor und Kirchenchor St. Maria / St. Konrad. Dazu kommen die Orgel­dienste sowie die Arbeit mit der kleineren Formation KORIAsingers und der Kirchenband sing2pray. Zusätzlich erledige ich viel Administratives : Ich bin zuständig für die Gottesdienstabläufe. Als verantwortlicher Kirchenmusiker bin ich Mitglied des Pastoralraumteams. Ich habe mit einem Pensum von 60 % begonnen, nun sind es 88 %. In den letzten Jahren hat sich die Medien­arbeit intensiviert. Von der Pastoral­konferenz bin ich in die Arbeits­gemein­schaft christlicher Kirchen und Gemeinden im Kanton Schaffhausen (AKSH) delegiert und von dort in die Oekumenische Kommission für Medienarbeit (OeKM). So bin ich hineingerutscht in die Radio­sendung « Gedanken zum Tag », dann in die Fernsehsendung « Gedanke am Wuchenend » und zuletzt auch ins Technik­team der « Gedanken zum Tag », weil Radio Munot aufgehört hat, diese Sendungen selbst zu produzieren. 

Was hat Sie dazu bewogen, Kirchen- und Schulmusik zu studieren ?
Ich wollte an der ETH Biologie studieren. Aber während der Sommerferien 1986 in Südfrankreich begleitete ich eine Organistin, die eine Orgelreise rekognos­zierte. Ich spielte auf verschiedenen Orgeln. Diese Organistin fand, ich müsse doch Musiker werden. So begann ich an der Universität Zürich mit Musik­wissenschaft und wollte parallel dazu am Konservatorium Orgel studieren. Das ging zeitlich aber nicht auf. Nach dem Akzess­examen wechselte ich an die Hochschule Luzern Musik. Ich absolvierte ein Doppel­studium Kirchen- und Schulmusik mit den Hauptfächern Orgel und Direktion, was dank des Examens der Uni möglich war.

Sie sind 1996 nach Schaffhausen gekom­men. Was hat sich seither an Ihrer Arbeit verändert ?
Sie hat sich fliessend gewandelt. Mein Bereich ist vielfältiger geworden : die Schola Gregoriana, ein Taizéchor und eine Kirchen­band sind dazugekommen. Und nun wird es an Palmsonntag 2027 wieder einmal ein grosses Musical geben unter der Federführung der Jugendpastoral. Ich habe den Luxus, das eine tun zu dürfen und das andere nicht lassen zu müssen. Das gibt mir sehr viel. Ich kann meinen Bereich verantworten und gestalten. 

In welche Richtung wird sich Ihre Arbeit in den nächsten Jahren entwickeln angesichts schwindender Kirchen- und Kirchenchormitglieder ?
Unsere Kirchenchöre sind nicht mehr ganz jung und schrumpfend. Es ist mir leider nicht gelungen, für genügend Nach­wuchs zu sorgen. In Zukunft wird vermehrt Zusammenarbeit ein Thema sein. Damit wird zwar das Problem nicht an der Wurzel gepackt, aber es verschafft Luft. Das Vereins­wesen wird nicht mehr als zeit­gemäss empfunden. Es ist mir aber wichtig, dass sich die Chormitglieder als Teil eines Teams sehen.

Popularmusik in der Kirche wird von einigen noch immer abgelehnt. Was halten Sie davon ?
Neues geistliches Liedgut, wie es im Singbuch « rise up » zu finden ist, beinhaltet weitestgehend sehr tiefe Texte, die einem heutigen Menschen etwas mitgeben. Alte Lieder dagegen sind manchmal eher wie ein historischer Museumsbesuch. Wenn wir mit sing2pray Gas geben, gibt es betagte Leute, die von diesen Liedern sehr begeistert sind. 

Was war ein herausragendes Ereignis dieser 30 Jahre ?
Eindeutig die Möglichkeit, 2019 die Fest­gottesdienste zu « 50 Jahre Kirchenchor St. Maria / St. Konrad » mit dem « Magnificat » von John Rutter mit grossem Orchester und Solisten gestalten zu dürfen. Dafür benötigte es einen Extrakredit vom Kirchen­stand, der problemlos bewilligt wurde.

Wie feiern Sie Ihr Jubiläum ?
Ich betrachte die Chorserenade vom 19. Juni als meine Feier. Zu hören ist ein Best-of-Repertoire mit den beiden Kirchenchören und den KORIAsingers sowie einer Band mit Oboe, Saxophon, Klavier und Bass und Orgel. Früher dachte ich, ich müsse die Schweizer Kirchenmusik portieren, an der eher nur ich Freude hatte. Heute geht es mir darum, dass die Menschen mit Herz und Seele mitsingen.

Interview und Bild : Béatrice Eigenmann, forumKirche, 01.06.2026


Chorserenade « Dona nobis pacem », Fr, 19.6., 19.30 Uhr, St. Konrad, Schaffhausen

Christoph Honegger
Quelle: Béatrice Eigenmann
Noch immer von seiner Tätigkeit, die viel Abwechslung mit sich bringt, fasziniert : Kirchenmusiker Christoph Honegger

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