Engagement für Bauernfamilien im Süden Kolumbiens

Yolima Salazar Higuera ist Sozialarbeiterin mit Spezialisierung auf Gemeinde­verwaltung und -entwicklung und seit mehr als 38 Jahren für die Vicaría del Sur im kolumbianischen Departement Caquetá tätig. Sie begleitet Bauernfamilien, die stark vom bewaffneten und sozioökologischen Konflikt betroffen sind. Ihre Arbeit zielt darauf ab, die Lebensbedingungen der einheimischen Bauernfamilien zu stärken, erklärt sie im Interview mit Kirche ohne Grenzen.

Was ist eine Vikarie, und welche Funktion haben Sie als Geschäftsführerin der Vikarie des Südens ?
Eine Vikarie ist ein Zusammenschluss mehrerer benachbarter Pfarreien, die gemeinsam Seelsorge leisten. In unserem Fall entstand sie als Reaktion auf die vielfältigen Konflikte – bewaffnete, sozio­ökonomische, sozioökologische und sozio­politische – im Süden Kolumbiens, denen einzelne Pfarreien allein kaum begegnen konnten. Derzeit besteht die Vikarie aus acht Pfarreien mit einem gemeinsamen Seelsorgeplan sowie einem Team aus Priestern, Ordensleuten und Laien und verfügt über eine Verwaltungs­struktur, die die Durchführung von Programmen und Projekten ermöglicht. 
Als Geschäftsführerin begleite und berate ich das Seelsorgeteam, damit die Prozesse und Projekte den Bedürfnissen der Gemeinden entsprechen. Wir koordinieren unsere Arbeit auch mit Netzwerken der Weltkirche und mit Organisationen, die sich für die Menschenrechte und den Amazonas einsetzen. Darüber hinaus bin ich für die Verwaltung und die Beziehungen zu den Kooperationsagenturen zuständig und garantiere eine transparente Verwaltung der Ressourcen.

Welche Themen und Herausforderungen sind für Ihre Arbeit heute und in Zukunft am wichtigsten ?
Eine zentrale Herausforderung ist ein engagierter Glaube, der sich in der Verteidigung des Lebens, der Menschenrechte und des Wohlergehens aller Lebewesen ausdrückt. Wir möchten Menschen stärken, die ihre Rechte kennen und sich synodal für ein würdiges Leben einsetzen. 
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Amazonas. Wir arbeiten in einer Region, die durch Projekte zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen und Bergbau stark bedroht ist. Unsere Herausforderung besteht darin, zum Aufbau eines würdigen Lebens für die Bauernfamilien beizutragen. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, Frieden in einem von illegalen, bewaffneten Gruppen und Konflikten geprägten Gebiet zu fördern. Dabei setzen wir uns besonders für die Rechte von Frauen, Kindern und Bauern ein. Für die Zukunft ist ein zentrales Anliegen, die Kirche zu stärken, die an der Seite der Schwächsten steht. 

Seit wann gibt es das Projekt der Amazonas-Farmen ?
Das Projekt begann 2006 als Reaktion auf Umweltzerstörung, Wasserverschmutzung, Artenverlust und Nahrungsmittelknappheit. Ursachen waren die staatliche Förderung extensiver Viehzucht, Monokulturen, der Koka-Anbau und die Ausbeutung nicht erneuerbarer Ressourcen. Angesichts dieser Realität haben wir einen umfassenden Bildungs­prozess mit partizipativen Methoden initiiert, um die Gemeinden für ihre amazonische Identität, die Bedeutung ihres Territoriums und die Bedrohungen, denen es ausgesetzt ist, zu sensibilisieren. Die Amazonas-Farmen fördern agroökologische Praktiken und agroforst­wirtschaftliche Systeme zur Regeneration von Böden, Wasser und Bio­diversität. Dieser Prozess zielt darauf ab, das gute Leben der Bauernfamilien zu gewährleisten, Resilienz gegenüber der Klimakrise zu schaffen und Einfluss auf die öffentliche Politik für den ländlichen Raum zu nehmen.

Welche positiven Veränderungen haben Sie im Laufe der Zeit beobachtet ?
Die Familien haben eine starke Bindung zu ihrem Land entwickelt. Die Böden und Wasserquellen erholen sich, Abholzung und Brandrodung nehmen ab und die Tierwelt kehrt zurück. Seit 2013 besteht zudem ein Netzwerk für einheimisches Saatgut, und das Modell der Amazonas-Farmen wurde schrittweise in die kommunalen Entwicklungspläne aufgenommen. Eine weitere bedeutende Veränderung ist die Anerkennung der Rolle der Frau sowohl in der Familie als auch in der Gemeinschaft. Viele Frauen verkaufen agroökologische Produkte auf Bauernmärkten und verwalten die Einnahmen, wodurch ihre Autonomie gestärkt wird. 

Welche Aktivitäten sind während Ihres Besuchs in der Schweiz vom 28. Februar bis zum 15. März im Zusammenhang mit der Ökumenischen Kampagne geplant ?
Wir haben ein sehr aktives Programm : Treffen in Pfarreien, Teilnahme an Messen und ökumenischen Feiern, Begegnungen mit Jugendlichen in Schulen und Universi­täten, eine Podiumsdiskussion über ein­heimisches und kreolisches Saatgut, Treffen mit der Schweizer Bischofskonferenz und dem Team von Fastenaktion, Teilnahme am Rosenverkaufstag und Interviews mit den Medien.

Text und Übersetzung: Andrea Metzger, 02.03.2026


Sembrando esperanza en una zona de conflicto

Compromiso con lasfamilias campesinas del sur de Colombia 

Yolima Salazar Higuera es trabajadora social y desde hace más de 38 años trabaja en la Vicaría del Sur en el departamento de Caquetá – Colombia. Acompaña a familias campesinas afectadas por el conflicto armado y socioambiental, cuyos derechos han sido vulnerados. La labor de la Vicaría busca fortalecer su dignidad, su permanencia en el territorio y sus condiciones de vida en el ámbito rural.

La Vicaría del Sur es una articulación de ocho parroquias vecinas que trabajan conjuntamente en la pastoral y surgió como respuesta a los múltiples conflictos del sur de Colombia, ante los cuales las parroquias no podían actuar de forma aislada. Cuenta con un plan pastoral común y una estructura administrativa que permite desarrollar programas y proyectos.

Defensa de los derechos de las comunidades
Uno de sus principales desafíos es vivir una fe comprometida con la defensa de la vida, los derechos humanos y el cuidado de la creación. Su trabajo se centra en el fortalecimiento de las comunidades campesinas, promoviendo un desarrollo digno en armonía con el ecosistema amazónico, así como en la construcción de paz y la defensa de los derechos de mujeres, niños y campesinos.

El proyecto de las fincas amazónicas, iniciado en 2006, promueve procesos educativos participativos, prácticas agroecológicas y sistemas agroforestales para regenerar suelos, agua y biodiversidad. Con el tiempo, se ha reducido la deforestación, se han recuperado fuentes de agua y se ha fortalecido el papel de las mujeres, muchas de las cuales hoy comercializan productos agroecológicos y gestionan sus propios ingresos.

Yolima Salazar Higuera
Quelle: zVg
Yolima Salazar Higuera

 

 

Bauernmarkt
Quelle: zVg
Dank des Verkaufs ihrer Produkte auf dem Bauernmarkt stärken die Frauen ihre Autonomie.

 

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