Ostermarsch von Konstanz nach Kreuzlingen

Während sich die Welt im Aufrüstungs­wettlauf befindet, wird am Bodensee ein Zeichen für Abrüstung und Frieden gesetzt : Mitorganisator Karl Heuberger erklärt, was der Bodensee-Friedensweg am Ostermontag bewirken kann.

Karl Heuberger ist ein Macher und Vernetzer. Das wird schnell klar, wenn man ihn auf seinem Hof in Gabris bei Wuppenau besucht. Der pensionierte Entwicklungshelfer hat die Umgebung zu einem Biodiversitäts-Paradies umgestaltet. Er denkt dabei über sein Grundstück hinaus, sucht den Dialog mit benachbarten Landwirten, damit sie ebenfalls Bäume anpflanzen und Unterschlupfmöglichkeiten für die Tierwelt schaffen.

Es braucht einen Neuanfang
Auch wenn es um das Thema Frieden geht, packt Karl Heuberger an. Der 67-Jährige gehört zur Spurgruppe des Bodensee-Friedenswegs, einer fried­lichen Kundgebung, die jeweils am Oster­montag stattfindet. « Ostermärsche haben eine lange Tradition », erklärt Heuberger. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren hätten sie einen Beitrag dazu geleistet, dass sich die politischen Beziehungen entspannten und Rüstungs­begrenzungsabkommen unterzeichnet wurden. Wenn er auf die geopolitische Lage blicke, in der wieder zunehmend die Macht des Stärkeren tonangebend sei, brauche es genau jetzt einen Neuanfang dieser Entspannungspolitik.

Leise und unspektakulär
Karl Heuberger war als Entwicklungs­helfer für das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) über ein Vierteljahrhundert lang in Zentral­amerika und Afrika unterwegs. Damals sei er mit vielen heftigen Konflikten konfrontiert worden und mit der Zeit in die Rolle eines Friedens­vermittlers hinein­gewachsen. Die aktuelle Situation erlebt er als sehr ernst. « Viele Konflikte eskalieren, Sprache verroht, Aufrüstung wird als ‹ Normalität › verkauft. Das kann lähmen. » Heuberger spricht in diesem Zusammen­hang von österlicher Ohnmacht. Doch Ostern bedeute eben auch Verletz­lichkeit, wobei Jesus in diese Situation hinein einen überraschenden Satz spreche : « Fürchtet euch nicht. » (Mt 28,10)
« Wir dürfen die Realität nicht schönreden, aber wir müssen uns auch nicht daran gewöhnen. Frieden ist oft leise und unspektakulär. Er fängt im Kleinen an – in Versöhnung, in Solidarität, im Schutz von Menschen­rechten, im Widerstand gegen Hass. »

Grenzen überschreiten
Lässt sich mit dem Bodensee-Friedensweg denn tatsächlich etwas bewirken ? « Wir versprechen nicht, dass ein Friedens­weg Kriege stoppt », antwortet Karl Heuberger. « Aber wir verfolgen ein sehr konkretes Ziel : Abrüstung denkbar, sagbar und politisch einforderbar machen. » Er sieht im Friedensweg eine sehr österliche Logik : « Nicht sofort ‹ alles lösen ›, sondern dem Leben Raum verschaffen – Schritt für Schritt. » Das Thema Abrüstung besitzt laut Heuberger am Bodensee eine besondere Schärfe, weil die Region zu den dichtesten Rüstungs­regionen Europas zähle. Und am dies­jährigen Bodensee-Friedensweg komme noch ein anderer Aspekt zum Ausdruck : das Grenzüberschreitende. Die Kund­gebung führt nämlich von Konstanz nach Kreuzlingen. Man gehe bewusst über eine Grenze – als Zeichen, dass Sicherheit durch Zusammenarbeit entstehe und nicht durch Abgrenzung.

Cyrill Rüegger, 16.03.2026


Friedlich entrüsten
Der Bodensee-Friedensweg startet am Ostermontag, 6. April, um 12.30 Uhr im Stadtgarten Konstanz. Nach dem Einsingen mit der Gruppe « StimmVolk » sprechen der Rüstungsgegner Jürgen Grässlin und die Frauenrechtlerin Helena Nyberg zum Motto « Wir entrüsten uns ! Friedenskultur gemeinsam leben ». Danach geht es über die Grenze ins Hafen­areal von Kreuzlingen, wo unter anderem die Verantwortung der Religionen bei der Friedensförderung im Fokus steht.
Der Bodensee-Friedensweg wird seit fast 40 Jahren abwechselnd in einer Schweizer, deutschen und österreichischen Stadt der Bodensee­region ausgetragen und von rund 100 Organisationen unterstützt.


Nähere Infos

Bodensee-Friedensweg
Quelle: Bodensee-Friedensweg

 

Karl Heuberger
Quelle: Cyrill Rüegger
Karl Heuberger

 

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