Stabübergabe im Diözesanen Seelsorgerat
Regina Wettstein hat acht Jahre lang die Region Schaffhausen im Diözesanen Seelsorgerat vertreten. Da die Amtsausübung auf zwei Perioden zu je vier Jahren beschränkt ist, hat sie nun ihr Amt an zwei junge Frauen übergeben.
Regina Wettstein, Sie schieden Ende des letzten Jahres aufgrund der Amtszeitbeschränkung aus dem Diözesanen Seelsorgerat aus. Was ist die Aufgabe dieses Rates ?
Die Aufgabe besteht darin, den Bischof in aktuellen Anliegen aus dem Laienstand heraus zu beraten und mithilfe von Miträtinnen und Miträten Lösungen für diese Anliegen zu erarbeiten. Dabei kann es sich um unterschiedliche Themen handeln, beispielsweise ein praktisches wie die Freiwilligenförderung oder ein visionäres Thema wie die Frage, wodurch es gelingt, junge Menschen in die Kirche zu bringen.
Was nehmen Sie für Erinnerungen an Ihr Amt mit ? Hatten Sie das Gefühl, etwas bewirken zu können ?
Ich nehme sehr schöne Erinnerungen mit an diese acht Jahre, vor allem die wertvolle Vernetzung mit den Menschen aus anderen Teilen des Bistums. Ich erhielt einen tiefen Einblick in die Dinge des Bistums. In spiritueller Hinsicht erinnere ich mich gerne an die gemeinsamen Gottesdienste. Aber auch an die Ziele, die wir erreicht haben. Sehr lange hat die Mitwirkung am Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) gedauert. Wir als Rat haben die Freiwilligenarbeit definiert und deren Wertschätzung im Plan verankert. Die Broschüre dazu hat jeder Pastoralraumleiter, jede Pastoralraumleiterin auf dem Tisch und kann nachschauen und sich fragen : Wie gehe ich mit Freiwilligen um ? Wo habe ich Nachholbedarf ?
Sie haben Ihr Amt nun zwei jungen Frauen übergeben, Jamie Gulic aus Neuhausen und Helena Mršic aus Schaffhausen. Wie sind Sie auf die Idee des Jobsharing gekommen und wie haben Sie Ihre Nachfolgerinnen gefunden ?
Ich glaube, ich habe Jamie angefragt, nachdem ich diverse Absagen erhalten hatte. Zuvor hatte ich die Eltern meiner Schüler (Regina Wettstein ist zuständig für die Jugendpastoral im Pastoralraum Neuhausen-Hallau, Anm. d. Red.) angefragt. Aber diese Familienväter und -mütter konnten sich das nicht vorstellen, ein Wochenende weg zu sein. Auf Jamie kam ich, weil sie viel Interesse an der Kirche geäussert hatte. Das war ein Glücksgriff. Es gab sowieso einen grossen Umbruch im Rat, da viele aufgehört hatten. Es lag in der Luft, kreative Ideen umzusetzen, um die Vakanzen zu füllen. Deshalb gab es auch keinen Gegenwind, als ich sagte, dass nun zwei an meiner Stelle kommen würden. Zudem widerspiegeln sie beide Pastoralräume in Schaffhausen perfekt.
Jamie Gulic und Helena Mršic, weshalb haben Sie sich für dieses Ehrenamt entschieden ? Immerhin bedeutet es, drei Mal im Jahr an der Sitzung teilzunehmen und in der eigenen Region die Themen aufzuspüren, die die Kirchenmitglieder bewegen.
Jamie Gulic (JG, 18 Jahre alt) : Da es mir etwas unwohl war, komplett allein an die Sitzungen zu gehen, fragte ich Regina, ob ich mir Helena zur Verstärkung holen könne. Für mich ist es eine Ehre, mit dem Bischof zusammenzuarbeiten und ihn zu beraten. Im Rat hat es eher ältere Leute. Diese möchten etwas für die Jungen machen. Da ich mich in diesem Alter befinde, kann ich gut beurteilen, was junge Menschen möchten und brauchen.
Helena Mršic (HM, 17 Jahre alt) : Jamie hat mich gefragt, ob ich mitmache. Am Anfang war ich ebenfalls unsicher und fand, das sei eine zu grosse Verantwortung. Dann habe ich mit Frau Grossen vom Sekretariat des Bistums gesprochen. Ich erzählte ihr, dass ich in der kroatischen Mission sehr aktiv bin und deshalb wohl kaum den Pastoralraum vertreten könne. Aber Frau Grossen beruhigte mich und sagte, es brauche im Gegenteil auch Meinungen der Migrationskirchen, es brauche die Meinung aller. Es sei schade, dass eine Trennung bestehe zwischen den Migrationskirchen und der schweizerischen. Das hat mich sehr gefreut. Jamie hat mir Mut gemacht. Ich bin katholisch aufgewachsen. Aber so richtig verankert in der Kirche bin ich erst seit zwei, drei Jahren. Ich sehe es als Chance, selbst zu wachsen im Glauben, mehr Wissen zu verbreiten.
Wie kommen Sie zu den Themen, die die Schaffhauser Kirchenmitglieder umtreiben ?
HM : Da ich mich in der kroatischen Mission sehr engagiere und im Austausch mit vielen Menschen stehe, erlaube ich mir, meine Erfahrungen einzubringen und unsere Bedürfnisse anschaulich darzulegen.
JG : Ich habe ebenfalls kroatische Wurzeln, aber alle aus meiner Familie sind aus der Kirche ausgetreten. Daher bin ich als Atheistin gross geworden. Vor drei Jahren bin ich getauft worden. Seither war ich Ministrantin, nun bin ich Oberministrantin und war dieses Jahr zum ersten Mal Firmbegleiterin. In der Oberstufe bin ich zum ersten Mal mit dem Glauben in Berührung gekommen und wurde von Nathalie De Lisa, der ehemaligen Pfarrei- und Jugendseelsorgerin des Pastoralraums Neuhausen-Hallau, von der Taufe bis zur Firmung begleitet und in der Kirche herzlich empfangen.
Ihre erste Sitzung haben Sie Mitte März gehabt. Wie war das für Sie ?
HM : Es war etwas Neues mit so vielen fremden Leuten, aber sehr schön zu erfahren, wie andere den Glauben leben, wie es je nach Kanton oder Pastoralraum abläuft und was dort benötigt wird. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass es viele Unterschiede gibt, beispielsweise, dass es Regionen gibt, in denen nicht regelmässig gebeichtet werden kann.
JG : Es war schön, so herzlich empfangen zu werden. Alle hatten Freude, dass so junge Leute kommen. Es war spannend zu realisieren, dass komplett verschiedene Menschen im Rat sitzen – von liberal bis konservativ. Das zeigte sich beispielsweise am Thema Beichte. Einige waren erstaunt, dass wir recht konservativ sind, andere freuten sich. Man lernt, unterschiedliche Meinungen anzuhören, seine eigene Meinung auszudrücken.
Welche Themen, die vom Rat bearbeitet werden sollten, liegen Ihnen am Herzen ?
HM : Ich möchte die Anliegen der Jugendlichen rüberbringen. Ich möchte die Jugendlichen aufwecken. Viele sind eingeschläfert. Aber Frieden ist im Weltlichen nicht zu finden. In Schaffhausen gibt es viele Anlässe, darüber kann ich mich nicht beklagen. Aber man könnte mehr Katechese einbringen. Jamie und ich haben uns überlegt, Ordensschwestern zu besuchen, um zu erfahren, wie sie ihren Glauben gefunden haben, weshalb sie sich bewusst für ein Leben im Orden entschieden haben, da ich mir persönlich ein Leben ohne eigene Familie und Kinder nur schwer vorstellen kann. Wir möchten anhand von Zeugnissen das Interesse an einem alternativen Leben wecken.
JG : Ich würde es schön finden, Abende zu erleben, an denen Priester und Nonnen Zeugnis ablegen. Oder zu erfahren, wie man eine gute katholische Ehe führen kann. Oder allgemein etwas erfährt über Anlaufstellen, wo Fachleute tätig sind. Das würde den Jugendlichen helfen. Aufgrund der immer grösseren Tendenz, nicht mehr zur Beichte zu gehen, fände ich auch Abende hilfreich, an denen man als Erwachsener nochmals lernt, wie man richtig beichtet, um den Leuten die Angst davor etwas zu nehmen.
HM : Die Beichte ist eines der grössten Geschenke. Sie reinigt uns. Jesus verzeiht uns. Wir haben so oft die Chance, durch die Beichte neu anzufangen. Schade, dass dies in Vergessenheit gerät. Wir haben auch Interesse im Rat geweckt, weil wir aus der Mission kommen. Denn es stellt sich die Frage, wie sich die Missionen mit der Kirche vor Ort verbinden können, damit man nicht so zweigleisig fährt.
Gibt es dazu schon Lösungsansätze ?
JG : Nein, es wurde das Problem benannt : Die Missionen sind eher traditionell. In den Ortskirchen gibt es aber Leute, die nicht so Fan sind von alten Traditionen. Bei uns besteht der Wunsch zur Urkirche. Wir wollen keine Screens und hätten gerne die lateinische Messe.
Regina Wettstein (RW) : Die Generation vor euch hat sich abgewendet von der Kirche. Mit euch geht es jetzt wieder langsam zurück zu den Wurzeln.
HM : Wir haben uns darüber ausgetauscht, welchen Themen wir in den nächsten vier Jahren unsere Aufmerksamkeit widmen möchten : Migration, also Missionen, sowie die Frage, wie man die Jugendlichen abholen kann. Denn es ist ein Durst nach Spiritualität da.
JG : Die anderen haben es geschätzt, dass wir Jungen da waren. Sie konnten uns fragen. Leider sind wir erst am Samstag gekommen, sodass wir nicht am Gottesdienst dabei sein konnten, sondern nur noch am Gespräch. Aber der Bischof war die ganze Zeit dabei – auch beim Mittagessen. Er wollte, dass wir das Präsidium übernehmen. Das war uns zu viel. Es braucht jemanden mit Erfahrung.
RW : Das Präsidium bedeutet doppelt so viele Sitzungen, wie sie der Rat hat.
JG : Nicht nur im Rat dabei zu sein, sondern noch Sitzungen zu leiten, das traue ich mir noch nicht zu. Ich habe es sehr geschätzt, wie mit uns umgegangen worden ist. Das nächste Mal wollen wir schon am ersten Tag gegen Abend anreisen und den Gottesdienst am Folgemorgen miterleben.
Was nehmen Sie für sich persönlich aus Ihrer ersten Sitzung mit ?
JG : Ich hatte Angst, als 18-Jährige nicht wahrgenommen zu werden. Aber ich wurde wertgeschätzt. Meine Meinung wurde akzeptiert. Eine eher konservativ eingestellte Frau hat mir nachher sogar noch geschrieben. Ich habe ein Gemeinschaftsgefühl gespürt. Meine Anliegen werden ernst genommen, ich kann etwas bewirken.
HM : Ich habe eine Art von Ernsthaftigkeit gespürt. Man ist da, um etwas zu bewegen. Und das ist wahrgenommen worden. Auch wenn wir die Jüngsten sind. Obwohl wir erst um 9 Uhr angekommen sind und bereits um 13 Uhr wieder gehen mussten, wurden wir mit offenen Armen aufgenommen.
Könnten Sie denn auch an einem Freitag frei nehmen für den Rat ?
JG : Ja, denn mein Chef ist katholisch und sehr unterstützend.
HM : Frei nehmen könnte ich immer. Ich war an jenem Abend vor der ersten Ratssitzung für das Leiten des kroatisch-katholischen Jugendtreffs zuständig. So konnten wir nicht früher gehen und mussten am Morgen sehr früh aufstehen, um rechtzeitig in Solothurn zu sein.
JG : Oh ja, ich musste um 4.20 Uhr aufstehen, aber es hat sich gelohnt.
14.04.2926, forumKirche, Interview : Béatrice Eigenmann
Über den Diözesanen Seelsorgerat
Der Diözesane Seelsorgerat ist ein Laiengremium, das den Bischof und seine Mitarbeitenden berät. Er gibt Impulse für die Seelsorge und bringt Anliegen der Menschen aus den zehn Bistumskantonen in die Beratung ein. Der Rat setzt sich zusammen aus 17 Frauen und Männern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Für jeweils vier Jahre bilden sie eine kritische und solidarische Stimme. Die Amtszeit ist auf acht Jahre beschränkt. Pro Jahr gibt es drei Zusammenkünfte. Es handelt sich um ein Ehrenamt; Reisekosten, Verpflegung und Unterkunft werden übernommen.
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