Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 19

Summen und Brummen unterm Kirchendach

Ein Tiergottesdienst zum Thema Wespen

Hunde, Katzen und Hamster gab es schon in den jährlichen Tiergottesdiensten der Pfarrkirche St. Johannes in Romanshorn. Am 29. und 30. September wird das Augenmerk auf den Hautflüglern liegen. Der Schlatter Imker David Hablützel will den tierfreundlichen Kirchgängern vermitteln, keine Angst vor den nützlichen Insekten zu haben.

Imker wird man, wenn der Sohn sich eigene Bienen und Honig wünscht. Wespenfachmann und Spezialist für Nest-Umsiedelungen, wenn sich schon herumgesprochen hat, dass man ein Händchen für Insekten hat. Im Falle von David Hablützel, der mit seiner eigenen Imkerei in Schlatt beheimatet ist, traf das wohl zu. Das Interesse des Sohnes wurde zu seiner eigenen Leidenschaft und seitdem setzt sich der Imker energisch für den Schutz der Kleintiere ein. «Wenn man versteht, wie Wespen funktionieren, kann man auch besser mit ihnen zusammenleben», erklärt der Fachmann. Das möchte der 39-Jährige auch am Tiergottesdienst in Romanshorn vermitteln. Dazu wird er einige Utensilien mitbringen – neben Wespen und Hornissen in natura auch Bilder und Nester der Tiere sowie Nestmaterial, «damit die Besucher dieses nach dem Gottesdienst einmal anfassen können». Von den ungefähr 97 Wespen arten in der Schweiz wären den meisten gerade einmal zehn bekannt. Ansonsten würden wir sehr wenig wissen über die biologischen Schädlingsbekämpfer unserer Pflanzen, Wälder und Wiesen, so der Experte.

Predigt im Zirkuszelt

Dass David Hablützel die Wespen den Besucherinnen und Besuchern des dies - jährigen Tiergottesdienstes näherbringen möchte, ist auch Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann ein wichtiges Anliegen. «Insekten sind genauso vor dem Aussterben bedroht, wie andere Tiere. An manchen Orten ist der Bestand um 75 % zurückgegangen. Mir geht es aber auch darum, das Spektrum der Tierliebhaber, die zu uns in die Kirche kommen, zu erweitern», erklärt sie. Deshalb ist mit David Hablützel in diesem Jahr zum ersten Mal ein Gastredner in der Kirche, obwohl es den speziellen Gottesdienst mit Tiersegnung in Romanshorn schon seit fast zwanzig Jahren gibt. Im Jahr 2000 wurde der allererste Tiergottesdienst, den es auch in anderen Thurgauer Gemeinden wie beispielsweise Bischofszell gibt, sogar in einem Zirkuszelt gehalten.

Treue Weggefährten

In der Romanshorner Kirche traf man im Laufe der Jahre unter anderem auf einen Esel, auf Goldhamster, ein Huhn, Hunde, Katzen und Schildkröten. Kinder bringen dafür häufig ihre Stofftiere mit. Tiere, die schon verstorben sind, können die Menschen in Gedanken in die Kirche tragen. «Hunde und Katzen sind für die meisten Weggefährten. Sie segnen zu lassen bedeutet, ihnen etwas Gutes zu wünschen und das Verhältnis zu bekräftigen», sagt Gaby Zimmermann. Das hat in der römischkatholischen Kirche eine lange Tradition. «Man findet Tiere in kirchlichen Verzierungen, als Verweise in der Bibel oder als Symbol für Heilige. Trotzdem kommen Tiere als Geschöpfe immer ein wenig zu kurz, auch in der Kirche», erklärt die Gemeindeleiterin.

Appell ans Bewusstsein

Deshalb verweise der Tiergottesdienst auf den 4. Oktober, den Welttierschutztag und gleichzeitigen Namenstag des Franz von Assisi, dem Schutzpatron von Tieren, Natur und Umwelt. Gaby Zimmermann setzt sich auch privat für Tiere ein. Sei es als aktives Mitglied des Vereins Akut (Aktion Kirche und Tiere) oder als Besitzerin von zehn Hausschweinen und sechs Hühnern. «Die Tiere unterliegen noch mehr als die Menschen dem Ausbeutungsmechanismus, jedoch viel verdeckter. Was auf einem Schlachthof passiert, wollen die wenigsten überhaupt wissen. Doch jeder von uns kann etwas tun, beispielsweise bewusster einkaufen oder weniger Fleisch essen». Und sie bekräftigt: «Wir haben eine Schöpfungsverantwortung. Tiere sind lebende Wesen, über die man sich Gedanken machen sollte.»

Sarah Stutte

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Tiergottesdienst in Romanshorn:

Samstag, 29. September, 18.30 Uhr und
Sonntag, 30. September, 10.15 Uhr.

Am Sonntag anschliessend Gelegenheit zum Gespräch mit David Hablützel im Treffli.

Weitere Infos unter: www.umsiedlungen.ch

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Mit Hund und Katze am Tiergottesdienst in Romanshorn.

Bild: zVg
Ein solches Wespennest wird es in der Kirche zu sehen geben.

Bild: David Hablützel
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