Leserbrief zu den feministischen Artikeln in forumKirche Nr. 6 + 7 2026
Es ist unbestritten, dass Frauen in der Kirche und Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Dennoch erscheint es fraglich, dass in zwei Ausgaben des Forums 13 Spalten den Anliegen feministischer Frauen, auch einer reformierten Theologin, gewidmet sind. Wie wir alle wissen, die reformierten Glaubensgeschwister haben ein anderes Verständnis von Eucharistie, Sakramenten und Priesteramt. Warum also diese Anleihe?
Auf die Frage «Wo waren die Männer aus der Gefolgschaft Jesu?» antwortete die Professorin, sie hätten Angst gehabt. Es ist kaum anzunehmen, dass sie keine Kenntnis von der Anwesenheit des Apostels Johannes zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, unter dem Kreuz hatte. Auch, dass der Jünger Josef von Arimathäa Pilatus unter Gefährdung seiner Position als Mitglied des Hohen Rates um die Bewilligung zur Abnahme des Leichnams und dessen Grablegung bat, ist bekannt. Diese Fakten scheinen nicht in die Argumentation gepasst zu haben.
Das Bild der Bischöfin in Nr. 7 empfand ich als Affront. Papst Johannes Paul II. stellte in «Ordinatio Sacerdotalis» am 22.05.1994 klar, dass die katholische Kirche Frauen nicht zur Priesterweihe zulassen kann. Dies ist ein feststehender Glaubenssatz.
Einige Überlegungen dazu:
- In Gen 2;7 schuf Gott Adam. Nachdem Gott, dem noch ungeschlechtlichen Menschen einen Wohnsitz im Garten Eden gegeben hatte, damit er ihn bearbeite und hüte, gebot er ihm, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, da er sonst sterben werde (Gen 2,15–17). Dann sprach Gott, der HERR: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm gleichwertig ist» (Gen 2,18). «Da liess Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der HERR, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu» (Gen 2,21–22):
- Gott schuf also den Menschen als Mann und Frau, nicht gleich aber gleichwertig, sich gegenseitig vervollständigend (Gen 2,7, 18, 21–22).
- In der Bibel gibt es viele jüdische Frauen in wichtigen Rollen, jedoch nie als Priesterinnen.
- Beim letzten Abendmahl, dem Pessach-Fest, an dem Jesus die Eucharistie einsetzte, waren ausschliesslich die Apostel, also ausschliesslich Männer anwesend.
- Das Pessachopfer musste männlich, einjährig und fehlerfrei sein und beim Schlachten durfte ihm kein Knochen zerbrochen werden (Ex 12). Jesus erfüllte diese Anforderungen und wurde zum vollkommenen Opferlamm (Joh 1,29). Somit wird Jesus als der zweiter Adam und Maria als zweite Eva (Mutter allen Lebens und der Kirche) betrachtet.
Bruno K. Hofstetter, Hallau
Sich über Frauen freuen
Reaktion auf Leserbrief forumKirche 10 / 2026 :
« Verkommt das Pfarrblatt forumKirche zur feministischen Plattform ? »
Zwar bin ich praktizierende und meistens aufmerksame Katholikin, aber mit nur einem zweijährigen Kurs vor fast 50 Jahren den Laien zugehörig. Umso interessierter las ich die allgemeinen Kommentare und Überlegungen aus dem Alten Testament des Verfassers. Wie würde wohl die Genesis lauten, wenn Gott erst kürzlich Adam und Eva erschaffen hätte ? Aber auch so, 3000 Jahre und viel Entwicklungszeit später weiss der Schöpfer, dass Frauen heute neue Rollen ausfüllen und sich auf vielen Ebenen gleich sicher bewegen wie Männer. Schule, Ausbildung, Studium – sieht da Herr Hofstetter noch Unterschiede ? Zahlenmässig in den Kadern vielleicht, aber auch das wird bald vorbei sein. Übrigens, die ängstlichen Männer um Jesus vor seinem Tod : Klar, das war phasenweise so, nicht rund um die Uhr …
Frauen in der katholischen Kirche ? Die Veränderung, die wir meinen, wird schon umstritten sein. Aber sind wir nicht ohnehin in einem Prozess, den man mit Unterwanderung bezeichnen könnte ! Gott hat auf der Erde, sagt man, unser Hirn, unser Herz, unsere Hand. Er schenkt uns damit auch Gestaltungsfreiheit. Frauen bilden in der Kirche das weitaus grösste Teilnehmerfeld, das forumKirche soll das gerne spiegeln. Frauen sind auch in leitenden Funktionen vertreten und bewundernswert gut. Kommen Sie mal nach Arbon, Herr Hofstetter, Sie werden staunen – und sich mit uns freuen.
Hedy Züger, Arbon