Leserbriefe zum Artikel «Der unbequeme Schweizer» in der Ausgabe 09/2026
Mit grossem Befremden habe ich in Ihrer letzten Ausgabe den Artikel von Nicole Hammer über Jacques Baud gelesen. Einerseits gehört meines Erachtens dieses Thema nicht in eine religiöse Zeitschrift. Anderseits ist er von einer erschreckenden journalistischen Unprofessionalität geprägt. Indem ausschliesslich die Aussagen von Herrn Baud widergegeben werden und er als völlig unschuldiges Opfer dargestellt wird, werden grundlegende journalistische Anforderungen missachtet.
Es geht mir nicht darum, den «Fall Baud» zu analysieren und zu beurteilen, was richtig und was falsch gelaufen sein mag. Ein Blick auf die Homepage «Wissensgeist.TV» von Frau Hammer hätte jedoch genügt, um zu erkennen, dass auf dieser Homepage unter dem Deckmantel «Freiheit» Ideologien von weit rechts aussen verbreitet werden, bis hin zu Verschwörungstheorien. Ich muss befürchten, dass die Redaktion des forumKirche mit dieser Weltanschauung sympathisiert, was ich für die katholische Kirche Thurgau für inakzeptabel halte. Ich erwarte in einer Ihrer nächsten Ausgaben eine Distanzierung von einem dermassen propagandistischen Journalismus.
Matthias Münst, Dussnang
Mit grossem Interesse habe ich den Artikel von Nicole Hammer über die EU-Sanktionen gegen Jacques Baud gelesen. Es ist ein wesentlicher Beitrag, in 'Forum Kirche' über diese empörende Verletzung der Menschenrechte zu informieren. Man kann Nicole Hammer nur zustimmen, wenn sie, die deutsche Bundesregierung zitierend, diese Sanktionen als Drohung und Einschüchterung an die Adresse der Gesamtbevölkerung analysiert. Und es ist ermutigend, dass sie Bauds Wille zum Widerstand zeigt; er lässt sich nicht zum Schweigen bringen, sondern schreibt weiter!
Silvia Nogradi, Nussbaumen
Warum verteidigt das katholische Pfarrblatt einen Mann, der sich zum Krieg Russlands gegen die Ukraine eindeutig prorussisch äussert? Einmal abgesehen davon, dass es den Dienstgrad "Generaloberst" in der Schweiz nicht gibt, wird der ehemalige Oberst im Generalstab Jacques Baud zutiefst dafür bedauert, dass ihn die EU sanktioniert und damit sein Alltagsleben vorübergehend stark eingeschränkt hat. Warum Baud sanktioniert worden ist, wird mit der Behauptung weggewischt, Baud unterstütze nicht die russische Position, sondern zitiere nur verschiedene Aussagen und Meinungen - dabei rückt aber stets ein prorussisches Narrativ in den Vordergrund.
Baud relativiert alles so lange, bis Putin mit dem Angriff auf die Ukraine doch wirklich nur die angeblich bedrohte russische Bevölkerung dort habe schützen wollen, während die Nato heute noch nicht wisse, was sie dort eigentlich will. Hört und liest man sich ein bisschen in Bauds Umfeld ein, landen wir sehr schnell im rechtsextremen Spektrum: Im Westend-Verlag ist nicht nur Bauds Buch «Putin - Herr des Geschehens» (2023) erschienen, dort publizieren auch Mitarbeiter des rechtsextremen Onlineportals Nius (Chef: Julian Reichelt). Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel titelte «Jacques Baud ist die Schweiz», und auf der Website Nicole Hammers, der Verfasserin des Berichts in forumKirche, schwingen die Freiheitstrychler wacker ihre Glocken zu Bauds Unterstützung.
Das ist alles nicht verboten, das gehört durchaus zur Meinungsfreiheit, auch wenn ich mir erlaube, anderer Meinung zu sein. Aber ich bin der Meinung, dass die Leser über diese Hintergründe informiert, d.h. aufgeklärt werden müssen und dass diese Art politischer Berichterstattung nicht in unser Pfarrblatt gehört.
Dr.phil. Karl Streiter, Schaffhausen
Herzlichen Dank für den Artikel zu Jacques Baud. Es ist grossartig, darüber im Forum Kirche lesen zu können, da ja die Schweizer Medienlandschaft über die unheilvolle Praxis der Schweizer Regierung und Behörde schweigt.
Regula Bartholdi
Vielen Dank für den Artikel zu Jacques Baud. Jacques Baud verkörpert den neutralen Vermittler zwischen zwei Seiten, was ja auch eine sehr wichtige Funktion der Schweiz sein könnte. Er erklärt zudem die Lage als Kenner.
Es ist sehr beängstigend, dass die EU ohne Anklage und Begründung jemanden sanktioniert und zwar auf brutale Art, und dies aufgrund von einem Zitat, das er nicht einmal selbst gesagt hat. Zumal dies allen Menschen in Europa passieren könnte. Dass die offizielle Schweiz sich nicht einmal für ihn einsetzt, ist erbärmlich und macht auch Angst. Warum pocht sie nicht wenigstens auf Rechtstaatlichkeit.
Darum ist es sehr wichtig, dass darüber berichtet wird, so wie das Forum dies macht. Vielen Dank.
Anne Seiterle