Beratung für Familien mit Kleinkindern

Für frischgebackene Eltern ist die Mütter- und Väterberatung eine grosse Stütze. Sie bietet Hilfe in jeglicher Hinsicht – ab Geburt bis zu fünf Jahren. forumKirche hat bei Katja Widmer, der Leiterin in Schaffhausen, nachgefragt, was ihre Arbeit alles beinhaltet. 

Seit wann gibt es die Mütter- und Väterberatung ?
Es gibt sie in der Schweiz seit über 100 Jahren. Früher hiess sie Säuglings­fürsorge und hat sich gewissermassen aus einem zudienenden Handlungsfeld für den Kinderarzt entwickelt. Damals war oft eine Pflegefachfrau gemeinsam mit dem Kinderarzt bei den Kontrollen dabei.

Worin sehen Sie Ihre heutige Aufgabe ?
Unsere Aufgabe besteht darin, alle Familien mit Kindern bis fünf Jahren in ihrer aufregenden, aber auch herausfor­dern­den Lebensphase zu unterstützen und Räume zu schaffen, in denen gespielt werden kann, Austausch stattfindet und Eltern sich bei einer Fachperson Rat holen können. Deshalb ist es unser Ziel, in den grösseren Gemeinden unseres Kantons Familientreffs aufzubauen, wie es sie bereits in Schaffhausen und Neuhausen gibt. Neu konnten wir das Angebot « Elterncafé » auch in Beringen und Thayngen installieren.

Werden diese Angebote genutzt ?
Die Zahlen sprechen für sich : Die neuen Treffangebote werden deutlich besser genutzt als klassische Beratungen, die nur ein- bis zwei Mal pro Monat statt­finden. Für einige Familien gehört der Besuch des « Elterncafé » bereits zur wöchent­lichen Routine. Sie lernen andere Eltern mit Kindern im gleichen Alter kennen, und es entstehen neue Kontakte und Freund­schaften. Auch Familien mit Migrations­hintergrund finden den Weg zu uns. Wenn es gelingt, dass Familien, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, regelmässig unsere Treffpunkte besuchen, kommen ihre Kinder früher mit der deutschen Sprache in Kontakt, was den Einstieg in den Kindergarten erleichtern kann.

Wie verändert sich die Beratung je nach Alter des Kindes ?
Am Anfang geht es vor allem um Themen wie Stillen, Schlafen oder den Beikost­start. Später stehen zunehmend Erziehungs­fragen im Vordergrund. Viele Eltern wünschen sich heute vor allem glückliche Kinder, und die bedürfnisorientierte Erziehung ist sehr präsent. Manchmal wird diese jedoch so verstanden, dass Kinder überall mitentscheiden dürfen. Dabei geht es eigentlich darum, den Kindern Leit­planken zu geben und als Eltern weiter­hin die erwachsene Bezugsperson zu bleiben, die die wichtigen Entscheidungen trifft. Kinder dürfen ihr Autonomiebedürfnis in kleinen Dingen ausleben, zum Beispiel bei der Wahl des Pullovers oder beim Spielen. Bei wichtigen Entscheidungen – etwa wann der Spielplatz verlassen wird oder welche Regeln gelten – liegt die Verantwortung jedoch bei den Eltern.
Dieser Spagat, die Autonomie des Kindes zu respektieren und ihm gleich­zeitig zu vermitteln, wie es zu einem gesell­schafts­fähigen, selbstständig denkenden Menschen wird, der sich auch einfügen kann, ist für viele Eltern eine sehr anspruchs­volle und herausfordernde Aufgabe.

Was raten Sie Eltern diesbezüglich ?
Ich rate Eltern, darauf zu vertrauen, dass sie die Experten für ihre eigenen Kinder sind. Nicht jede Erziehungsidee passt zu jeder Familie, deshalb ist es wichtig, den eigenen Weg zu finden. Dabei hilft es, mögliche Konfliktsituationen bereits im Voraus zu durchdenken, damit man im Moment so reagieren kann, wie es für einen stimmig ist. Ich selbst bin Pflegefachfrau mit Schwer­punkt Kind und habe ein Nachdiplom­studium zur Beraterin frühe Kindheit mit eidgenössischem Diplom absolviert. Diese Grundlage hilft mir, Familien ganzheitlich zu begleiten und sie in ihrer individuellen Situation zu stärken.

Was möchten Sie den Familien zum Muttertag noch mitgeben ?
Ich möchte den Familien mitgeben, dass sie sich auch die herausfordernden Zeiten bewusst machen dürfen und anerkennen, wie viel Arbeit sie täglich leisten. Das Elternsein ist nicht nur von schönen Momenten geprägt, sondern oft auch von anstrengenden Phasen. Umso wichtiger ist es, mit etwas Fantasie und Gelassenheit Wege zu finden, damit die schönen Zeiten überwiegen und man sie bewusst wahrnehmen kann. Und wenn es schwierig wird, sollte man sich nicht scheuen, sich mit anderen Familien oder Fachpersonen auszutauschen. Denn allen Eltern geht es manchmal ähnlich : Niemand erlebt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Trotz aller Herausforderungen darf das Aufwachsen mit Kindern eine freudvolle und bereichernde Zeit sein.

Interview und Bild : Béatrice Eigenmann, forumKirche, 23.04.2026


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Quelle: Béatrice Eigenmann

 

Katja Widmer
Quelle: Béatrice Eigenmann
Katja Widmer arbeitet seit 15 Jahren für die Mütter- und Väterberatung in Schaffhausen – seit vier Jahren als Leiterin.

 

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