Frauen in Leitungsfunktionen verändern Kirche positiv

Eine neue gemeinsame Studie der katholischen Frauen­organisa­tionen der Schweiz, Deutschlands und Österreichs zeigt : Wo Frauen Gemeinden leiten, verändert sich Kirche. Frauen setzen auf Beteiligung, Dialog und neue pastorale Ideen – kämpfen aber weiterhin mit begrenzten Rechten im kirchlichen System.

Frauen in Leitungspositionen prägen Kirche durch mehr Synodalität, stärkere Mitwirkung und eine bewusste Mässigung von Macht. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die die katholischen Frauen­verbände der deutschsprachigen Länder durchgeführt haben. 
Wie der Frauenbund Schweiz sowie die Schwesternorganisationen in Deutschland, Österreich und Südtirol in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, werde weibliche Leitung in der Kirche als « glaub­würdig, dialogisch, lebensnah und zukunfts­orientiert » erlebt.
Für die Studie haben die Frauenverbände Ehren- und Hauptamtliche aus Kirch­gemeinden befragt. Untersucht wurden verschiedene Dimensionen pastoraler Leitung, darunter partizipative, kommuni­kative und seelsorgliche Führungsstile. 

54 Fragebögen
Grundlage der Auswertung waren 54 aus­gefüllte Fragebögen mit Rück­meldungen aus Kirchgemeinden, die von Frauen geleitet werden. Darunter waren 15 Rückmeldungen aus der Schweiz. Die Auswertung erfolgte durch eine verbandsübergreifende Arbeitsgruppe.
Frauen in Leitungsfunktionen « favorisieren einen partizipativen Führungs­stil, fördern Mitwirkung, stärken gemein­schaft­liche Verantwor­tung und setzen neue pastorale Impulse », heisst es in der Mitteilung der Frauen­verbände. Die Studie zeige aber auch strukturelle Heraus­forderungen wie begrenzte Rechte in einem klerikalen Führungsmodell und die Abhängigkeit von Priestern etwa bei gewissen Entscheidungen und bei der Sakramentenspendung.

Erklärungsbedarf bei der Amtskirche
« Es liegt bei der Amtskirche zu erklären, warum Frauen nicht geeignet sein sollen, kirchliche Ämter zu übernehmen », kommentiert Katharina Jost-Graf, Co-Präsidentin des Frauenbunds Schweiz, die Ergebnisse gemäss Mitteilung des Frauenbunds Schweiz. « Frauen sind ebenso geeignet für die Leitung von Pfarrgemeinden wie Kleriker. » 
Die Ergebnisse wurden Anfang März Nathalie Becquart übergeben. Sie ist Untersekretärin der Bischofssynode im Vatikan. Die Arbeitsgruppe arbeitet aktuell an einer Langfassung der Ergebnisse. Diese soll den Bischofskonferenzen und den synodalen Gremien zur Verfügung gestellt werden, damit die Diskussion über Frauen in Leitungspositionen in Kirche und Gesellschaft weitergeführt und konkrete Handlungsperspektiven aufgezeigt werden.

Vatikan anerkennt Frauenfrage
Zeitgleich mit den Frauenverbänden veröffent­lichte auch der Vatikan eine Studie zur Klärung der Frauen­frage. Diese war an der Bischofssynode (2023 / 2024) von Papst Franziskus in Auftrag gegeben worden. Darin heisst es : « Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Alters­gruppe und in unterschied­lichen Teilen der Welt fühlt sich im Haus des Herrn nicht mehr zu Hause – bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen. » 
Damit anerkennt die katholische Kirche erstmals, dass die Frauenfrage kein Rand­phänomen westlicher Gesellschaften ist, sondern eine hohe Dringlichkeit hat. Mögliche Antworten auf die Frauenfrage gibt die Studie allerdings nicht. 

Sylvia Stam, pfarrblatt Bern / Red., 26.03.2026

Frau im Gewand
Quelle: KI-generiert
Kirche der Zukunft : Frauen in geweihten Ämtern

 

 

Nathalie Becquart
Quelle: Alessia Giuliani / Wikimedia Commons
Nathalie Becquart, vatikanische Untersekretärin

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