Wenn unterschiedliche Glaubenswelten aufeinandertreffen
Der 28-jährige Luka M.* wuchs in einem katholischen Elternhaus auf. Seit dem Jahr 2021 ist er mit seiner heutigen Frau zusammen, die sowohl im Islam als auch im Katholizismus erzogen wurde. Im Interview mit Kirche ohne Grenzen spricht Luka über seine Erfahrungen und schildert aus seiner persönlichen Perspektive, wie er die interreligiöse Beziehung zwischen Christentum und Islam erlebt.
Gab es einen Moment, in dem du das Gefühl hattest, dass die religiösen Unterschiede zwischen euch eine Rolle spielen ?
Eigentlich hat Religion in unserer Beziehung nie eine grosse Rolle gespielt. Ich wurde streng römisch-katholisch erzogen, während meine Frau durch ihren Vater muslimisch geprägt wurde. Ihr Vater stammt aus dem Libanon und ist Muslim.
Gleichzeitig ist ihre Mutter Italienerin, weshalb in ihrer Familie auch christliche Traditionen gelebt werden. So werden beispielsweise Weihnachten und Ostern gemeinsam gefeiert. Dadurch sind verschiedene religiöse und kulturelle Einflüsse in ihrer Familie selbstverständlich, was den Umgang mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen für uns beide erleichtert hat.
Hat die Religion eure Beziehung eher bereichert oder erschwert ?
Ich würde sagen, dass die unterschiedlichen religiösen Hintergründe unsere Beziehung sowohl bereichert als auch vor Herausforderungen gestellt haben. Bereichernd war vor allem, dass ich den Islam aus einer persönlichen Perspektive kennenlernen durfte. Durch meine Frau und ihre Familie erhielt ich Einblicke, die weit über das hinausgehen, was man aus den Medien oder aus Erzählungen kennt. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass weder meine Frau noch ihr Vater und dessen Familie besonders streng religiös sind. Traditionen und der Glaube spielen zwar eine Rolle, jedoch gehören beispielsweise das Tragen eines Kopftuchs, der regelmässige Moscheebesuch oder das fünfmalige tägliche Gebet nicht zu ihrem Alltag.
Eine Herausforderung ergab sich im Jahr 2024, als meine Frau schwanger wurde. In dieser Zeit führte ich viele Gespräche mit ihrem Vater über die religiöse Erziehung unseres Kindes. Schliesslich vereinbarten wir, dass unser Sohn nach der Geburt nicht getauft wird. Stattdessen soll er später selbst entscheiden können, welcher Glaubensrichtung er sich zugehörig fühlt und welchen Weg er einschlagen möchte. Für die Familie ist dabei wichtig, dass der Glaube grundsätzlich einen Platz im Leben hat. Die Entscheidung zwischen den religiösen Traditionen soll jedoch unser Sohn selbst treffen, wenn er alt genug ist, dies bewusst zu tun.
Was verstehen die meisten Menschen an Beziehungen zwischen Christen und Muslimen falsch ?
Das ist ein schwieriges Thema. Ich glaube, dass durch Social Media viele Werte verloren gegangen sind. Gerade bei Beziehungen zwischen Christen und Muslimen entsteht oft der Eindruck, dass es wichtiger sei, welcher Religion der Mann angehöre, und dass sich die Frau deshalb an dessen Glauben anpassen müsse. Diese Ansicht teile ich nicht. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch seinen Glauben frei ausleben können, unabhängig davon, ob er Christ oder Muslim ist. Wenn sich jemand dazu entscheidet, zu einer anderen Religion zu konvertieren, weil er sich dieser näher fühlt, dann sollte dies eine persönliche und freiwillige Entscheidung sein.
Grundsätzlich halte ich Religion für etwas sehr Persönliches. Deshalb finde ich, dass religiöse Fragen nicht im Internet oder von der Öffentlichkeit beurteilt werden sollten, sondern zwischen den betroffenen Menschen geklärt werden müssen.
Was hat deine Frau durch eure Beziehung über deine Religion oder deine Weltanschauung gelernt ?
Das kann ich nicht genau beantworten. Da ihre Mutter katholisch ist, wurden meine Frau und ihre vier Brüder mit beiden Religionen grossgezogen. Durch ihren Vater und dessen Herkunft beziehungsweise Familiennamen sieht sich meine Frau eher als Muslimin.
Im Alltag praktiziert sie jedoch weder den Islam noch das Christentum aktiv. Deshalb glaube ich nicht, dass sie durch unsere Beziehung grundlegend neue Erkenntnisse über meine Religion gewonnen hat, da ihr beide Glaubensrichtungen bereits seit ihrer Kindheit vertraut waren.
* Der Name wurde anonymisiert.
Text und Übersetzung: Filmon Kidane, 29.06.2026
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