Wie Jugendliche Kirche und Jugendkirche erleben
Filine Egli (17) besucht die 2. Klasse der Kantonsschule Schaffhausen im naturwissenschaftlichen Profil und interessiert sich neben der Schule für Religionen und Tennis. Im Interview mit Kirche ohne Grenzen erzählt sie aus ihrer Perspektive, wie sie das Thema Jugendkirche wahrnimmt.
Warum werden Jugendkirchen deiner Meinung nach immer beliebter ?
Ich glaube, das liegt einfach daran, dass sie näher an unserem Alltag sind. In einer klassischen Kirche ist oft alles vorgegeben, die Sprache ist ziemlich kompliziert, und der Ablauf ist immer gleich. Für ältere Menschen ist das schön und vertraut. Für uns Jugendliche kann das aber manchmal ziemlich weit weg vom eigenen Leben sein. Viele haben das Gefühl, dass ihre Fragen dort gar nicht richtig vorkommen oder dass ihre Themen zu wenig Platz haben. Gerade Jugendliche wollen gehört werden. Sie wollen ihre Sorgen und Gedanken teilen und merken, dass andere ähnliche Dinge denken. Jugendkirchen versuchen genau das aufzugreifen, und deswegen fühlen sich viele dort eher verstanden.
Du gehst selbst nicht oft in eine Jugendkirche, sondern in eine katholische Messe. Warum ?
Ich mag die Tradition. Die Rituale und festen Abläufe geben mir irgendwie Sicherheit. Es ist beruhigend zu wissen, dass der Glaube schon seit so vielen Jahren so gelebt wird. Man merkt, dass schon viele Generationen vor uns dieselben Gebete gesprochen und die gleichen Feiern erlebt haben. Dieses Gefühl von Kontinuität finde ich schön, es verbindet. Man fühlt sich als Teil von etwas Grösserem. Gleichzeitig merke ich, dass viele Jugendliche damit Mühe haben. Manche verstehen die Sprache nicht so richtig oder wissen nicht genau, was die einzelnen Teile bedeuten. Dann fühlt man sich eher wie ein Zuschauer, statt richtig dabei zu sein. Ich selbst habe aber auch schon Jugendveranstaltungen besucht.
Was läuft in einer Jugendkirche anders ?
Die Stimmung ist lockerer. Es gibt oft eine Band statt einer Orgel, und die Lieder sind moderner. Viele kann man auch einfach mitsingen. Auch die Sprache ist verständlicher. Predigten sind kürzer und drehen sich um Themen, die uns wirklich betreffen : Schule, Freundschaften, Stress, Zukunftsängste. Manchmal gibt es Gesprächsrunden, kleine Gruppen oder kreative Elemente wie Videos oder persönliche Geschichten. Das macht alles viel persönlicher. Man darf oft selbst etwas sagen oder mithelfen, zum Beispiel einen Text vorlesen, bei der Musik mitwirken oder bei der Vorbereitung helfen. Dadurch fühlt man sich richtig eingebunden.
Wie wichtig sind Musik und Social Media ?
Ich finde sie wichtig. Musik spricht Gefühle an. Wenn sie modern ist, fühlt man sich schneller abgeholt. Viele hören jeden Tag Musik, deshalb passt das auch gut in einen Gottesdienst. Social Media ist auch ein riesiger Faktor. Über Instagram oder andere Plattformen erfährt man erst von solchen Angeboten. Dort gibt es Ankündigungen, Videos oder kleine Gedanken zum Glauben. Kirche findet heute nicht nur im Gebäude statt, sondern auch online, und erreicht Jugendliche so viel leichter.
Geht es mehr um Glauben oder um Gemeinschaft ?
Beides ist wichtig. Gemeinschaft spielt in unserem Alter eine grosse Rolle. Man will dazugehören, Leute treffen und merken, dass man mit seinen Fragen nicht allein ist. In Jugendkirchen trifft man andere Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen. Gleichzeitig geht es auch um Glauben. Viele suchen Orientierung, auch wenn sie das nicht immer so sagen. Fragen nach Sinn, nach Werten oder nach dem eigenen Weg beschäftigen uns Jugendliche. Eine Jugendkirche kann ein Ort sein, wo man darüber nachdenken darf, ohne sofort alles beantworten zu müssen.
Sind Jugendkirchen die Zukunft ?
Ich glaube nicht, dass sie die traditionelle Kirche ersetzen werden. Die katholische Kirche mit ihren Sakramenten und Traditionen ist für viele Menschen sehr wichtig. Sie hat eine lange Geschichte und viel Bedeutung. Gleichzeitig können Jugendkirchen eine angenehme Ergänzung sein. Vielleicht braucht es einfach verschiedene Formen von Kirche, damit jeder etwas findet. Manche fühlen sich in einer Messe zu Hause, andere eher in einer modernen Jugendkirche. Am Ende geht es darum, dass jeder seinen eigenen Zugang zum Glauben findet.
Text und Übersetzung: Filmon Kidane, 26.03.2026
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