Sammeln für Renovation und Solaranlage

Stromausfälle, Armut und fehlende Perspektiven prägen den Alltag vieler Menschen in Kinshasa. Seit 50 Jahren schenkt das Schulzentrum Les Gazelles Kindern und Jugendlichen eine Zukunft. Die diesjährige Schaffhauser Bettagsaktion unterstützt das Jubiläums­projekt. Präsident Matthias Gafner hat die Schule kürzlich besucht.

Die Nächte sind schwül. Draussen ebbt das Leben in der Millionenstadt Kinshasa nur langsam ab. Matthias Gafner, Präsident des Vereins Freundinnen und Freunde des Schulzentrums Les Gazelles schläft mitten auf dem Gelände des Schul­zentrums Les Gazelles – nicht im Hotel, sondern in einem kleinen Büro, das kurzer­hand zu seiner Unterkunft geworden ist. Ganz ruhig bleibt es allerdings nicht. « Es gibt auch Mäuse », erzählt er schmunzelnd. « Die Verantwortlichen haben versucht, sie zu fangen, aber nicht alle erwischt. » Viel stärker in Erinnerung geblieben ist ihm jedoch die ausser­gewöhnliche Gastfreundschaft. « Man wird dort nicht einfach empfangen – man wird aufgenommen. »

Kinder mit grossen Träumen
Am eindrücklichsten sind für Matthias Gafner jedoch die Begegnungen mit den Kindern. Besonders eine Szene bleibt ihm in Erinnerung : Ein Lehrer unterrichtet die Erstklässler. Die Schülerinnen und Schüler verfolgen jedes seiner Worte aufmerksam und hängen ihm förmlich an den Lippen. « Zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder lernen und wie engagiert die Lehrpersonen unterrichten, hat mich tief berührt. In solchen Momenten weiss ich wieder, weshalb sich unser Einsatz lohnt. »
Rund 650 Kinder und Jugendliche besuchen heute das Schulzentrum Les Gazelles. Neben Kindergarten, Primar- und Sekundarschule besitzt die Schule ein besonderes Profil : Sie bildet gezielt Lehrerinnen und Lehrer sowie Schneiderinnen und Schneider aus. Die angehenden Lehrpersonen sammeln ihre Praxiserfahrung direkt in den schuleigenen Klassen. Viele von ihnen kehren später als Lehrpersonen an die Schule zurück. Die Schneiderinnen und Schneider lernen ihr Handwerk an professionellen Maschinen und erwerben Fähigkeiten, die ihnen später den Weg in den Beruf erleichtern.

Alles begann in einem Garten
Die Geschichte des Schulzentrums beginnt vor 50 Jahren mit einer Frau aus Hallau. Die Lehrerin Heidi Kabangu-Stahel zog in den Kongo und blieb. Als sie Kinder auf den Strassen spielen sah, entstand der Wunsch, ihnen bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. « Sie sagte immer, diese Kinder verdienen dieselben Möglichkeiten wie alle anderen », erzählt Gafner. Zunächst unterrichtete sie einige wenige Kinder im Garten ihres Hauses. Jahr für Jahr kam eine weitere Klasse hinzu. Aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich eines der angesehensten Schulzentren der Region. Kindergarten, Primar- und Sekundarschule sind unter einem Dach vereint. 

Wer heute durch Kinshasa fährt, erlebt eine Stadt voller Gegensätze. Immer mehr Menschen ziehen in die Hauptstadt, während Strom­versorgung, Wasserversorgung und Infrastruktur kaum Schritt halten. « Mein Eindruck ist leider, dass sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahren verschlechtert haben », sagt Gafner. « Umso wichtiger ist eine gute Ausbildung. Sie gibt jungen Menschen die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dass dies gelingt, erlebt Gafner immer wieder. Ehemalige Schülerinnen und Schüler kehren als Lehrpersonen an ihre Schule zurück. Andere arbeiten später bei Banken oder finden qualifizierte Arbeitsstellen.

Strom für die Zukunft
Für Matthias Gafner ist Les Gazelles weit mehr als ein Schulzentrum. Es ist ein Ort, an dem Zukunft entsteht. Wer hier eine Aus­bildung erhält, verbessert nicht nur die eigenen Chancen, sondern trägt das Erlernte weiter. « Bildung verändert nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Familien und Generationen », sagt Gafner. Gerade deshalb sei jede Unterstützung eine Investition, deren Wirkung weit über die Schulmauern hinausreiche. Die diesjährige Bettagsaktion unterstützt die Renovation der Schulgebäude und den Ausbau der Solaranlage. Denn obwohl Computerunterricht längst selbst­verständlich ist und in der Berufs­ausbildung moderne Nähmaschinen einge­setzt werden, fehlt häufig die wichtigste Voraussetzung : Strom. « Wenn die Elektrizität ausfällt, steht vieles still », erklärt Matthias Gafner. « Mit einer leistungs­fähigeren Solaranlage könnten Computer, Kopierer und Nähmaschinen zuverlässig betrieben werden. »

Im Jubiläumsjahr wird das Schul­zentrum das ganze Schuljahr hindurch feiern – mit Gottesdiensten, Ausstel­lungen, Modeschauen und Bildungs­veranstaltungen. Im Mai 2027 folgt der offizielle Festakt, an dem auch eine Delegation aus der Schweiz teilnehmen wird. Für Matthias Gafner steht dabei nicht das Jubiläum im Vordergrund. « Wenn ein Kind dank guter Bildung später sein Leben selbst gestalten kann, dann hat sich jeder Einsatz gelohnt. »

Carmen Schirm-Gasser, 24.08.2026

Eine Kindergartenklasse des Schulzentrums Les Gazelles
Quelle: zVg
Eine Kindergartenklasse des Schulzentrums Les Gazelles

 

Werkunterricht im Zentrum Les Gazelles
Quelle: zVg
Schülerinnen und Schüler im Werkunterricht im Zentrum Les Gazelles

Kommentare

+

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.