Zeit, Zuwendung und Empathie am Lebensendel

Angelika Tschanen ist Aktuarin im Vorstand des Vereins dasein – Begleitung am Lebensende. Im Interview erzählt sie vom Angebot des Vereins und von der Ausstellung über Cicely Saunders, der Pionierin von Palliative Care. 

Was ist der Zweck des Vereins dasein – Begleitung am Lebensende ?
Der Verein wurde 1998 gegründet als Verein zur Begleitung von Schwerkranken. Später wurde er umbenannt. Das Ziel ist, Menschen am Lebensende durch Zuwendung und Empathie zu begleiten, ihnen Zeit zu schenken. 
Wir sind zu siebt im Vorstand und arbeiten zurzeit ohne Präsidium im Team. Es ist heute schwierig, Leute für den Vorstand zu finden. Unsere Dienstleistung ist gratis, alle arbeiten unentgeltlich. Wir finanzieren uns durch Mitgliederbeiträge und Spenden. 
Unsere Freiwilligen leisten Einsätze zu Hause und in Pflegeinstitutionen, tags­über und nachts, ein- oder mehrmals pro Woche. Sie ergänzen Fachorganisationen wie die Spitex und palliative Dienste, medizinische Unterstützung dürfen sie keine geben. Erlaubt sind einfache pflege­rische Handgriffe. Es geht vor allem ums Dasein, ums Zeithaben für die Betroffenen und um die Entlastung der Angehörigen.

Wie viele Freiwillige sind zurzeit für den Verein tätig ? 
Wir haben einen Pool von ca. 20 lebens­erfahrenen Menschen im ganzen Kanton, der durch Mund-zu-Mund-Werbung gespeist wird. Zwei in der Palliative Care ausge­bildete erfahrene Vermittlerinnen klären die Motivation und Eignung der Interessierten ab und begleiten sie bei ihren Einsätzen. Sie schätzen ab, wer am besten zu welchem Einsatz passt. Die Freiwilligen erhalten zuerst einen Einführungskurs und sprechen in regel­mässiger Supervision über ihre Erfahrungen.
Indem wir das Thema « Sterben und Tod » in die öffentliche Diskussion tragen, möchten wir Ängste abbauen und über Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Dazu veranstaltet unser Verein Lesungen, Vorträge, Filmabende und nun die Ausstellung im Konventhaus.

Was bedeutet Palliative Care denn genau ?
Darunter versteht man alle Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so die best­mögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen. Pallium bedeutet Mantel im Lateinischen. Es handelt sich also um eine umhüllende Begleitung, die sich stark auf den Willen des Betroffenen abstützt. Cicely Saunders ist die Pionierin von Palliative Care.

Wer war Cicely Saunders ?
Sie hat von 1919 bis 2005 in England gelebt und als englische Kranken­schwester, klinische Sozialarbeiterin, Ärztin und Forscherin mit christlichem Hinter­grund gearbeitet. Aufgrund ihrer Erkenntnisse aus unzähligen Gesprächen mit unheilbar Schwerkranken entwickelte sie das Konzept von « Total Pain ». Sie erkannte, dass sich Schmerzen zwar oft körperlich äussern, aber auch seelische, soziale und spirituelle Wurzeln haben. Diese vier Dimensionen sind deshalb in der Behandlung und Begleitung zu berück­sichtigen. David Tasma, ein krebskranker Mann, der das Warschauer Ghetto überlebt hatte, ermutigte sie durch seine Spende von 500 Pfund, 1967 das erste Hospiz in London zu gründen. 

Sie holen die Wanderausstellung « Du zählst, weil du bist » über Cicely Saunders nach Schaffhausen. Was gibt es zu sehen ? 
Es handelt sich um neun grosse Roll-ups, Aufsteller, auf denen Cicely Saunders' Rolle als Pionierin der Palliative-Bewegung gezeigt wird. Sie tourt seit letztem Jahr durch die Schweiz. Wir haben dazu ein abwechslungs­reiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. 

Was ist Ihre Motivation, sich für den Verein zu engagieren ?
Nach meiner Pensionierung habe ich eine sinnvolle Aufgabe gesucht. Ich stiess auf ein Inserat, in welchem der Verein eine Aktuarin suchte. Da ich gerne schreibe, mitdenke, im Team arbeite, Öffentlichkeits­arbeit mache und organisiere, habe ich mich gemeldet. 
Palliative Care ist kein Wohlfühlthema, aber in Bezug auf die Tiefe des Lebens ist es sehr spannend. Ich wünsche mir, dass es auf allen Ebenen mehr Anerkennung, Unterstützung und Ressourcen erhält. 

21.9.2026, forumKirche, Béatrice Eigenmann


Ausstellung « Du zählst, weil du bist »

18.–29. Oktober, Mo–Fr, 17–20 Uhr, Sa + So, 11–14 Uhr im Konventhaus Schaffhausen; Wanderausstellung über Cicely Saunders, Pionierin der Palliative Care – mit Rahmenprogramm
 

Angelika Tschanen, Aktuarin des Vereins dasein - Begleitung am Lebensende
Quelle: Béatrice Eigenmann
Möchte, dass Palliative Care mehr Anerkennung und Unterstützung erhält : Angelika Tschanen vom Verein dasein – Begleitung am Lebensende

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