Die Geschichte der Heiligen Idda von Toggenburg bewegt bis heute
Ein gestohlener Ring. Ein tödlicher Verdacht. Ein Sturz in die Tiefe. Eine Frau, die trotz allem nicht verbittert ist: Die Geschichte der heiligen Idda enthält alles, was eine grosse Legende ausmacht. Doch rund um das Kloster Fischingen ist sie weit mehr als eine alte Erzählung. Acht Jahrhunderte nach ihrem Tod erinnert eine Festwoche an eine Frau, deren Botschaft aktuell geblieben ist.
Die heilige Idda gehört zu den prägendsten Glaubensgestalten der Ostschweiz. Ihr Name ist mit dem Kloster Fischingen ebenso eng verbunden wie dessen barocke Türme und die Wallfahrtskirche auf der Iddaburg. Dabei beginnt ihre Geschichte düster.
Diebischer Rabe
Idda, eine junge Adlige auf einer Toggenburger Burg, legt eines Tages ihren kostbaren Ehering auf das Fensterbrett, um sich zu waschen. Ein Rabe schnappt sich den Ring und fliegt damit davon. Idda sucht in der Umgebung vergeblich nach dem Schmuckstück und wagt nicht, ihrem eifersüchtigen Mann vom Verlust zu erzählen. Ein Jäger findet den Ring in einem Rabennest und steckt ihn ahnungslos an seinen Finger. Als der Graf den Ring eines Tages an der Hand des Mannes sieht, geht er davon aus, seine Frau hätte ihn mit dem Jäger betrogen. Von blinder Eifersucht getrieben, lässt er den Jäger töten und zerrt Idda auf die Burgmauer. Dort stösst er sie in die Tiefe.
Wundersame Wendung
Idda überlebt den Sturz. Einige Überlieferungen berichten, sie sei von Gott beschützt worden. Andere erzählen, ein Hirsch habe sie aufgefangen. Während ihr Ehemann von Schuld und Zorn beherrscht wird, findet Idda ihren Weg in die Freiheit. Sie zieht sich in die Wälder bei Fischingen zurück und beginnt dort ein neues Leben als Einsiedlerin. Sie betet und hilft Bedürftigen. Idda wird zu einer Frau des Rates und der Versöhnung und ist für ihre Weisheit bekannt. Als ihr Ehemann Jahre später seinen verhängnisvollen Irrtum erkennt, soll er zu Idda gegangen sein. Er bittet um Vergebung und bietet ihr an, in ihr früheres Leben zurückzukehren. Idda vergibt ihm, entscheidet sich aber, ihr einfaches Leben in einer Klause nahe Fischingen weiterzuführen.
Hirsch weist den Weg
Untrennbar mit der Heiligen verbunden ist auch ein geheimnisvolles Tier. Wenn Idda frühmorgens durch den dunklen Wald zur Messe ging, soll sie von einem Hirsch begleitet worden sein. Zwölf Lichter hätten auf dessen Geweih geleuchtet und ihr den Weg gewiesen. So wurde der Hirsch zum Symbol einer Frau, die selbst nach den dunkelsten Stunden ihres Lebens das Licht nicht verloren hatte.
In diesem November jährt sich der Todestag von Idda zum 800. Mal. Gedacht wird ihrer mit einer spirituellen Sonderwoche. Vom 3. bis 8. November laden die Benediktinergemeinschaft Kloster Fischingen, die katholische Kirchgemeinde Fischingen und die Wallfahrtsstiftung St. Iddaburg zu Gottesdiensten, Vorträgen und Begegnungen ein. Die Veranstalter bezeichnen Idda als « eine der bedeutendsten Glaubensgestalten der Region ».
Dabei soll nicht nur zurückgeschaut werden. In der Einladung zum Jubiläum heisst es : « Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen das Andenken an die heilige Idda zu feiern und ihrer Bedeutung für unsere Region nachzuspüren. » Dieses Nachspüren lohnt sich. Denn hinter der Legende verbirgt sich eine zeitlose Frage : Wie gehen Menschen mit Verletzungen um ? Was tun wir, wenn wir ungerecht behandelt werden ? Und wie finden wir den Mut, anderen zu vergeben ?
Ralph Weibel, forumKirche, 21.09.2026
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