Wie die eritreischen Glaubensgeschwister Ostern feiern

Pfarrer Eman Medhannie erzählt Kirche ohne Grenzen im Interview, wie er sein Amt ausübt und wie die eritreische katholische Glaubensgemeinschaft in der Schweiz Ostern feiert. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über 16 Kantone.


Wie viele christliche Eritreer*innen leben in der Schweiz? 
Die genaue Anzahl aller christlich gläubigen Eritreer*innen ist mir nicht bekannt, jedoch bin ich für über 10'000 Gläubige zuständig, die eritreisch-katholisch sind. Diese sind auf 16 Kantone verteilt. Es gibt auch die eritreisch-orthodoxe Kirche in der Schweiz. 
Ich finde es sehr interessant, in welchen Lebenssituationen sich die verschiedenen Personen befinden und welche Rolle dabei ihr Glaube spielt. Viele von ihnen kenne ich persönlich, weil sie ehrenamtlich in unserer Gemeinschaft tätig sind und ich im ständigen Austausch mit ihnen stehe. Hausbesuche sind für mich keine Seltenheit, denn ich betreibe ja auch Seelsorge – und das kann intensiv sein.

Wie schaffen Sie es, für 16 Kantone zuständig zu sein?
Ich trage die Hauptverantwortung für die Gläubigen an diesen Orten. Das bedeutet nicht, dass ich immer überall sein kann. Das ist einfach nicht möglich. Jeden Monat feiere ich in verschiedenen Städten und Ortschaften die Messe, aber vor Ort wird das Glaubensleben mithilfe unserer Ehrenamtlichen selbst koordiniert und organisiert. Diese Freiwilligen sind ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Systems. Meine Gemeinschaft und ich sind auf ihre Hilfe angewiesen. Mit diesen Ehrenamtlichen stehe ich im ständigen Austausch. Mein Büro habe ich an meinem Wohnsitz in Olten. Die häufigste Kontaktaufnahme der vergangenen Zeit war übers Telefon. Ich habe momentan das Privileg, genug Helfer*innen zu haben, die sich gerne in die Gemeinschaft einbringen. Somit können viele schöne Gottesdienste gefeiert werden.

Gibt es Unterschiede zwischen dem schweizerischen und dem eritreischen Osterfest?
Das Osterfest ist von seiner Eigenart und seinem Ursprung her natürlich dasselbe. Der wesentliche Unterschied ist der, dass wir in unserem Ritus nach dem julianisch-alexandrinischen Kalender gehen. Hierzulande richtet man sich hingegen nach dem gregorianischen Kalender. Deshalb findet unser Osterfest später statt als dasjenige nach dem gregorianischen Kalender, dieses Jahr am 5. Mai. Wir organisieren – speziell an Ostern – Aushilfspriester aus Rom, damit an möglichst vielen Orten Ostern gefeiert werden kann. Die Liturgie richtet sich nach dem orientalischen Ritus, der in der Kultsprache Ge’ez stattfindet. In der Schweiz orientiert sich die römisch-katholische Kirche am lateinischen Ritus. Bei uns dauert die Osterzeit ebenso von der Nacht auf Ostersonntag bis zu Christi Himmelfahrt. In den Liturgien gibt es viele äusserliche Unterschiede, aber im Grunde ist alles nach demselben Prinzip aufgebaut: Es gibt eine Wortfeier, danach eine Mahlfeier.

Was bedeutet die Fastenzeit für Ihre Glaubensgemeinschaft?
In diesen 40 Tagen liegt es in unserer Verantwortung, auf Milchprodukte, Fleisch und auch auf Eier zu verzichten. In der Fastenzeit kann man natürlich auch auf etwas Selbstgewähltes verzichten, eine schlechte Angewohnheit wie z.B. das Trinken von Alkohol. Diese Zeit im Jahr ist auch eine ideale Zeit, um sich selbst und seine Umgebung anders wahrzunehmen. Viele Gläubige nutzen diese Zeit, um sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen.

Werden bei Ihnen die Eier auch bemalt?
Bei uns werden die Eier nicht gefärbt (lächelnd). Jedoch spielen diese auch bei uns eine wichtige Rolle, denn wir kochen die Eier, um sie dann mit unserer Landesspezialität Injera zu essen. Zu fast allen Feiertagen gibt es Injera mit verschiedensten Variationen. Dabei handelt es sich um weiches, gesäuertes Fladenbrot aus Teffmehl. Teff ist ein Getreide, das gut an extreme Bedingungen angepasst ist. Es ist ein typisch eritreisches Getreide. Es wird auch als Zwerghirse bezeichnet. Die Gärung passiert durch das Stehenlassen des Teiges. Injera wird mit verschiedenen Saucen, Gemüse und Fleisch gegessen.

Interview & Übersetzung: Filmon Kidane, 26.03.2024



 

Pfarrer Eman Medhannie
Quelle: zVg
Pfarrer Eman Medhannie lebt seit sechs Jahren in der Schweiz.

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