Über Glauben, Mut und Hoffnung
Der 16-jährige Lionel Dedaj lebt seit seiner Geburt ohne Augenlicht. Früher verbrachte er die ganze Schulwoche im Internat, heute fährt er an den meisten Tagen selbstständig mit dem Zug nach Hause. Zwischen Schule, Schlagzeugunterricht und Torballtraining bereitet er sich zudem auf seinen nächsten Schritt vor : die Berufswahl. Im Gespräch mit Kirche ohne Grenzen erzählt Lionel, weshalb Blindheit für ihn nicht im Mittelpunkt steht, wie ihn sein Glaube durch schwierige Zeiten trägt und warum Hoffnung manchmal mehr bedeutet, als sehen zu können.
Der Zug hält am Bahnhof. Menschen steigen ein und aus, eilen ihrem Alltag entgegen. Mittendrin bewegt sich Lionel Dedaj mit seinem Blindenstock sicher über den Bahnsteig. Für viele ist eine Zugfahrt selbstverständlich – für den 16-Jährigen bedeutet sie Freiheit. Allein unterwegs zu sein, Entscheidungen selbst zu treffen und den eigenen Weg zu gehen, hat er sich Schritt für Schritt erarbeitet.
Blindheit begleitet Lionel seit seiner Geburt. Dennoch möchte er nicht auf seine Sehbehinderung reduziert werden. « Ich weiss gar nicht, wie es ist, sehen zu können. Deshalb fehlt mir eigentlich nichts. Es ist einfach mein Leben », sagt er.
Nicht die Blindheit bestimmt sein Leben
Aufgewachsen in der Schweiz mit familiären Wurzeln im Kosovo, beschreibt sich Lionel als feinfühlig, humorvoll und emotional. Seine Freizeit verbringt er mit Freunden, spielt Torball und Schlagzeug. Schmerzhaft waren für ihn vor allem Momente, in denen er unterschätzt wurde. Viele Menschen würden automatisch annehmen, dass blinde Menschen vieles nicht allein schaffen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Zugfahrt nach einem Besuch bei seiner Grossmutter. Seine Familie wollte ihn aus Sorge zunächst nicht allein reisen lassen. Heute sagt er : « Ich weiss, dass es Fürsorge war. Aber ich brauchte jemanden, der mir Mut machte. Nur so konnte ich lernen und selbstständig werden. » Diese Selbstständigkeit bedeutet ihm sehr viel. Allein Zug zu fahren, Schnupperlehren zu organisieren oder eigene Ziele zu verfolgen, erfüllt ihn mit Stolz. « Ich wünsche mir, dass die Menschen nicht zuerst die Behinderung sehen, sondern die Person. »
Ein Glaube, der trägt
Lionel wuchs von Kindesbeinen an mit dem christlichen Glauben auf. Seine Eltern und Grosseltern nahmen ihn regelmässig mit in die Kirche. Heute lebt er seinen Glauben auf persönliche Weise : « Ich bete nicht gerne nach vorgegebenen Texten. Für mich ist Beten eher wie ein Gespräch mit Gott. » Gerade in schwierigen Zeiten wurde dieses Gespräch für ihn besonders wichtig. « Ich hatte das Gefühl, dass mir jemand zuhört. Das hat mir Kraft gegeben und mir geholfen, schwierige Situationen länger auszuhalten. »
Auch Lionel stellt sich die grossen Fragen des Glaubens. Warum gibt es Leid ? Warum ist das Leben nicht immer gerecht ? « Ich glaube nicht, dass Gott mir die Blindheit geschenkt hat. Ich glaube vielmehr, dass er mir die Kraft und den Mut gibt, damit zu leben. »
Kirche als Ort der Hoffnung
Mit der Kirche verbindet Lionel Gemeinschaft und Hoffnung. Vor allem die Musik berührt ihn zutiefst. Als er einmal eine Kirche besuchte und die Orgel erklang, konnte er seine Tränen nicht zurückhalten.
Mehrmals durfte er nach Lourdes reisen. Die Pilgerstätte habe ihm viel Kraft und Hoffnung geschenkt. Weniger die Hoffnung auf ein Wunder als die Hoffnung selbst sei für ihn entscheidend.
Träume trotz Grenzen
Als Kind hätte Lionel gerne Fussball gespielt. Heute weiss er, dass manche Träume unerreichbar bleiben. Dafür hat er neue Ziele gefunden. Er interessiert sich für Informatik, träumt davon, bei Apple zu arbeiten, und wünscht sich einen Blindenführhund. Am wichtigsten ist ihm jedoch seine Familie. « Wenn ich arbeite und finanziell unabhängig bin, möchte ich meiner Mutter alles ermöglichen können, was sie sich wünscht. »
Auf die Frage, was er den Leserinnen und Lesern mitgeben möchte, antwortet Lionel : « Jeder Mensch hat einen anderen Glauben. Und das ist in Ordnung. Wichtig ist, den Glauben der anderen zu respektieren. Jeder trägt seine eigenen Herausforderungen im Leben. Man braucht Mut, sie anzunehmen und seinen eigenen Weg zu gehen. »
Sein Leben beschreibt der 16-Jährige mit einem einzigen Wort : « Faszinierend. Denn trotz allem gibt es immer die Chance, ein schönes Leben daraus zu machen. »
Text und Übersetzung: Gabriela Dedaj, 24.08.2026
Me zemër shihet më shumë se me sy
Një rrëfim për besimin, guximin dhe shpresën që lind nga zemra
Lionel Dedaj është vetëm 16 vjeç dhe që nga lindja jeton pa shikim. Megjithatë, ai nuk dëshiron që njerëzit ta njohin vetëm për verbërinë e tij. Për të, kjo është thjesht pjesë e jetës. « Nuk e di si është të shohësh, prandaj nuk më mungon, » thotë ai.
I rritur në Zvicër, me rrënjë nga Kosova, Lionel është një djalë i ndjeshëm, me humor dhe plot ëndrra. Ai luan torball dhe daulle, udhëton vetëm me tren dhe çdo hap drejt pavarësisë është një fitore e madhe. Edhe pse ka hasur paragjykime dhe njerëz që nuk kanë besuar në aftësitë e tij, ai nuk është dorëzuar kurrë.
Forcën më të madhe e gjen te besimi në Zot. Për të, lutja nuk është një tekst i mësuar përmendësh, por një bisedë e sinqertë me Zotin. Në momentet më të vështira ai është ndier i dëgjuar dhe ka gjetur guxim për të vazhduar. Ai nuk beson se Zoti ia dha verbërinë, por se i jep forcën për të jetuar me të çdo ditë.
Vizitat në Lourdes dhe koha në Kishë i kanë dhënë shpresë dhe paqe. Edhe pse dikur ëndërronte të luante futboll, sot ka ëndrra të reja : të punojë në Apple dhe një ditë të ketë një qen udhërrëfyes.
Mbi të gjitha, Lionel jeton për familjen. Dëshira e tij më e madhe është që, kur të bëhet i pavarur, t’ia plotësojë nënës së tij çdo dëshirë.
Mesazhi i tij është i thjeshtë, por i fuqishëm : mos e shihni së pari pengesën, por njeriun. Çdokush ecën me sfidat e veta dhe, me besim, dashuri e guxim, mund ta ndërtojë një jetë të bukur.
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