Einblick in den baptistischen Glauben und das Gemeindeleben in Schaffhausen

Beat Bär ist 68 Jahre alt, evangelisch aufgewachsen und arbeitet als Ingenieur im Bereich Freileitungsarmaturen. Als Präsident der Baptistengemeinde Schaffhausen engagiert er sich ehrenamtlich und gestaltet das Gemeindeleben mit. Im Interview mit Kirche ohne Grenzen erzählt er von seinem Glauben und davon, was ihm die Gemeinschaft bedeutet.

Was bedeutet es für Sie, Teil Ihrer Baptistengemeinde zu sein ?
Durch die Gemeinschaft kann ich meine persönliche Beziehung zu Jesus und Gott vertiefen und gleichzeitig Beziehungen zu anderen Menschen pflegen. Als Teil der Baptistengemeinde kann ich Gottes­dienste und weitere Bereiche der Gemeinde mitgestalten, was mir viel Freude bereitet.

Wie können Sie das Gemeindeleben mitgestalten ? 
Unsere Baptistengemeinde ist weitgehend selbstständig. Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam an unseren Mitglieder­versammlungen. Jede Person kann ein Anliegen an die Gemeindeleitung herantragen. Grundsätzlich kann sich jede Person in der Gemeinde einbringen. Ein grosser Teil unserer Arbeit beruht auf freiwilligem Engagement. Gleichzeitig sind wir in den Bunf Schweizer Baptistengemeinden eingebunden. Finanziell sind wir selbsttragend und auf die Spenden unserer Mitglieder angewiesen.

Was unterscheidet eine Baptistengemeinde aus Ihrer Sicht besonders von der katholischen Kirche ?
Ich habe das Gefühl, dass die Beziehung zu Jesus in der Baptistengemeinde persönlicher ist. Unsere Gemeinde ist um einiges kleiner als die kirchlichen Gemeinden in Schaffhausen. Dadurch erkläre ich mir auch das aktivere Gemeindeleben bei uns. Zudem haben wir eine Gebetsgemeinschaft, in der man laut oder leise beten kann.
Welche Rolle spielen die Bibel und das persönliche Bibellesen in Ihrem Alltag und in Ihrer Gemeinde ?
Für mich persönlich ist es wichtig, den Tag mit einer Bibellese abzuschliessen. Für unsere Gemeinde ist die Bibel der Leitfaden und ein zentrales Element unseres wöchentlichen Bibelgesprächskreises. Sie bietet uns eine wichtige Grundlage für den gemeinsamen Austausch und hilft uns dabei, uns mit den biblischen Inhalten auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen. 

Wenn Sie einer katholischen Person, die noch nie eine Freikirche besucht hat, etwas über Ihre Gemeinde mitgeben könnten : Was würden Sie ihr gerne sagen ?
Ich würde sagen, dass wir eine normale, bodenständige Gemeinde sind, die sich in gewissen Punkten an der evangelischen Landes­kirche orientiert. Wir sind weder eine charismatische Gemeinde noch eine Sekte. Gemeinschaft ist uns sehr wichtig. Bei Kaffee und Kuchen kommen wir miteinander ins Gespräch, tauschen uns aus und verbringen Zeit miteinander.

Gab es einen bestimmten Moment oder eine Erfahrung in Ihrem Leben, die Ihren Glauben grundlegend verändert oder besonders geprägt hat ?
Ein entscheidender Moment war für mich der 3. September 1989, als ich mein Leben Jesus Christus übergeben habe. Danach hat sich in meinem Leben einiges verändert. Zum Beispiel spielte ich nicht mehr am Sonntagmorgen Fuss­ball und begann, regelmässig mit der Familie zusammen Gottesdienste zu besuchen. Ich bin in der evangelischen Landes­kirche aufgewachsen und bringe diese Erfahrungen heute auch in meine Gottes­dienst­moderation ein.

Was glauben Sie, könnten katholische und baptistische Christen voneinander lernen ?
Als Baptisten können wir von der katho­lischen Kirche beispielsweise lernen, das Kirchenjahr bewusster zu leben. Advent, Weihnachten, Ostern und Pfingsten geben dem Glauben einen Rhythmus. Auch liturgische Formen und wiederkehrende Gebete können wertvoll sein, denn Wieder­holungen können geistliche Tiefe bringen.
Auch den Raum für Stille sowie die lange Tradition und Kirchengeschichte der katholischen Kirche finde ich wertvoll. Diese Aspekte können neue Impulse für den eigenen Glauben geben.
Umgekehrt können katholische Christen aus meiner Sicht ebenfalls einiges von Baptisten mitnehmen. Dazu gehören die bewusste persönliche Entscheidung für Christus sowie das selbstständige Lesen und Verstehen der Bibel. Auch die aktive Beteiligung am Gemeindeleben und die gegenseitige Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft spielen bei uns eine wichtige Rolle.

Filmon Kidane, 5.10.2026


 

Beat Bär, Präsident der Baptistengemeinde Schaffhausen
Quelle: Filmon Kidane
Beat Bär im Garten der Baptistengemeinde Schaffhausen, wo sich zwischen 30 und 40 Baptistinnen und Baptisten treffen

Tigrinische Version

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