Wie Kinder den Glauben entdecken und erleben können
Kindergottesdienste zeigen, wie Kirche kindgerecht, lebendig und nah an der Lebenswelt von Familien gestaltet werden kann. Doch wie funktionieren sie eigentlich ? Worin unterscheiden sie sich von einem regulären Gottesdienst ? Wie ein Kindergottesdienst gestaltet werden kann und welcher Ausbildungsweg dafür angeboten wird, beantwortet Suza Trajkova, Fachperson für Katechese, Kind und Familie.
Was macht einen Kindergottesdienst so besonders und worin unterscheidet er sich von einem regulären Gottesdienst ?
Der Kindergottesdienst ist speziell auf die Bedürfnisse der Kinder sowie auf ihre Lebenswelt ausgerichtet. Der Sinn ist, dass man die Kinder dort abholt, wo sie in ihrer Entwicklung und mit ihren Erfahrungen stehen, und sie damit ins Zentrum stellt. Kinder begreifen die Welt mit allen Sinnen. Ein bedürfnisgerechter Kindergottesdienst lebt von Bewegung, Musik, visuellen Medien, kreativem Gestalten und einer einfachen, kindgerechten Sprache. Durch lebendiges Erzählen biblischer Geschichten, etwa durch das Verstellen der Stimme, tauchen die Kinder tiefer in die Handlung ein. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der Raum kindgerecht gestaltet wird, zum Beispiel durch einen Sitzkreis mit Sitzkissen und einer gestalteten Mitte. Zwar orientiert sich der Ablauf an den liturgischen Kernelementen, nutzt aber den Freiraum, um auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und ihnen die Frohe Botschaft in kindgerechter Weise zu verkündigen.
Warum sollten Eltern, die noch nie in einem Kindergottesdienst waren, dieses Angebot unbedingt einmal ausprobieren ?
Ich lade alle herzlich ein, den Gottesdienst einfach einmal zu erleben. Er ist bedürfnisgerecht für die Kinder gestaltet, sodass sie Freude am Glauben erleben können. Gleichzeitig macht es den Kindergottesdienst so wertvoll, dass Eltern wissen : Man ist für eine kurze Zeit getrennt, was oft hilft, um selbst aufzutanken. Wenn die Kinder im Kindergottesdienst eine super Feier haben, können die Eltern im regulären Gottesdienst bewusst eine Auszeit für sich und mit Gott nehmen, auftanken und ihre persönliche Beziehung zu Jesus pflegen. Im besten Fall bietet der Gottesdienst Gelegenheit zum Gespräch und zum Erfahrungsaustausch in der Familie.
Welche positiven Auswirkungen hat ein lebendiger Kindergottesdienst auf die gesamte Pfarrei und die Familien ?
Der Kindergottesdienst ist sehr verbindend. Er bringt die verschiedenen Generationen zusammen, oft kommen Grosseltern mit und begleiten die Kinder in ihrer religiösen Entfaltung. Aus Erfahrung weiss ich, dass viele Eltern sagen : « Das war jetzt mein Zugang, den Weg in die Kirche zu finden. » Nicht alle haben aus der Vergangenheit positive Erinnerungen an die Kirche. Durch die Kinder können sie einen Neubeginn wagen und die Kirche völlig neu entdecken. Das ist etwas ganz Besonderes.
Viele Pfarreien würden gerne einen Kindergottesdienst anbieten, aber es fehlt an Vorwissen oder Freiwilligen. Welche Voraussetzungen braucht es tatsächlich? Wie helfen Sie bei Interesse konkret weiter ?
Die wichtigste Voraussetzung ist die Freude am Glauben, an der Verkündigung der Frohen Botschaft und die Freude an den Kindern. Wenn Mütter, Väter, Grossmütter oder andere Interessierte diese Basis mitbringen, können sie gerne auf mich zukommen und mit mir Kontakt aufnehmen. Ich bin für alle Fragen da und vermittle gerne die Kontaktpersonen.
Wie sieht die konkrete Ausbildung, beziehungsweise Weiterbildung aus, welche die katholische Landeskirche Thurgau anbietet ?
Unsere Ausbildung ist ökumenisch und kompakt und besteht aus drei Einheiten. Die erste sind die Grundlagen der Bibel : Wie erarbeite ich einen biblischen Text, um einen persönlichen Zugang und einen Zugang zur Lebenswelt der Kinder zu finden ? Die zweite Einheit nennt sich « Feiern konkret », das ist ein Wochenende im Kloster Fischingen. Das dritte Thema ist das Erzählen : Wie erzähle ich eine Geschichte so lebendig, dass sie für die Kinder greifbar wird ? Diese kompakte Form raubt nicht viel Zeit, ermöglicht es den Teilnehmenden aber, einen kinder- und familienfreundlichen Kindergottesdienst anzubieten und durchzuführen.
Text und Bilder: Karla Ramírez, forumKirche, 29.06.2026
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