Lawrence Ati Zigi vertraut auf die Stärke von Gott

Die anstehende Fussball-WM in Mexiko, Kanada und den USA ist für Lawrence Ati Zigi ein Karriere­höhepunkt. Mit Stolz wird der Torhüter das Trikot von Ghana tragen. Die Kult-Figur des FC St. Gallen zieht seine Kraft aus dem überzeugten Glauben an Gott. Beten gehört für Zigi genauso zur Vorbereitung auf ein Spiel wie das Schnüren der Fussballschuhe. Auch neben dem Platz bekennt er sich zum Glauben und spricht am Rande des Trainingsplatzes von seinen Überzeugungen.

Es ist ein sonniger Mittag im Frühling, als sich Lawrence Ati Zigi nach einem Training mit dem FC St. Gallen Zeit nimmt für ein Interview mit forumKirche. Der Anfang verzögert sich allerdings. Wir setzen uns auf eine Spielerbank am Rande, um etwas Ruhe zu haben, was vorbei­gehende Mitspieler verhindern. Zigi wird mit Sprech­chören eingedeckt. Er lacht und schickt seine Mitspieler weg. « Die kommen sicher zurück », lacht er. Die Stimmung im Team ist offenkundig gut, um nicht zu sagen aus­gelassen. Konzentriert und fokussiert ist Zigi, wenn er nach sechs Jahren in St. Gallen in sehr gutem Deutsch über Gott und seinen Glauben an ihn spricht.

Lawrence Ati Zigi, Sie sind in Ghana auf­gewachsen. Dort hat der christliche Glaube oft einen anderen Stellenwert als bei uns. Welche Bedeutung hat der Glaube heute in Ihrem Leben ?
Der Glaube ist für mich ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Er gibt mir Kraft, Orientie­rung und Halt. Durch meine Familie bin ich seit meiner Kindheit mit dem Glauben an Gott aufgewachsen und seither begleitet er mich. Für mich ist das nichts Äusser­liches, nichts, das nur an einem bestimmten Tag Platz hat. Der Glaube ist Teil meines Alltags, meiner Entscheidungen und meines Denkens. Im Sport genauso wie im gesamten Leben. Wenn ich mich frage, was wirklich zählt, hilft mir der Glaube, die Perspektive zu behalten.

In Ghana wird der Glaube sehr offen und sicht­bar gelebt. Wie erleben Sie den Unter­schied zur Schweiz ?
In Ghana ist der Glaube viel stärker im täglichen Leben verankert. Viele Menschen wachsen ganz selbstverständlich mit Kirche, Gebet und religiösen Ritualen auf. Es gehört ganz einfach dazu. Hier in der Schweiz erlebe ich den Glauben zurück­haltender, privater. Das ist eine andere Kultur, ein anderer Umgang mit dem Thema. Man spricht weniger darüber, auch wenn viele Menschen ihren Glauben im Herzen tragen. Ich respektiere das. Für mich bedeutet es einfach, dass ich meinen Glauben manchmal stiller lebe, aber deswegen nicht weniger bewusst.

Sie haben Ihren Vater sehr früh verloren, mit zwölf Jahren. Hat diese Erfahrung Ihren Glauben verändert ?
Der Verlust meines Vaters war sehr schwer. Aber mein Glaube hat mir gehol­fen, diese Zeit zu überstehen. Er hat mich nicht verändert im Sinn von Zweifeln, sondern mich eher gestärkt. Für mich gilt der Gedanke : Gott gibt und Gott nimmt. Es gibt Dinge im Leben, die wir nicht ändern können. Man muss sie annehmen, auch wenn es schmerzt, und trotzdem den Weg weiter­gehen. Mein Glaube hat mir damals Halt gegeben und mich innerlich stark gemacht. Ich habe gelernt, dass Trauer dazugehört und dass man nach schlimmen Ereignissen wieder aufstehen kann.

Vor jedem Spiel beten Sie öffentlich. Was bedeutet dieses Gebet für Sie ?
Das Gebet ist für mich etwas sehr Persön­liches. Ich glaube daran, dass letztlich alles von Gott kommt und dass er entscheidet, was geschieht. Niemand weiss, was als Nächstes passiert. Das ist im Leben genauso wie im Fussball. Deshalb bete ich vor jedem Training und vor jedem Spiel um Kraft, Schutz und Konzentration. Mein Gebet begleitet mich immer, egal, wo ich bin. Es ist auch ein Moment meiner Ausrichtung : Ich will präsent sein, ruhig bleiben und mich nicht von Angst oder Druck leiten lassen.

Als Torhüter nehmen Sie eine besondere Position ein. Fehler wirken sich meist wesentlich stärker aus als bei einem Feld­spieler. Wie gehen Sie mit Druck um ?
Torhüter zu sein, ist eine spezielle Auf­gabe. Man steht allein im Tor und Fehler bleiben weniger verborgen, das ist richtig. Das gehört aber ganz einfach zu dieser Position. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Man muss einen Fehler akzeptieren, ihn abhaken und weitermachen. Das gilt über den Fussball hinaus. Wenn man sich zu lange mit einem Fehler beschäftigt, wird es schwierig. Der Glaube hilft mir dabei, ruhig zu bleiben und mich nicht entmutigen zu lassen. Ich sage mir : Der nächste Ball zählt. Ich darf mental nicht bei der letzten Szene hängen bleiben.

Bedeutet Glaube für Sie auch Dankbarkeit ?
Ja, unbedingt.

Das scheint nach einem Sieg relativ einfach. Aber wie sieht es nach einer Nieder­lage aus ? 
In der Bibel steht, dass man Gott in jeder Situation danken soll. Nach Siegen fällt das leicht. Aber gerade nach Niederlagen ist Dankbarkeit wichtig. Der Glaube erinnert mich daran, dass Erfolg nicht alles ist im Leben und dass man auch aus schwierigen Momenten lernen kann. Dank­bar zu sein, heisst nicht, Niederlagen schön­zureden. Es heisst für mich viel mehr, nicht zu vergessen, was trotzdem an Gutem da ist.

Dass ein Spieler vor und nach einem Spiel betet, kann man sich gut vorstellen. Aber wie sieht das während dem Spiel aus. Beten Sie auch während den 90 Minuten auf dem Platz ?
Ja. Ich bete jederzeit. In entscheidenden Situationen bitte ich Gott um Kraft und Unterstützung. Und wenn mir eine wichtige Aktion gelingt, danke ich ihm dafür. Das gibt mir innere Ruhe und Sicherheit. Für mich ist das nichts Aussergewöhnliches, sondern sehr natürlich. Manchmal ist es nur ein kurzer Gedanke, der mir hilft, im Moment zu bleiben.

Sie leben sehr bewusst, trinken keinen Alkohol und rauchen nicht. Hat das mehr mit Ihrem überzeugten Glauben zu tun oder mit Ihrem Leben als Profisportler ?
In erster Linie ist das eine sportliche Ent­scheidung. Als Torhüter brauche ich viel Energie, Konzentration und einen klaren Kopf. Alkohol und Rauchen kosten nur Energie. Deshalb habe ich mich bewusst für einen gesunden Lebensstil ent­schieden. Das gehört für mich zum Beruf. Und ich stelle fest, dass ich mental stabiler bleibe, wenn ich gut zu meinem Körper schaue.

In Profiteams, die international zusammen­gesetzt sind, treffen viele Kulturen und Religionen aufeinander. Wie erleben Sie dieses Miteinander  - gerade mit Blick auf die verschiedenen Religionen?
Es gibt Spieler, die glauben, und andere, die nicht glauben. In der Mannschaft gibt es auch Muslime, sowohl beim FC St. Gallen als auch im Nationalteam von Ghana. Das ist nicht immer einfach, aber es gehört dazu. Mit den Spielern, die glauben, beten wir manchmal zusammen oder lesen in der Bibel. Mit anderen spreche ich offen über meinen Glauben, ohne jemanden zu etwas zu drängen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er für das Richtige hält. Man kann verschieden sein und trotzdem füreinander einstehen.

Sie spielen im Schweizer Klubfussball und in der National­mann­schaft von Ghana. Gibt es da Unterschiede im Umgang mit der Religion ?
Ghana hat eine andere Kultur. In der National­mannschaft beten Christen und Muslime gemeinsam. Verschiedentlich erhalten wir auch Besuch von Geist­lichen. Ein christlicher Pastor und ein muslimischer Imam beten zusammen für das Team. Das ist für mich ein starkes Zeichen von Respekt, Zusammen­halt und gegen­seitiger Anerkennung. Es zeigt : Wir können religiöse Unterschiede haben und trotzdem gemeinsam auftreten.

Sie sind für viele junge Anhängerinnen und Anhänger ein Idol und Sie zeigen Ihren Glauben gegen aussen. Spüren Sie eine besondere Verant­wortung, wenn Sie Ihren Glauben öffentlich zeigen ?
Ich glaube, jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Niemand wird gezwungen, zu glauben. Wenn jemand seine Beziehung zu Gott öffentlich lebt, sollte das akzeptiert werden. Am Ende muss jeder seinen eigenen Weg gehen und seine Entscheidungen selbst treffen. Ich will niemanden überzeugen. Ich will einfach ich selbst sein.

Die Fussball-Weltmeisterschaft steht bevor. Wie bereiten Sie sich mental auf diese vor ?
Eine WM ist etwas ganz Besonderes. Aber im Moment konzent­riere ich mich voll­ständig auf die Saison hier in St. Gallen. (Das Interview fand vier Runden vor Abschluss der Schweizer Super League statt / Anm. d. Red.) Wir haben wichtige Spiele und den Cupfinal vor uns. Ich gehe Schritt für Schritt. Wenn alles gut läuft, kommt danach die WM. Für mich ist es wichtig, im Heute zu bleiben. Das heisst : Training, Regeneration und so weiter. Der Fokus ist bei mir immer auf das nächste Spiel gerichtet.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft ?
Ich werde bald 30 Jahre alt und weiss, dass ein Profisportler nicht ewig jung ist. Für mich heisst es jetzt : dranbleiben, alles geben und jede sich bietende Chance nutzen. Was die Zukunft bringt, weiss niemand. Ich hoffe einfach, dass noch viele besondere Momente auf mich warten, auf dem Platz und in meinem Leben.

Interview : Ralph Weibel, forumKirche, 01.06.2026


Über Österreich und Frankreich in die Schweiz

Lawrence Ati Zigi kam am 29. November 1996 in Accra, Ghana, zur Welt. Seine fuss­ballerische Ausbildung begann er in seiner westafrikanischen Heimat bei Red Bull Ghana, der Nachwuchs­akademie des Red‑Bull‑Fussballnetzwerks. Dort spielte er bis 2014 und empfahl sich früh als Torhüter mit internationalem Potenzial. 2015 wechselte Zigi nach Österreich zum FC Liefering, dem Farmteam von RB Salzburg. In den Jahren 2016 und 2017 gehörte er zum erweiterten Salzburger Profikader, welches in Österreich in dieser Zeit zweimal das Double gewann. Zur Saison 2017 / 18 wechselte Zigi zum französischen Zweitligisten FC Sochaux, wo er sich über mehrere Spielzeiten als Stammkeeper etablierte. Im Januar 2020 wechselte er zum FC St. Gallen 1879 in die Schweiz. Dort wurde er Stammspieler. Sein Vertrag wurde mehrfach verlängert und läuft aktuell bis 2027. International ist Lawrence Ati Zigi Nationaltorhüter von Ghana. Er debütierte 2017 für die A‑Nationalmannschaft, setzte sich später als Stammkeeper durch und stand unter anderem bei der FIFA‑WM 2022 in Katar in allen Gruppenspielen im Tor.

Lawrence Ati Zigi
Quelle: Cyriac Schnyder / Rabefotos
Lawrence Ati Zigi

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