Die urchristliche Geste des Handauflegens
Für Bettina Tunger-Zanetti ist Handauflegen mehr als eine wohltuende Berührung. Die reformierte Pfarrerin versteht es als christliche Geste des Segens, der Zuwendung und des Vertrauens. Gemeinsam mit ihrer reformierten Kollegin und einem ausgebildeten Team bietet sie diese Praxis in reformierten und katholischen Kirchen sowie in einem Alterszentrum an. Im Interview mit Kirche ohne Grenzen spricht sie darüber, was Handauflegen bewirken kann und welche Verantwortung damit verbunden ist.
Was versteht man unter Handauflegen im christlichen Kontext ?
Handauflegen bedeutet, einen Menschen achtsam zu berühren, in der Stille und im Gebet. Entscheidend ist die innere Haltung der Person, die die Hände auflegt. Es braucht Präsenz und eine bewusste Hinwendung zum Gegenüber. Für mich ist das Handauflegen eine Art verlängerter Segen : ein Segen, der durch die Berührung spürbar wird. Dabei verstehen wir uns als Werkzeuge Gottes. Wir stellen uns ihm zur Verfügung und vertrauen darauf, dass er durch uns wirkt.
Wie läuft eine Begegnung beim Handauflegen ab ?
Es macht einen Unterschied, ob Handauflegen im privaten oder im öffentlichen Rahmen stattfindet. Im privaten Umfeld kann jeder Mensch einem anderen die Hände auflegen. Wer diese Praxis öffentlich anbietet, braucht eine Schulung. Wenn wir das Handauflegen in der Kirche anbieten, sitzen die Menschen auf einem Stuhl. Zuerst erzählen sie ihr Anliegen. Die Hand auflegende Person hört zu und legt anschliessend die Hände auf, z. B. an den Schultern. Dabei spielt Achtsamkeit eine zentrale Rolle. Körperliche Nähe verlangt Sensibilität. Deshalb fragen wir immer um Erlaubnis : « Darf ich Sie berühren ? » oder « Darf ich mich für das Gebet hinter Sie stellen ? » Es ist wichtig zu vermitteln, in welcher Haltung die Berührung geschieht.
Welche Bedeutung hat der christliche Glaube dabei ?
Jeder Mensch kann sich die Hände auflegen lassen, unabhängig von seiner religiösen Zugehörigkeit. Wenn wir Handauflegen in einer Kirche anbieten, ist der christliche Bezug bei der Hand auflegenden Person jedoch wesentlich. Handauflegen ist eine urchristliche Geste. Jesus hat Menschen berührt, gesegnet und geheilt – so steht es beispielsweise auch in Markus 16,18b. Auch wir Christinnen und Christen sind dazu berufen, uns anderen Menschen zuzuwenden, ihnen die Hände aufzulegen und mit ihnen zu beten. Dabei ist wichtig : Nicht wir sind es, die etwas bewirken. Wir vertrauen darauf, dass Gott durch uns wirkt.
Was kann das Handauflegen bei Menschen bewirken ?
Was eine Berührung auslöst, lässt sich nicht vorhersagen. Viele Menschen berichten uns nach dem Handauflegen, dass sie sich tief entspannt fühlen, innerlich zur Ruhe gekommen sind und sich tief geborgen fühlen. Berührungen können körperliche Reaktionen auslösen und zur Entspannung beitragen. In unserer Ausbildung lernen wir, wie und an welchen Körperstellen wir die Hände auflegen und worauf wir dabei achten müssen.
Gibt es auch Grenzen in dieser Praxis ?
Es ist ganz wichtig, niemals Heilungsversprechungen zu machen. Deshalb nennen wir uns auch Handauflegerinnen und nicht Heiler. Wir können nie wissen, wie und wo das Handauflegen wirkt. Das kommunizieren wir offen, damit keine falschen Erwartungen entstehen. Handauflegen ersetzt keine medizinische Behandlung. Wir raten niemandem davon ab, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ebenso wichtig ist, dass zu den Handauflegerinnen und Handauflegern keine Abhängigkeit entsteht.
Was motiviert Sie persönlich, sich beim Handauflegen zu engagieren ?
In meiner täglichen Arbeit als Seelsorgerin wurde mir bewusst, dass Gespräche wichtig sind, aber nicht immer alle Dimensionen des Menschen erreichen. Durch das Handauflegen kommt eine weitere Form der Zuwendung hinzu. Ein Segen wird nicht nur ausgesprochen, sondern kann erfahren und gespürt werden.
Text und Übersetzung: Romina Monferrini, 26.10.2026
Mani che benedicono
L'imposizione delle mani nella tradizione cristiana
Bettina Tunger-Zanetti, pastora riformata e insegnante autorizzata della scuola Open Hands secondo Anne Höfler, propone insieme a una collega riformata e a un'équipe formata la pratica cristiana dell'imposizione delle mani. Gli incontri si svolgono in chiese riformate e cattoliche e in una casa per anziani. Un gesto di ascolto, preghiera e vicinanza.
« Per me imporre le mani significa rendere percepibile una benedizione », spiega Bettina Tunger-Zanetti. La pratica consiste in un contatto rispettoso, accompagnato dal silenzio e dalla preghiera. Chi impone le mani si considera uno strumento attraverso il quale Dio può agire.
Durante gli incontri, le persone possono raccontare ciò che le preoccupa. Dopo aver chiesto il consenso, un membro denn'équipe appoggia la mano sulla spalla. La formazione e un codice etico garantiscono il rispetto die limiti personali.
Gli effetti non sono prevedibili. Alcuni raccontano di provare un profondo rolassamento, altri di sentire alleviati piccoli disturbi. Non vengono però primesse guarigioni : l'imposizione delle mani non sostituisce le cure mediche.
« Come pastora ho capito che le parole non raggiungono sempre tutte le dimensioni della persona. Attraverso questo gesto, la benedizione può diventare un'esperienza concreta. »
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