Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 12

Für Kommendes gut aufgestellt

Ein Blick auf die katholische Landeskirche heute

Die römisch-katholische Landeskirche Schaffhausen feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Dies ist eine gute Gelegenheit, eine Standortbestimmung aus unterschiedlichen Perspektiven vorzunehmen und in die nahe Zukunft zu blicken.

Herr Textor, wo steht die katholische Landeskirche Schaffhausen heute?

Die Finanzen sind gesund. Wir haben genügend Mittel, um unsere Aufgaben zu finanzieren, auch auf Bistumsebene und gesamtschweizerischer Ebene. Das ist nicht in allen Kantonen der Fall. Personell sind wir auch gut aufgestellt. Es ist heutzutage nicht selbstverständlich, dass man für die Mitarbeit in den Behörden engagierte und gute Leute findet. Und das haben wir. Wir haben zwar derzeit eine Vakanz im Synodalrat, die wir aber wieder besetzen können.

Welche Aufgaben erfüllt die Landeskirche?

Wir sind eine offene Volkskirche, wirken aber auch stark zugunsten von Konfessionslosen und Menschen anderer Religionen. Wir tragen gemäss unserer Verfassung zum Zusammenhalt der Gesellschaft und zum religiösen Frieden bei. Konkret erbringen wir zwei Arten von Leistungen. Das Primäre ist die Unterstützung der pastoralen Seite (Administration und Finanzverwaltung), um die bestmöglichen Voraussetzungen für das Leben der Kirche vor Ort zu schaffen. Dazu gehören auch Aufgaben in der Migrantenseelsorge und in der Spezialseelsorge (Spitäler, psychiatrische Einrichtungen und Gefängnis).

Zum anderen finanzieren wir auch gesellschaftliche Dienstleistungen z. B. im Bereich Kinder- und Jugendarbeit oder Angebote für Ehe und Familie, Senioren und Migranten, Erwachsenenbildung und Kultur. In diesen Bereichen haben wir zum Teil eigene Angebote und zum Teil unterstützen wir Drittorganisationen wie Beratungsstellen für Ehe- und Partnerschaft oder Asylsuchende, Benevol, die Frauenzentrale oder Integres. Schliesslich sind wir auch sozialer Arbeit- und Auftraggeber. Das kommt letztlich der ganzen Gesellschaft zugute.

Welche Herausforderungen stellen sich der Landeskirche derzeit?

Gerade in einer Zeit, in der sich vieles sehr schnell ändert, ist es für die Landeskirche eine Herausforderung, sich sinnvoll anzupassen, ohne Bewährtes über Bord zu werfen. Ein Spannungsfeld, in dem die Kirche als Ganzes steht. Wenn es beispielsweise um den Umgang mit neuen Medien oder Öffentlichkeitsarbeit geht, muss man sich überlegen, wie sehr man sich in diesen Bereichen engagieren möchte.

Im Blick auf das Zusammenspiel von staatskirchenrechtlicher und pastoraler Seite stellt sich eine weitere Herausforderung: Die Landeskirche hat ja eine Unterstützungsfunktion für die Pastoral. Bei dieser Aufgabe muss sie die Balance finden, im Blick auf gesellschaftliche Einflüsse Impulse zu geben, ohne aber dabei in die Belange der pastoralen Seite einzugreifen. Dass man also nicht nur verwaltet, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten auch gestaltet.

Welche Ziele bzw. Projekte sollen in nächster Zeit verwirklicht werden?

Zu Beginn der laufenden Legislaturperiode hat der Synodalrat vier Bereiche festgelegt, wo er Schwerpunkte legen möchte. Im Bereich «Sozialdiakonie» wurde bereits ein Leitfaden entwickelt, mit dem Ziel, die Aufgaben der Landeskirche in diesem Bereich zu definieren, insbesondere die Koordination der Angebote der Kirchgemeinden und die Vertretung gegenüber übergeordneten Institutionen. Beim Thema «Ausbildung von Mitarbeitenden» wurde man sich im Gespräch mit den Kirchgemeinden einig, dass die Verantwortung dafür primär bei den Kirchengemeinden liegt. Die Landeskirche soll aber optimale Voraussetzungen schaffen, indem sie sich z. B. in Trägervereinen von Ausbildungslehrgängen engagiert. Im Bereich «EDV» haben wir eine ständige Kommission gebildet, damit sich die Kirchgemeinden und die Landeskirche bei Software-Beschaffungen und im Hinblick auf einen neuen Internetauftritt koordinieren können. Schliesslich möchten wir unsere Öffentlichkeitsarbeit mittelfristig etwas professionalisieren und nach Möglichkeit mit den Kirchgemeinden koordinieren.

Herr Elsener, welche Bedeutung hat die Anerkennung als Landeskirche vor 50 Jahren für die konkrete pastorale Arbeit?

«Anerkennung» hat etwas mit «Kennen» zu tun. In Schaffhausen ist man eng beieinander. Da ist es wichtig, dass man sich kennt, anerkennt, auf Augenhöhe begegnet und somit wertschätzt. Dies hat massive Auswirkung auf die pastorale Arbeit. So kann man einander vertrauen und ein Miteinander pflegen, auch auf ökumenischer Ebene. Durch die Anerkennung vor 50 Jahren war dieses Miteinander von Anfang an gegeben und wurde immer wieder gepflegt. Neben den vielen ökumenischen Gottesdiensten und Anlässen sind die Treffen der drei Landeskirchen hervorzuheben und die gemeinsame Bettagsaktion, die dieses Jahr auch zum 50. Mal durchgeführt wird. Auf dieser Zusammenarbeit baut dann auch auf einer weiteren Ebene der interreligiöse Dialog auf.

Vor welchen Herausforderungen steht die Kirche im Kanton Schaffhausen heute?

Wir stehen vor der Herausforderung, «den Glauben ins Spiel zu bringen», das ist unser Leitwort auf Bistumsebene. Das geschieht zum einen auf der Bildungsebene: im Religionsunterricht oder in Glaubensseminaren. Zum anderen beim Feiern des Glaubens: bei der Spendung der Sakramente, in Gottesdiensten und auch in der Ökumene. Letzteres ist bei uns noch wichtiger als in katholisch geprägten Gegenden. Wir versuchen den Glauben auch bei Familien ins Spiel bringen, z. B. mit dem neuen Projekt «Abenteuerland Familiengottesdienst» oder mit Projekten in der Taufpastoral, die gut ankommen. Neben unseren «treuen Leuten», die immer kommen, sollen aber auch Fernstehende oder Andersgläubige angesprochen werden.

Und wie wird die Pastoral von der Landeskirche unterstützt?

In Schaffhausen besteht die ideale Situation, dass beide Pastoralraumpfarrer im Synodalrat vertreten sind und wir dadurch jederzeit unsere Anliegen einbringen können. Der Synodalrat hat ein offenes Ohr dafür, und auch mit der Synode besteht ein gutes Einvernehmen. Wir werden sehr gut unterstützt z. B. im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, wenn es darum geht, unseren Internetauftritt weiterzuentwickeln, oder beim Ausbau diakonischer Strukturen in den Pfarreien. Auch die Begleitung der anderssprachigen Seelsorge und der Spezialseelsorge läuft über den Synodalrat. Das entlastet uns in der pastoralen Arbeit und gibt uns seelsorgliche Freiräume.

Herr Tramer, wie nehmen Sie die katholische Landeskirche Schaffhausen wahr?

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit ihr? Als ich noch nicht Kirchenratspräsident war, hatte ich vor allem über die sozialen Institutionen wie Gefängnispfarramt, Spital oder Integrationsfachstelle mit der katholischen Landeskirche Kontakt. Die Begegnungen mit den katholischen Kolleginnen und Kollegen waren für mich immer sehr unbekümmert und offen. Die Aufgaben wurden partnerschaftlich abgesprochen und gestaltet.

Richtig intensiv wurde es, als wir 2013 die Auseinandersetzung wegen der geplanten Kürzung des Staatsbeitrages hatten, die alle drei Landeskirchen betraf. Da war ich sehr erleichtert, wie selbstverständlich wir eine gemeinsame Spurgruppe gebildet haben. Diese Zusammenarbeit habe ich als äusserst erfreulich und als ein starkes Miteinander erlebt.

Drei Mal pro Jahr treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der drei Landeskirchen, um sich über die aktuelle Situation auszutauschen und gemeinsame Fragen zu klären, die sich aus dem Tagesgeschäft ergeben. Eine wiederkehrende Aufgabe ist dabei das Verfassen der Bettagsbotschaft für die Zeitung.

Vor welchen Herausforderungen stehen die drei Landeskirchen im Kanton Schaffhausen?

Da kann ich nur etwas zur Situation unserer eigenen Kirche sagen. Wir stehen vor der Situation, die zunehmende Säkularisierung unserer Gesellschaft zu bewältigen. Die Herausforderung besteht meines Erachtens darin, an die Stärke und Lebendigkeit unserer Kirche zu glauben, obwohl sie kleiner wird. Ich glaube nicht, dass wir eine Strategie oder ein Geschäftsmodell finden, das diesen Trend umkehrt. Ich vermute, dass sich diese Herausforderung für andere Kirchen auch stellt.

Interviews: Detlef Kissner

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Andreas Textor, Präsident des Synodalrates der römisch-katholischen Landeskirche Schaffhausen

Bild: Detlef Kissner
Urs Elsener, Leiter des Pastoralraumes Schaffhausen-Reiat und Mitglied des Synodalrates

Bild: zVg
Frieder Tramer, Präsident des Kirchenrats der evangelisch-reformierten Landeskirche
Schaffhausen

Bild: zVg
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