Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 6

Welche Form hat Gott?

Kinder fragen...

Als die Klasse sich mit Gottesbildern beschäftigt, fragt die neunjährigen Emma:

Wenn Gott überall sein kann, welche Form hat er dann?

Liebe Emma!

Ich erinnere mich noch gut, als wir in der Primarschule im Religionsunterricht das Thema «Gottesbilder» durchgenommen haben. Als Einstieg forderte die Katechetin uns auf, ein Bild von Gott zu malen. Wir Kinder malten eifrig drauf los – es gab einige auf Wolken schwebende, alte Männer mit Bart, aber auch Geistgestalten waren dabei und eine Krippe mit dem Jesuskind. Ein Junge allerdings sass einfach da und schaute auf sein leeres Blatt. Auf die Frage der Lehrerin, warum er noch nicht begonnen habe zu zeichnen, antwortete er, dass man Gott gar nicht malen könne, weil er gar keinen Körper und keine Form habe. Diese Begebenheit ist mir sehr eingefahren und ich bin zurückhaltend geworden, mir Gott irgendwie vorzustellen. Denn letztlich greifen alle unsere Bilder zu kurz – wie eine zu kurze Decke, mit der man – wo man auch zieht – niemals alles abdecken kann.

Gott ist immer grösser, kleiner, anders und viel mehr als wir es uns ausdenken. Und doch gibt es Hinweise, wie Gott ist und wie wir ihn uns vorstellen können. Die Bibel ist voll davon. Da sagt Jesus zum Beispiel von sich und damit von Gott: «Ich bin das Licht der Welt.» Eine spannende Aussage – denn auch wenn wir Licht nicht anfassen können, so spüren wir doch seine Wirkung – wir merken, wie Licht das Leben hell und warm macht. Ähnlich ist es auch bei Gott – er wirkt in uns, ohne dass wir ihn mit unseren Sinnen und unserem Verstand ganz erfassen können. Aber Gott ist auch mehr als Licht.

Am besten gefällt mir der biblische Satz: «Gott ist die Liebe.» (1 Joh 4,8) Die Liebe hat ja auch keinen Körper und keine Form, aber wir können sie spüren, aufnehmen und weiterschenken. Dafür gibt es ja ganz viele Möglichkeiten: Beispielsweise anderen helfen, einander eine Freude machen, mit jemandem teilen... Das Schöne dabei ist, dass die Liebe durch das Weiterschenken auch weiterwächst. Auf diese Weise können wir Gottes Spuren mitten in unserem Alltag entdecken – und auf einmal ist es gar nicht mehr so wichtig, welche äussere Form er hat.

Ich hoffe, du bist zufrieden mit meiner Antwort – wenn nicht, können wir gerne mal über Gott und die Welt weiterphilosophieren… Bis vielleicht schon bald.

Herzliche Grüsse
Andrea Honegger, Pastoralassistentin

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Céline
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