Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 11

Mit christlichem Glauben im Einklang

Ökumenische Gottesdienste für Lesben und Schwule

Die «lesbische und schwule Basiskirche» LSBK in Basel bietet seit bald 20 Jahren regelmässig Gottesdienste in der Offenen Kirche Elisabethen an. Ziel des Vereins ist es, den Homosexuellen einen Raum zu bieten, wo sie ihr Christsein unter Gleichgesinnten leben und feiern können, ohne ihre sexuelle Neigung verstecken zu müssen.

Die Gründer des Vereins leisteten 1991 schweizweit Pionierarbeit, als sie beschlossen, Gottesdienste für Lesben und Schwule anzubieten. Unterstützung für ihr Vorhaben erhielten sie vom damaligen reformierten Pfarrer Hansruedi Felix. Er baute gerade das Projekt Offene Kirche in Basel auf, welches neue experimentelle Gottesdienstformen, Tanz- und Kunstveranstaltungen in Kirchen beinhaltete. Daraus hervorgegangen ist die Offene Kirche Elisabethen OKE, die als ökumenische Werktagskirche seit 1994 neue Impulse setzt und Raum schafft für Religiöses, Kulturelles und Soziales. Pfarrer Felix ging gerne auf das Anliegen der LSBK ein und ermöglichte die Gottesdienste in der Elisabethenkirche. Seither feiern sie einmal monatlich ihre religiöse, christliche Spiritualität unter ihresgleichen.

Mangelnde Neumitglieder
Die LSBK versteht sich als Basiskirche, in der die Gottesdienste von den Vereinsmitgliedern vorbereitet und gestaltet werden. Je nach Vorbereitungsteam ist ein Gottesdienst mal eher fromm, mal eher kreativ und offen. Jedes Mal wird im Beisein einer Pfarrerin oder eines Pfarrers auch Eucharistie respektive Abendmahl gefeiert. Seit sechs Jahren ist André Feuz reformierter Pfarrer in der Offenen Kirche Elisabethen. Zudem ist er Mitglied des Vorstands der LSBK, der zurzeit noch aus drei Mitgliedern besteht. Auch der Verein selbst sei am Schrumpfen und habe sich fast überflüssig gemacht. «Heute findet die Homosexualität mehr Akzeptanz in der Gesellschaft als noch vor 20 Jahren», sagt Pfarrer Feuz. Trotzdem findet er das Thema Homosexualität und Kirche weiterhin wichtig. Bei den Gottesdiensten würden auch Kontakte geknüpft, denn die Kirche biete einen ganz anderen Rahmen der Begegnung für lesbische und schwule Menschen als beispielsweise eine schummrige Bar, so Pfarrer Feuz.

Bruch eines Tabus
Die Anfangsjahre waren sehr erfolgreich und die Gottesdienste gut besucht, auch aus dem benachbarten Ausland. Es war eine befreiende Möglichkeit der Lesben und Schwulen, auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen und ihren Anspruch auf Homosexualität und christlichen Glauben in Einklang zu bringen. Denn die üblichen Gemeindegottesdienste haben eine sehr heterosexuelle Art der Sprache, deshalb fühlen sich viele Homosexuelle nicht immer angesprochen. Leider ist der anfängliche Boom nach lesbisch-schwulen Gottesdiensten stark zurückgegangen. Immer mehr Personen des öffentlichen Interesses äussern sich offen zu ihrer sexuellen Neigung, was eine Enttabuisierung der Homosexualität zur Folge hat. Seit 2005 können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft auf dem Zivilstandsamt eintragen lassen. Auch Segnungen eines gleichgeschlechtlichen Paares sind je nach Kanton möglich, so auch in Basel, doch gibt es laut Pfarrer Feuz höchstens eine pro Jahr. «Viele verbinden eine kirchliche Trauung mit der Gründung einer Familie», sagt Pfarrer Feuz, zudem fehle ja schlicht ein Vorbild.

Reduziertes Gottesdienstangebot
Das mangelnde Interesse an den Gottesdiensten – am letzten waren es gerade mal 10 Besucherinnen und Besucher – hat nun zur Folge, dass es nur noch vier Gottesdiens te pro Jahr geben soll. Ein regelmässiger Gottesdienstbesucher bedauert diesen Entscheid, doch ist er sich der mangelnden Neumitglieder bewusst. Er erinnert sich gut an die anfänglichen Jahre, als pro Gottesdienst gegen 40 oder 50 Besucherinnen und Besucher in die Elisabethenkirche kamen. Es sei eine Stimmung des Aufbruchs gewesen. Doch mittlerweile hätten junge Lesben und Schwule andere Möglichkeiten, sich zu outen und zu treffen. Ganz allgemein bekundeten die Kirchen heute ja eh Mühe, die Menschen in den Gottesdienst zu locken. Doch auch er findet es sehr wichtig, dass die Möglichkeit für einen lesbisch- schwulen Gottesdienst weiterhin besteht. Besonders die «Teilete», die nach dem Gottesdienst stattfindet und bei der sich die Teilnehmenden bei mitgebrachtem Essen und Trinken austauschen können, möchte er nicht mehr missen. Pfarrer Feuz ist nun gespannt, wie sich die Reduktion der Gottesdienste auswirkt. «Ich würde auch nur einen Gottesdienst pro Jahr anbieten. Denn ich finde, dass die Kirche der richtige Ort für dieses Thema ist.»

Claudia Koch

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Die Offene Kirche Elisabethen bietet Raum für spezielle Gottesdienste.

Bild: zVg
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