Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 15

Hoch hinauf

Der bemalte Himmel in St. Ulrich erstrahlt bald im neuen Glanz

Die Chordecke der Basilika St. Ulrich wird seit Mitte Juni saniert. Den Arbeiten, die noch bis Ende September andauern sollen, kann man an zwei Terminen beiwohnen und sich dabei erklären lassen, was genau warum gemacht wird. Der zweite Anlass findet am 24. August statt.

Es ist kurz vor 14 Uhr an diesem sommerlich heissen Nachmittag in Kreuzlingen. Gut zehn Personen haben sich vor der St. Ulrich Kirche eingefunden, um den Fortschritt der Arbeiten an der Chordecke zu besichtigen. «Beim grossen Brand 1963, als Kirche und Konvikt grösstenteils zerstört wurden, hat auch die Chordecke durch das Löschwasser viel Feuchtigkeit aufgenommen» erklärt Kirchenpfleger Simon Tobler der interessierten Gruppe zu Beginn. Besonders eines der beiden Hauptbilder direkt über dem Altar, an dem der Putz seit dem Brand mürbe ist, sei davon betroffen. Hier gilt es, das weitere Abbröckeln zu verhindern, indem diese Zonen verfestigt und damit das grossflächige Gemälde stabilisiert werde. Um den entstandenen Schäden entgegenzuwirken, die nicht nur durch das Löschwasser entstanden sind, sondern auch durch das Alter, die Heizungsluft, Staub und Ablagerungen, entschied sich die Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen dazu, gleich die gesamte Chordecke einer umfassenden Wartung zu unterziehen. So könnten zukünftige Restaurationsarbeiten besser aufeinander abgestimmt werden, führt Simon Tobler aus. An der letzten Versammlung Ende Mai wurden für diese Sanierungsarbeiten, die bis Ende September andauern sollen, 140'000 Franken gesprochen.

In luftiger Höhe

Wir begeben uns an den Aufstieg auf dem Baugerüst, der ungefähr 15 Meter hinauf direkt unter die Chordecke führt. Auch wenn man sich als einigermassen schwindelfrei einstuft, beschleicht einen beim Erklimmen der Stufen ein mulmiges Gefühl, denn es wackelt doch ein wenig unter den Füssen. «Daran gewöhnt man sich schnell», erklärt Doris Warger. Die Konservatorin/Restauratorin aus Frauenfeld nimmt diese Treppe seit Mitte Juni vier Tage die Woche in Angriff. Zusammen mit ihrem Team aus drei Mitarbeitern widmet sie sich hier oben der Erhaltung der historischen Deckenbemalungen. Diese stammen vom Konstanzer Kirchenmaler Franz Ludwig Hermann und zeigen Szenen aus dem Ordensleben des heiligen Augustinus. An gewissen Stellen sind dazu Markierungen angebracht, denen die Befundaufnahme und genau dokumentierte Analyse des Schadensbildes vorausging. Die erste Reinigung der Fresken erfolgt trocken. Mit einem weichen Marderhaarpinsel und Staubsauger, dann mit einem Trockenschwamm, der im Prinzip wie ein Radiergummi funktioniert, fährt Doris Warger zur Veranschaulichung vorsichtig darüber und befreit die Malereien so vom Schmutz. «Genauso gut funktionieren würde auch das weiche Innere aus einem ohne Salz gebackenen Brot», erklärt Doris Warger den erstaunten Zuhörerinnen und Zuhörern.

Schon einmal hier

Um die in Mitleidenschaft gezogenen Farbpigmente zu rekonstruieren, verwendet das Restaurationsteam mineralische Pigmente ohne Bindemittel, die sich mit dem Kalkgestein gut vertragen. Feine Frühschwundrisse, wie Haarrisse, würden indes nicht geflickt. «Es wäre nicht gut, die ganze Decke steif zu machen. Im Falle einer Erschütterung würde man ihr damit nur mehr schaden. Sie weiss ganz genau, wie sie sich bewegen soll und wird uns alle lange überleben, wenn man sie regelmässig pflegt», ist Doris Warger überzeugt. Die Fachfrau muss es wissen, schliesslich behandelte sie vor 28 Jahren schon einmal die Chordecke der St. Ulrich Kirche. «Mit so viel Abstand die eigene Arbeit wieder zu betrachten und zu sehen, wie sie sich bewährt hat, ist toll», erklärt sie. Toll findet unter anderem auch die Jüngste unserer kleinen Gruppe die Besichtigung. «Als Studentin der Fachrichtung Bauingenieurwesen interessiert mich natürlich auch die Bausanierung. Ich würde zu einem späteren Zeitpunkt gerne nochmals kommen, um zu sehen, wie die Probleme behoben werden konnten und was daraus resultiert ist», so die 25-jährige Séverine Herrmann aus Kreuzlingen. Um diesen Fortschritt vielleicht schon ansatzweise miterleben zu können, sollte man sich den zweiten öffentlichen Termin für die knapp zweistündige Chordeckenbesichtigung am 24. August (14 bis 16 Uhr) nicht entgehen lassen. Schliesslich ist man den beeindruckenden Kunstwerken einer Kirchendecke nicht alle Tage so nah.

Sarah Stutte

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Nähere Infos: www.kath-kreuzlingen.ch

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Doris Warger (Mitte) erklärt den interessierten Besuchern unter der Chordecke, was genau daran gemacht werden muss.

Bild: Sarah Stutte
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