Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 12

Editorial

«Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.» – Ich weiss noch gut, wie mich dieser Satz aus dem Neuen Testament (1 Petr 3,15) als jungen Studenten elektrisiert und beschäftigt hat.

«Rede und Antwort stehen» – das setzt voraus, dass es da jemanden gibt, der fragt. Der Autor des Briefes geht also nicht von einer Kirche aus, die alle zutextet, die ihr Urteil für das einzig wahre hält. So hatte ich nämlich Kirche oft erlebt. Der Schreiber hat vielmehr eine Gemeinde vor Augen, die im Dialog steht mit den Menschen, die sich anfragen lässt, die auch andere nach ihrer Meinung und Befindlichkeit fragt und die mit ihnen gemeinsam nach Lösungen sucht. Eine Kirche auf Augenhöhe. Die Betonung auf «jedem» macht deutlich, dass bei diesem Dialog keiner ausgeschlossen werden darf.

Und dann ist da von «Hoffnung» die Rede. Bin ich, sind wir Christen wirklich erfüllt von einer Hoffnung? Glauben wir daran, dass Jesu verzeihende Liebe zum Ziel führt, dass sein Leben nicht gescheitert ist, dass er lebt, uns auf unserem Weg begleitet? Und vertrauen wir darauf, dass auch unser kleiner Beitrag ein unentbehrlicher Mosaikstein im Heilsplan Gottes ist? Sind wir in unserem Engagement von der Hoffnung getragen, dass sich in Jesu Geist die Probleme dieser Welt lösen lassen – Hunger, Kriege, die Bedrohungen des Klimawandels? Nicht, weil wir so gut sind, sondern weil Gott uns unter die Arme greift, wenn wir nicht weiter wissen.

Und schliesslich setzt diese Aufforderung voraus, dass unsere Hoffnung für andere auch spürbar wird, ja dass sie anziehend ist, neugierig macht. Dies ist nur dann der Fall, wenn wir ihr Raum geben, wenn wir unsere (materiellen) Sicherheiten, unsere unverrückbaren Wahrheiten zurückstellen, wenn wir etwas ausprobieren und riskieren. Lieber «eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist», wie es Papst Franziskus ausdrückt. Christen dieses Schlages fragt man gern nach ihrer Hoffnung. Seid bereit, über die Hoffnung zu reden, die euch erfüllt – eine Ermutigung für das Jubiläum in Schaffhausen und darüber hinaus.

Detlef Kissner

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