Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 10

Weltverbesserung oder Bedrohung?

Gedanken zur Kirche im digitalen Wandel

«Ich möchte keine gesamtpolitische Analyse aufzeigen, sondern dazu anregen, dass die Kirche als Stimme in der Gesellschaft gefordert ist», betonte der Theologe und Medienwissenschaftler Charles Martig an der Pastoralkonferenz in Weinfelden.

Mit dem Roboterbild oder dem Androiden stieg er in das Thema «Katholische Kirche im digitalen Wandel» ein. Der Roboter aus Japan, der sprechen und auf Bedürfnisse eingehen kann, wird bereits in der Pflege eingesetzt. Martig stellte die These auf, dass die Digitalisierung durch die grossen «Treiber» wie Google, Facebook, Apple und Amazon die Welt besser macht oder gar ins Paradies führt. Die zweite Tendenz, die er nannte, stimmte eher nachdenklich. «Was verändert sich in der Gesellschaft durch die Digitalisierung?» – «40 bis 50 Prozent der Arbeitsplätze sind bedroht, weil der Mensch ersetzbar ist.» Das Zitat von Richard David Precht: «Die Digitalisierung bedroht alles», erwähnte Martig dazu. «Die These der Bedrohung finde ich in der katholischen Kirche viel stärker vertreten.» Eine starke Gegenreaktion zur Bedrohung ist der Fundamentalismus, also der Erhalt von Bewährtem.

Wo bleibt die Wahrheit?

Martig rief die Geschichte von Marc Zuckerberg, vom Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Facebook, in Erinnerung. Dieser musste sich über die Geschäftspraktiken vor dem Senat verantworten. «Facebook hat enorm viele Informationen über die zwei Milliarden Benutzer und macht damit viel Geld.» Fakt ist für Martig, dass die Politik nun auf diesen Skandal von Facebook mit dem Schutz der Privatsphäre reagiert. Am 28. Mai tritt die neue Datenschutzrichtlinie der EU in Kraft. Als weitere Schwierigkeit nannte er die Fake News. «In der Kirche stellen wir uns die Frage, wo bleibt denn die Wahrheit und was können wir als Kirche tun? Die Kirche kann nicht einfach nur dastehen und zuschauen. Papst Franziskus zeigt es als Vorbildfunktion, mit seiner Tätigkeit als Influenzer (Meinungsmacher) auf. Papst Franziskus, der etwa 40 Millionen Followers über Twitter hat, ist mit seiner Botschaft der Barmherzigkeit und der Menschlichkeit ein enormer Gewinn.»

Mobile Nutzung ist matchentscheidend

Als Direktor des katholischen Medienzentrums ist Charles Martig verantwortlich für die Internetplattform kath.ch. Man wird heute nicht mehr einfach gefunden. 40 Prozent der Leser von kath.ch kommen von Google und 40 Prozent von Social Media Plattformen her. Nur noch 20 Prozent gelangen direkt zur Webseite. Heute kommt man deshalb nicht mehr an Social Media vorbei. Der matchentscheidende Wert ist die mobile Nutzung. Jetzt schon sind es 48 %, es werden 2019 noch mehr sein. Eine neue Website wird nicht mehr für den Desktop, sondern für das Mobile gemacht. Wichtig ist das bewegliche Bild, insbesondere Videos, welche nicht länger als 90 Sekunden dauern sollten. Leute lesen nicht mehr, sie schauen. Im Kommen sind Internet 3.0 (denkendes Web) und 4.0 (Digitalisierung der Produktion), welche grosse neue Möglichkeiten bieten. Zu den Apps (Anwendungssoftware) meinte er, dass sie abgelöst werden von Bots (automatisierte Programme).

Neue Website in Planung

Martig gab für die Arbeit in der Seelsorge einige Anregungen. «Ich sehe den digitalen Wandel für die Kirche als grosse Chance und nicht nur als Bedrohung. Verbindlichkeiten nehmen dadurch zwar ab, es entstehen aber neue digital geprägte Bindungen. Die Kirche muss ihr Wissen und ihre Traditionen auch im Internet aktiv leben und kann zum digitalen Wandel beitragen.» Weiter nannte er das starke Bedürfnis zum Beten. Er ermunterte, visuelle Storys zu machen. Das Beispiel von Papst Franziskus zeige auf, dass er stark wahrgenommen werde. Dass die Kirche Hilfestellungen geben und sich für die Schwächsten einsetzen kann, dies legte er den anwesenden Besuchern ans Herz. «Es ist wichtig, sich für die neuen Herausforderungen zu schulen», betonte Martig bevor er zum Referat von Arianna Maineri, Kommunikationsverantwortliche der katholischen Landeskirche Thurgau, überleitete. Sie zeigte den Stand der Planung der neuen Website der katholischen Landeskirche Thurgau auf. Mit im Boot werden die Fachstellen, Pfarreien, Pastoralräume, und das forumKirche sowie die Landeskirche Schaffhausen sein – sofern die dortige Synode zustimmt. Ein wichtiges Ziel des Projekts ist, dass Informationen für die Pfarrei-Homepages und für die Pfarreiseiten im forumKirche künftig in derselben Datenbank erfasst werden können.

Ursi Vetter

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Charles Martig wies vor der Pastoralkonferenz auf die Chancen der Digitalisierung hin.

Bild: Ursi Vetter
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