Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Ausgabe Nr. 8

Wenn der Räuber über die Bühne knattert

Musikalische Frühlingsferien für Kinder

Rund vierzig Kinder verbringen die Tage nach Ostern in der Musical-Woche, die der Pastoralraum Altnau unter der Leitung von Verena Manser anbietet. Der gefürchtete Räuber Knatter Ratter hält alle in Atem und zeigt auf, dass die Überwindung von Vorurteilen für die Gemeinschaft ein grosser Gewinn ist.

Nach zwei intensiven Probetagen gilt es bereits ernst: Der erste Durchlauf des gesamten Musicals «Der Räuber Knatter Ratter» wird auf der Bühne im Martinshaus Altnau gespielt. Requisiten und Bühnenbild stehen parat, die Kinder können fast nicht warten, bis es endlich losgeht. «Der Räuber darf erst dann mit seinem Motorrad über die Bühne fahren, wenn das Motorengeräusch aus dem Lautsprecher ertönt», gibt Verena Manser mit einem Blick auf das fantasievoll umgestaltete Laufrad zu Bedenken. Grosses Gelächter geht durch die Reihen, als Knatter Ratter dann in der ersten Szene tatsächlich mit diesem Gefährt über die Bühne braust. Noch sind die Kinder selber Schauspieler und Zuschauende zugleich und verfolgen gespannt, wie ihre Kolleginnen und Kollegen die einzelnen Szenen gestaltet haben. Am Freitagabend und Samstagnachmittag, wenn das Martinshaus bis auf den letzten Platz gefüllt sein wird, wird nichts mehr dem Zufall überlassen sein.

Singen, spielen, tanzen

Verena Manser, die im Pastoralraum Altnau das Ressort Kinder und Familien betreut, leitet die Musical-Woche bereits zum dritten Mal. «Es ist mein Herzensprojekt und ich freue mich jedes Mal selber wie ein Kind, wenn es wieder so weit ist», begründet sie ihr grosses Engagement. Zusammen mit vier Erwachsenen und fünf Jugendlichen, die die Proben leiten, führt sie jeweils in den Frühlingsferien die beliebte Projektwoche durch. Singen, spielen, tanzen und gestalten – all das steht während diesen Tagen auf dem Programm. Lisa Wattinger, Schülerin der 3. Sekundarklasse, war als Kind selber begeisterte Teilnehmerin und unterstützt das Team bereits zum zweiten Mal. «Es macht mir Spass, mit den Kindern zusammen etwas auf die Beine zu stellen», erklärt sie ihre Entscheidung, eine Woche ihrer Frühlingsferien in den Dienst anderer zu stellen. Anna Epper trägt seit vielen Jahren die Verantwortung für das Bühnenbild und die Requisiten. Farben, Pinsel, viel Papier und eine Heissleimpistole liegen auf der Galerie für die jungen Künstler parat. Kaum sind die Proben abgeschlossen, ziehen die Kinder sich ein Hemd über und machen sich an die Arbeit. Da wird ein Balkon am Haus mit einem Sonnenschirm ausgestattet, dort wird eine Tanne für den Räuberwald gemalt.

Geburtstag in der Küche

Während an einzelnen Textstellen gefeilt wird und der Chor einen Refrain noch einmal wiederholen muss, ist auch in der Küche reger Betrieb. Brigitte Bleichenbacher bereitet jeden Tag die Zwischenverpflegungen und das Mittagessen für mehr als fünfzig Personen zu. Auch ihr ist anzusehen, dass ihr diese Arbeit Spass macht. Selbst an ihrem Geburtstag liess sie es sich nicht nehmen, die Kinder und das Leiterteam mit Teigwaren und einer feinen Sauce dazu zu verwöhnen. «Schon letztes Jahr habe ich meinen Geburtstag hier gefeiert. Es ist schön, wenn so ein grosser Kinderchor Happy Birthday singt», meint sie lachend und schneidet das Gemüse für den Znüni in beeindruckendem Tempo in Stücke. Damit auch die Bewegung und die frische Luft nicht zu kurz kommen, wird das Essen am Mittwoch jeweils in den Wald verlegt. «Die Hamburger waren extrem fein, ich hätte am liebsten noch einen dritten gegessen», gibt eine Lagerteilnehmerin Auskunft.

Etwas für Jungs

Jedes einzelne Kind hat eine Rolle, alle tragen einen wichtigen Teil zum Erfolg der Aufführung bei. Verena Manser achtet bereits bei der Auswahl des Stücks darauf, dass die Rollen mehrfach besetzt werden können. «Dieses Jahr habe ich speziell Wert darauf gelegt, dass sich auch Jungs angesprochen fühlen», begründet sie die Auswahl des Musicals. Das Erfolgsrezept der Woche, die immer sehr schnell ausgebucht ist, lässt sich nicht auf Schlagworte reduzieren. Die sorgfältige Planung, eine hohe Motivation sowie ein liebevoller Rahmen, der den Kindern gleichzeitig viel Freiraum lässt, sind jedoch sicherlich Gründe, warum sich viele Kinder auch im nächsten Frühling wieder ins Martinshaus aufmachen werden. Fröhliche Stimmung unter den Teilnehmern, ein Lachen auf dem Gesicht der Verantwortlichen – die Herzenswärme, die der Räuber hinter seiner furchterregenden Fassade erkennen lässt, hat sich längst bei allen Beteiligten festgesetzt.

Friederike Züllig

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Der Räuber Knatter Ratter wird von acht verschiedenen Kindern dargestellt. Verena Manser übt mit den Darstellerinnen ihren Einsatz.

Bild: Friederike Züllig
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