Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 8

Wo Milch und Honig fliessen

Was Bienen mit Religion zu tun haben

Die Biene ist nur ein kleines Insekt. Dennoch taucht sie schon früh in der Menschheitsgeschichte auf. Und sie hielt Einzug in religiöse Schriften und Bilderwelten. Bis heute hat sie einen prominenten Platz in der Liturgie der Osternacht.

Unsere Vorfahren wissen schon lange die fleissige Arbeit der Bienen zu schätzen. Dies beweist eine Felsmalerei aus Cuevas de la Araña (Spanien), die zwischen 8000 und 6000 v. Chr. entstanden ist und einen Menschen darstellt, der Honig sammelt. Die gezielte Haltung von Bienen dürfte etwa vor 7000 Jahren begonnen haben. Eine erste Blütezeit erlebte die Imkerei im Alten Ägypten um 3000 v. Chr., in der Honig als Speise der Götter galt. Interessant ist, dass in der Hieroglyphenschrift «Herrschaft» durch die Bienenkönigin symbolisiert wird. In der griechischen Antike wurde die medizinische Bedeutung des Honigs entdeckt.

Fund von Bienenstöcken

Im Alten Testament dienen die im Schwarm auftretenden Bienen vor allem als Bild für lästige oder feindselige Verfolger (vgl. Ps 118,12 oder Dtn 1,44). Viel bedeutsamer ist aber die Redewendung vom «Land, in dem Milch und Honig fliessen», die in den alttestamentlichen Schriften gleich 21 Mal vorkommt. Damit wird das Land Kanaan beschrieben, das Gott seinem geknechteten Volk beim Auszug aus Ägypten verspricht und das er ihm überlassen möchte. Es wird über die Jahrhunderte zum Sinnbild für einen paradiesisch anmutenden Ort. Dass die Bibel den erwähnten Honig aber nicht nur symbolisch verstanden haben dürfte, zeigen archäologische Ausgrabungen in der antiken Stadt Tel Rechov im Nordosten Israels. Dort fanden Archäologen nämlich ein Bienenhaus aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. mit 30 tönernen Bienenstöcken, die auf eine gross angelegte Produktionsstätte schliessen lassen. Das Buch der Sprichwörter versucht mithilfe des Honigs Weisheiten zu verdeutlichen wie z. B.: «Freundliche Worte sind eine Honigwabe, süss für den Gaumen, heilsam für den Leib» (Spr 16,24). Es gilt aber auch: «Zu viel Honig essen ist nicht gut: Ebenso spare mit ehrenden Worten!» (Spr 25,27).

Heilung für die Menschen

Das Neue Testament erzählt von Johannes dem Täufer, dass er ein Gewand aus Kamelhaaren trug und sich «von Heuschrecken und wildem Honig» (Mk 1,6) ernährte. In der geheimen Offenbarung wird der Erzähler aufgefordert, das kleine Buch zu essen. Der Engel sagt ihm: «In deinem Magen wird es bitter sein, in deinem Mund aber süss wie Honig» (Offb 10,9).

Auch der Koran schätzt die Bienen und ihren Honig. In der Sure 16, die den Titel «Die Bienen» trägt, heisst es: «Aus ihren Leibern kommt ein Trank, mannigfach an Farbe. Darin ist Heilung für die Menschen» (Vers 69). In den Vorstellungen vom Paradies dürfen Ströme von Milch, Wein und «geläutertem Honig» nicht fehlen (Sure 47, Vers 15).

Der jüdischen Schriftauslegung dient die Biene als Vergleich für die Worte des Gesetzes: Sie seien süss wie der Honig, aber auch bitter wie der Stachel für den, der dem Gesetz zuwider handelt.

Der Heilige mit den Bienen

In der kirchlichen Kunst wird der heilige Ambrosius, Bischof von Mailand, oft mit einem Bienenkorb und einem Buch abgebildet. Die beiden Attribute symbolisieren seinen Fleiss und seine Gelehrsamkeit. Der Bienenkorb erinnert darüber hinaus an eine Legende, die erzählt, dass sich Bienen auf den neugeborenen Ambrosius niederliessen und ihm Honig in den Mund träufelten. Sie hätten ihm die honigsüsse Sprache seiner späteren Schriften und seiner Hymnen vermittelt. Papst Urban VIII. (1568–1644) nahm in sein Wappen drei Bienen als Symbole für Arbeit, Sparsamkeit und Süsse auf. Die Bienen kommen auch in der Liturgie der Kirche vor. Bis heute erfahren sie eine besondere Ehre im Exsultet (Jubelgesang) der Osternacht: «Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiss der Bienen für diese Kerze bereitet hat.»

Detlef Kissner

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Relief des heiligen Ambrosius mit Bienenkorb (1904, St. Peter am Wimberg, Oberösterreich)

Bild: Wolfgang Sauber/Wikimedia Commons
Umzeichnung der Felszeichnung eines Honigjägers, der auf einen Baum klettert
(Cuevas de la Araña).

Bild: Wikimedia Commons
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