Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 3

Die Kirche hat viele Falten und Runzeln

Abschied aus der Bistumsregionalleitung

Nach fast 14-jähriger Tätigkeit als Bischofsvikar der Bistumsregion St. Viktor freut sich Ruedi Heim auf sein neues Amt. Es zieht ihn als Co-Dekan des katholischen Dekanats Bern mit seinen gut 66‘000 Gläubigen zurück in die Pfarreiseelsorge. Dies, weil er neben der Leitung des Dekanats auch als Priester fest in zwei Pfarreien tätig sein wird.

Der 50-jährige Thurgauer Ruedi Heim, der als erster Bischofsvikar der Bistumsregion St. Viktor für die Kantone Luzern, Schaffhausen, Thurgau und Zug tätig gewesen ist, beginnt am 1. März 2018 seine neue Tätigkeit in Bern. Dort wird er einerseits als Co-Dekan und andrerseits als leitender Priester der fünf Pastoralräume und der Pfarreien Bümpliz und Bethlehem wirken. Heim blickt gerne zurück auf die Vielfalt der Tätigkeit als Bischofsvikar. «Es war eine dankbare Arbeit, ich habe viel zurückbekommen.» Er betont aber auch, dass diese anstrengenden Jahre Spuren hinterlassen haben. «Die Aufgabe hat mich gebraucht, ich bin in den 14 Jahren alt geworden.» Doch sobald man ihn erzählen hört, scheint das Wort «alt» durch seinen spürbaren Elan und seine Lebendigkeit völlig fehl am Platz.

Ich war Brückenbauer

«Ich habe mich all die Jahre als Brückenbauer zwischen den Kirchgemeinden, den Pfarreien und dem Bischof und umgekehrt gesehen.» Zu Heims wichtigsten Aufgaben haben das Personelle, die Synode und der Synodalrat Luzern, die Andersprachigen-Seelsorge sowie Firmungen und Festgottesdienste gehört. Seine Wochenenden waren zudem oft ausgefüllt mit Aushilfen in den Pfarreien. «Ich war dadurch immer auch am Puls des Geschehens.» Durch die zahlreichen Firmungen war er auch den Jugendlichen sehr nahe. Diese fehlten jedoch nach der Firmung meist in den Gotteshäusern. «Das Bedürfnis nach Religion fehlt oftmals ganz einfach. Erst wenn der Mensch merkt, dass Vieles oberflächlich bleibt, oder Schicksalsschläge passieren, folgen weitere Schritte.» Bei Gläubigen sei dies aber grundsätzlich nicht anders, nur könnten diese dann ein anderes Register ziehen. «Dieses Register kann aber massgebend sein für eine Trauer- oder Krisenbewältigung», betont Heim.

Die Gestalt der Kirche verändert sich

Vieles – wie die Bildung von Pastoralräumen, hauptsächlich geplant, um den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Mangel an Seelsorgepersonal Rechnung zu tragen – hat er zusammen mit dem Bischof und der Regionalleitung angepackt. Ruedi Heim sagt dazu: «Es fehlt aber grundsätzlich an Leuten, die kirchliche Berufe ergreifen.» Die Gestalt der Kirche verändert sich, und dies zu akzeptieren, sei für alle nicht immer ganz einfach. Ein Versuch war, die Lücke mit Seelsorgemitarbeitenden (SEMA) zu füllen. «Bei Hochtalentierten hat dies geklappt, andere sind jedoch durch die grosse Bandbreite an Aufgaben überfordert gewesen», bemerkt Heim. Daher erachtet er eine vielfältig fundierte Ausbildung als das A und O. Mit Rat und Tat unterstützte Heim als Bischofsvikar die Seelsorger und die kirchlichen Mitarbeitenden. Den Rat des Bistums, dass Priester nach zehn bis zwölf Jahren die Pfarrei wechseln sollten, unterstützt er voll und ganz. Diesen Ratschlag hat er sich jetzt selbst zu Herzen genommen. «Die Chance zum Aufbruch, die mir der Bischof bot, musste und wollte ich wahr nehmen.»

Ich habe meine Inseln

«Es ist trotz grossen Herausforderungen und schwierigen Situationen fast nie vorgekommen, dass ich wegen einem Problem nicht schlafen konnte», betont Heim. Als grösste Herausforderung nannte er die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe vor Jahrzehnten in Kinderheimen. «Ich habe ‹meine› Kirche auf eine Art und Weise wahrgenommen, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.» Das Zitat von Karl Rahner: «Die Kirche hat viele Falten und Runzeln», beschreibt die menschliche Kirche gemäss Heim treffend. «Die Kirche macht aber in diesem Bereich eine gute Arbeit, die betroffenen Personen werden ermutigt sich zu melden und es besteht keine Vertuschungspolitik», betont Heim. «Ich war mir von Beginn an bewusst, dass ich als Bischofsvikar Projektionsfläche biete. Für mich war der Austausch in der Regionalleitung daher immer sehr wichtig. Zudem habe ich meine Inseln, wie in die Berge gehen, Skifahren und Ferien machen. Wir Priester sind da nicht anders gestrickt als andere Leute, auch wir brauchen Abstand und Ruhe zum Auftanken. Die Zeit bis zum Beginn in Bern nutzt Heim einerseits für den Umzug und andererseits für eine Klausur in einem Kloster. Mit einem gesunden Respekt will er die neue Aufgabe angehen. «Die Leute meinen zu wissen, wer da kommt, weil ich als Bischofsvikar eine öffentliche Person ge - wesen bin.» Ich hoffe, die Leute begegnen mir ohne Vorurteile und nehmen mich so wie ich bin. «Es ist eine Herausforderung für mich, zu zeigen, dass es anders ist, als man vielleicht meint.»

Ursi Vetter

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Eine Erinnerung an den Thurgau: Ruedi Heim freut sich über den Wimpel, den er von der Pastoralkonferenz zum Abschied geschenkt bekommen hat.

Bild: Detlef Kissner
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