Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 23

«Er sieht die Not der Menschen»

Schweizer Unterschriften für den Papst

Seit vier Wochen ist die Initiative «Pro Pope Francis» online. Unterzeichnet wurde sie von zahlreichen Kirchenleuten aus 50 Nationen. kath.ch hat bei den Schweizern unter ihnen nachgefragt, was sie dazu bewogen hat.

«Ich schätze das Engagement von Papst Franziskus für echten Frieden in Gerechtigkeit und eine offene Kommunikation in der Kirche», begründet der Theologe und Buchautor Pierre Stutz seine Unterschrift. Von seiner Unterschrift erhofft er sich, dass noch mehr Menschen ihre Stimme für eine Kirche erheben, «die auch für die Schwächsten in unserer Gesellschaft aufsteht».

Was wirklich zählt

Ähnlich sieht es die Theologin und Autorin Jacqueline Keune: «Weil Franziskus – wie kaum einer vor ihm – mit seinen Worten und Zeichen daran erinnert, worum es im Eigentlichen geht und wie das Ganze einmal gedacht war», so Keune. Der Kirche seien über Jahrhunderte Normen und Traditionen wichtiger gewesen als Menschen und Lebensrealitäten. Dabei gehe es nicht um Bewahren und Verwalten, so Keune, «sondern um die soziale Dimension der biblischen Botschaft und eine konkrete Lebenspraxis».

Sie hofft, dass Papst Franziskus «die ellenlange Liste» – aktuell haben weltweit über 57’000 Personen unterzeichnet – in die Hände bekomme und «spürt, dass er auf dem Weg, für den er sich entschieden hat, nicht alleine ist».

Auch Franziska Loretan-Saladin, Lehrbeauftragte für Homiletik an der Universität Luzern, hebt die Glaubwürdigkeit des Papstes hervor: «Er sieht die Not der Menschen: soziales Elend ebenso wie seelische Nöte.» Der einzelne Mensch stehe im Zentrum und diese Haltung präge auch die pastorale Ausrichtung seines Amtes.

Gezögert vor Unterschrift

Vorerst gezögert, die Initiative zu unterzeichnen, hat Eva-Maria Faber. Sie ist Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Theologischen Hochschule Chur. Die Initiative sei auch eine Reaktion auf eine Gruppe, die den Papst attackiere, wie sie gegenüber kath.ch meinte. Daher stelle sich die Frage, ob man dieser Gruppe nicht zu viel Bedeutung beimesse.

Dennoch sei Unterstützung für den Papst nötig, denn «ohne Unterstützung kann dieser Papst nicht viel erreichen». Aus theologischen Gründen wären Alleingänge von Päpsten «nicht gesund», so die Fundamentaltheologin. Darum müssten mehr Menschen, «nicht zuletzt Bischöfe, aus den Beobachterrängen herauskommen».

Unterschrift unnötig

Die Schweizer Bischöfe sehen das anders. Sie haben nicht unterschrieben, «weil sie ihr Amt selbstverständlich in Einheit mit dem Heiligen Vater verstehen und dies nicht explizit mit einer Unterschrift zu bestätigen brauchen», begründet Sprecherin der Schweizer Bischofskonferenz, Berger-Lobato, im Namen der Bischöfe.

Dennoch finden sich mit Martin Gächter, emeritierter Weihbischof im Bistum Basel, Paul Hinder, Kapuziner und Apostolischer Vikar für die Vereinigten Emirate, Jemen und Oman, und Christoph Sterkmann, Bischofsvikar im Bischofsvikariat St. Urs des Bistums Basel, drei hohe geistliche Würdenträger auf der Liste.

Schweizer Unterschriften

Zu den Schweizer Unterzeichnern gehören ausserdem Edmund Arens, emeritierter Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Luzern, Leo Karrer, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Universität Freiburg, Walter Kirchschläger, emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Luzern, Adrian Loretan, Professor für Kirchenrecht an der Universität Luzern, Hanspeter Schmitt, Professor für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule Chur, Hermann Josef Venetz, emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Freiburg und andere.

Für den Papst

Die Gruppe «Pro Pope Francis», initiiert von den Theologen Paul Zulehner (Wien) und Tomas Halik (Prag), will Papst Franziskus gegen Attacken von katholischen Kritikern verteidigen. Die Gruppe wendet sich in einem online zugänglichen Schreiben direkt an den Papst.

«Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für Ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind», heisst es auf der Website «Pro Pope Francis». Die «Pastoralkultur» von Franziskus stehe für einen Umgang mit den Menschen, bei dem nicht das Gesetz, sondern das Erbarmen das letzte Wort haben solle. «Sie träumen von einer ‹Kirche als Mutter und Hirtin›. Diesen Ihren Traum teilen wir», so die Unterstützer. Die Initiative ist seit Mitte Oktober online.

Francesca Trento und Sylvia Stam/Red.

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Namhafte Vertreterinnen und Vertreter haben ihre Solidarität mit Papst Franziskus bekundet.

Bild: Screenshot www.pro-pope-francis.com
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