Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Aktuelle Ausgabe Nr. 23

Editorial

Nein, der Samichlaus ist kein kostümierter Paketeverteiler, kein verlängerter Arm von Amazon und Co. Er ist auch kein irgendwie gearteter Weihnachtsmann und schon gar nicht eine geniale Erfindung der Coca-Cola-Werbung. Er ist in Begleitung des Schmutzlis auch kein Moralonkel für Kinder und Erwachsene, kein Erziehungsgehilfe für besonders schwere Fälle oder überforderte Eltern. Und er wurde auf gar keinen Fall als Schreckgestalt oder Witzfigur erfunden, um gelangweilte Gemüter zu bespassen. Nein, dies alles hat nichts mit dem richtigen Samichlaus zu tun.

Der Samichlaus erinnert vielmehr an einen Mann, der vor etwa 1700 Jahre tatsächlich gelebt und seine Zeitgenossen wohl sehr beeindruckt hat. Er soll Menschen, die arm waren, materiell unterstützt haben. Er soll sich für verzweifelte Gefangene eingesetzt und andere aus grosser Not gerettet haben. Auch wenn die Legenden über ihn in unseren Ohren fantastisch klingen, machen sie doch unmissverständlich deutlich, dass es diesem Nikolaus, Bischof von Myra, nicht um sich selber ging, sondern dass er um das Wohl anderer Menschen besorgt war. Er ist eine Lichtgestalt, deren Beispiel über Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit hinein leuchtet. Sein Leben und seine Person haben Menschen immer wieder Hoffnung gemacht, dass es irgendwo einen Ausweg gibt, dass das Gute siegt, dass Gott in dieser Welt wirkt. Und sein Beispiel wirbt dafür, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Es macht deutlich: Wer an andere denkt, wer für andere da ist, ist kein Spinner und kein Weichling, sondern ein Mensch mit Weitblick, jemand, der in seinem Leben Erfüllung findet. Eine Botschaft, die es gerade in unserer Zeit braucht, in der eine neue Ellenbogenmentalität Aufwind bekommt, die durch «Paradise Papers» entlarvt wird oder sich in Slogans wie «America first» ungeniert zeigt.

Wir brauchen den Samichlaus – und zwar einen, der möglichst authentisch sein grosses Vorbild durchscheinen lässt. Wir brauchen Menschen, die im roten Gewand Kleinen und Grossen die Liebe Gottes nahe bringen und in ihnen das Feuer für ein solidarisches Miteinander wecken.

Detlef Kissner

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