Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 19

«Eine Art Fenster zum Himmel»

Über die Kunst der Ikonographie

Die Ingenbohler Schwester Erasma (73) lebt zurzeit im St. Gallischen Maria Bildstein. Ihre Leidenschaft sind Ikonen – aber nicht gedruckte oder gekaufte, sondern selbst angefertigte. Sie beherrscht die uralte Technik der Enkaustik, die seit einigen Jahren einen neuen Aufschwung erlebt. Die quirlige Schwester nimmt Kirche ohne Grenzen hinein in ihre Faszination für die Welt der Ikonen.

Sr. Erasma, was sind Ikonen?

Ikonen sind geistliche Bilder, die das Heilswirken Jesu, die Mutter Gottes, die Heiligen und Engel darstellen. Ihr Ursprung liegt in der orthodoxen Kirche. Sie entsprechen den Heiligenbildern und Statuen der katholischen Kirche. Nur sind die Ikonen sehr viel intensiver. Für die orthodoxen Christen repräsentiert eine Ikone die Person, die auf dem Bild dargestellt ist. Christus, die oder der Heilige, ist anwesend. Vergleichbar mit Christus im Tabernakel.

Sie sprechen vom Ikonen schreiben und nicht malen. Wieso?

Es sind ja Bilder nicht Worte. Ikonen sind sozusagen in Farbe geschriebenes Evangelium. Was die Heilige Schrift in Buchstaben beschreibt, beschreibt die Ikone in Farben.

Sie schreiben selbst Ikonen und bringen diese Kunst auch anderen bei, welche Bedeutung haben Ikonen für Sie persönlich?

Ikonen regen mich an zum Gebet und zur Meditation. Es ist ein geistliches Handwerk, bei dem man zugleich in das Heilswirken Gottes hineingenommen wird. Dies auch andere Menschen erfahren zu lassen, animiert mich, Kurse zu geben. Die Erfahrung zeigt auch, wie viel Freude und Ergriffenheit in der Arbeit mit Ikonen geschenkt werden. Es ist eine Faszination – entweder man ist davon ergriffen oder nicht. Vor mittlerweile über 20 Jahren konnte ich durch eine Mitschwester in diese «Welt» eintauchen – war sozusagen vom ersten Strich an begeistert und seither erlosch dieses «Feuer» in mir nicht mehr.

Kann oder darf jeder Ikonen schreiben, und gibt es eine spezielle Ikonen-Schreib- Technik?

Dürfen ja, aber ob jeder eine Gabe dazu hat und dies auch «kann», bezweifle ich. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann ist, dass wenn jemand dazu bereit ist und Ikonen schreibt, dies zu einem tieferen Glauben führen wird. Schwierig ist Ikonenschreiben eigentlich nicht. Es gibt zwei Techniken, jene welche ich anwende, nennt sich Enkaustik. Dabei handelt es sich um eine uralte Technik, bei der ursprünglich mit farbigem Wachs und Wärme gemalt wurde. Eine meiner Mitschwestern versuchte dann, diese lang verlorengegangene und traditionelle Technik wiederzubeleben, und zwar mit heutigen Wachsfarben. So fertigen wir sie mit Neocolor an.

Kann man sagen, Ikonen seien eine Art Fenster zum Himmel?

Ja, sie sind wirklich Fenster zur Ewigkeit. Denn die Ikonen sind nicht nur Erinnerung an das was einmal geschah, zurzeit Jesu. Sie sind nicht nur Vergegenwärtigung Christi und seiner Heilsgeheimnisse. Sie sind zugleich ein Ausblick auf seine Wiederkunft in Herrlichkeit. Durch die Ikone blicken wir sozusagen in die kommende Welt. Daher ist die Kunst der Ikonographie nicht nur eine blosse technische Arbeit, vielmehr ist es eine geistliche Schulung. Ikonenschreiben beginnt immer mit Gebet und Meditation über das, was man in Farbe bringen möchte – man muss sich sozusagen vom Geist Gottes führen lassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview: Romina Monferrini
Übersetzung: Stefanie Blaser

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«A window to heaven»

The art of christian iconography

Sister Erasma (73) of the Sisters of Ingebohl lives in Maria Bildstein (Benken/SG). Her passion is the christian iconography – but not the ones you can buy and are often printed. She makes them herself. Her technique is a very old one called Enkaustik. The lively Sister shares her fascination with Kirche ohne Grenzen.

Sr. Erasma, what is a christian icon?

Christian icons are sacred pictures who show the live and work of Jesus, of Mary the Mother of God, the Saints and the Angels. They have their roots in the Orthodox Church. They are equal to the statues or pictures in the Catholic Church, but they can be experienced more intense. The Orthodox Church believes that the icon is kind of a representative for the person shown on the icon; equal to the presence of Christ in the tabernacle.

Are Icons a «window to heaven»?

Yes they are. They are much more than just pictures and memories of things that once were. Through the christian icons we can see into the world promised to us. This is why the art of christian iconography is not just work that needs a certain technique and routine. It needs spiritual training. Creating a new icon starts with prayer and meditation on what you would like to bring to colour. You have to let go and let the Holy Spirit guide you.

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Kirche ohne Grenzen 2017

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Sr. Erasma ist fasziniert von Christusdarstellungen und Ikonen der Mutter Gottes.

Bild: Romina Monferrini
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