Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 8

Mehr als eine diplomatische Geste

Stimmen zum ökumenischen Gedenkanlass in Zug

Der ökumenische Gedenkanlass zur Reformation und zu Niklaus von Flüe am 1. April in Zug kam gut an bei den Beteiligten und Besuchern. Dies zeigt eine Umfrage von kath.ch bei Exponenten der katholischen und reformierten Kirche, darunter Gottfried Locher und Bischof Felix Gmür.

Die beiden Jubiläen zur Reformation und zu Niklaus von Flüe hätten «einander bereichert» und die Kirchen über Konfessionsgrenzen hinweg zusammengeführt, meinte Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds: «‹Zug› könnte zum Meilenstein der Schweizer Ökumene werden.»

Gottfried Locher und der Basler Bischof Felix Gmür leiteten den ökumenischen Gottesdienst am Nachmittag, bei dem es zu einer wohl historischen Entschuldigung der Konfessionen kam. Zu jenem Moment sagte Locher im Nachhinein: «Was mir Bischof Felix gesagt hat, war echt. Offenbar ging es ihm bei meinen Worten auch so. Nur deshalb konnten wir einander umarmen.» Das habe ihn gerührt, wie offenbar auch viele Anwesende.

Bestärkt auf dem gemeinsamen Weg

Die gegenseitige Bitte um Entschuldigung und Umarmung waren «mehr als eine diplomatische Geste», sagte Bischof Felix Gmür auf Anfrage. Sie hätten eine Haltung zum Ausdruck gebracht, die im Dialog der beiden Konfessionen seit Jahren spürbar sei. Zum gesamten Gedenkanlass meinte er: «Die Dynamik, die im Motto ‹Gemeinsam zur Mitte› steckt, hat sich entfaltet.» Die Begegnungen, Gespräche, Vorträge und die Feier des ökumenischen Gottesdienstes als Höhepunkt hätten ihn bestärkt, den gemeinsamen Weg weiterzugehen.

«Diese wichtigen Gesten und Bekenntnisse von Gottfried Locher und Bischof Felix haben das Gedenken zu einer Feier werden lassen», sagte Luc Humbel, der als Präsident der Römisch-katholischen Zentralkonferenz zu Gast war. «Dieses Engagement und die damit zum Ausdruck gebrachte Haltung haben mich tief berührt.»

Versöhnung auch zwischen Menschen

«Vielen Gottesdienstteilnehmenden ist die Entschuldigung unter die Haut gegangen», fand auch Sabine Brändlin, die bei der reformierten Kirche Kanton Aargau die Fachstelle «Frauen, Männer, Gender» leitet. Die Leute wüssten aus ihrer eigenen Familie, wie schwierig das Miteinander der beiden Konfessionen lange Zeit war. «Am Samstag ist es zu einem wichtigen Schritt der Versöhnung gekommen – nicht nur zwischen Institutionen, sondern auch zwischen Menschen.»

Der Leiter des Instituts für Sozialethik ethik22 und Interimspräsident der bischöflichen Kommission Justitia et Pax, Thomas Wallimann-Sasaki, war vom Gedenkanlass «intellektuell und persönlich angesprochen», wie er auf Anfrage sagte. In Zug sei eine Gemeinschaft aus Persönlichkeiten beider Konfessionen und dank vieler Angebote auch eine «Chilbistimmung» entstanden. Dass das Zeichen der Versöhnung am Schluss kam, empfand er als «sehr gelungen». «Ein Gottesdienst kann ja erst lebendig werden, wenn Gemeinschaft da ist», ist er überzeugt. Auch das gemeinsame Teilen des Brotes sei sehr gut umgesetzt gewesen.

Zeichen gesetzt

Als problematisch empfand Wallimann, dass die Ökumene ausschliesslich aufs Liturgische ausgerichtet war. Gerade in diesem Bereich werde man wohl auf höheren Ebenen zuletzt zueinander finden, sagte er. Und er meinte: «Das Zeichen ist gesetzt. Jetzt muss man gemeinsam Nägel mit Köpfen machen.» Was für ihn heisst: Soziale, diakonische und politische Themen müssen auf den Tisch.

Auch für Michel Müller, den Kirchenratspräsidenten der reformierten Kirche Kanton Zürich, ist die Sache mit der ökumenischen Geste am Gedenktag nicht abgeschlossen. «Das ökumenische Zeichen hat etwas vorweggenommen, was noch nicht eingelöst ist und noch nicht von allen Beteiligten beider Konfessionen getragen wird», sagte er auf Anfrage. «Alle am Gedenken Anwesenden haben nun die Aufgabe, innerlich diesem Akt zu folgen.»

Vor der Versöhnung das Schuldbekenntnis

Der Versöhnungsgeste und Entschuldigung von Locher und Gmür voran ging ein Schuldbekenntnis. «Wir bekennen, dass wir einander Gewalt angetan haben und gegeneinander gar in den Krieg gezogen sind – in die Kappelerkriege, in die Schlacht am Gubel, in die Villmergenkriege», heisst es da. Und weiter: «Dass wir einander als Ketzer verfolgt, aus den Dörfern vertrieben, ausgehungert, eingekerkert oder lebendigen Leibs verbrannt haben.» In einem Referat am Vormittag hob der Historiker Josef Lang hervor, dass Niklaus von Flüe «als Vorläufer des Protestantismus» betrachtet werden könne, sagte Lang. Er habe einen Übergang vom Humanismus seiner Zeit zur Reformation gebildet.

Regula Pfeifer/Red.

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Eine Umarmung als Zeichen der Versöhnung: Gottfried Locher (links) und Bischof Felix Gmür

Bild: Sibylle Kathriner
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