Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 8

Wie der Holzschneider das Licht sieht

In vierzehn Bildern von Ostern bis Pfingsten

Seit 2001 ist die Via Lucis als kirchliche Andachtsform anerkannt. Dennoch kennen viele Gläubige diese Form des Gebets nicht. Ein Bilderzyklus mit vierzehn Holzschnitten des Künstlers Peter Rottmeier soll das ändern.

Es sind kleine Formate und gedämpfte Farben, die Peter Rottmeier für die Illustrationen des Lichtwegs gewählt hat. Nicht grösser als ein Blatt Schreibpapier entfalten sie ihre Wirkung in der Reduktion von Form und Farbe. «Das Thema ist nicht schreiend, es soll fein und zurückhaltend daherkommen.» Kaum zu glauben, dass die subtilen Farbnuancen, die der Künstler erzeugt, mit Holzplatten geschaffen wurden. Luzide Blau- und Violetttöne überwiegen, Grün und Rot setzen sparsame Farbakzente. Gold und Silber verschaffen den Bildern, eine ätherische Strahlkraft. Schematische, auf das Nötigste reduzierte Figuren lassen der Betrachterin Raum für eigene Gedanken. Es sind Bilder, die inspirieren, eines führt zum nächsten, keines tanzt aus der Reihe.

Eine Herausforderung

Für Peter Rottmeier war die Schaffung des Zyklus Via Lucis eine Herausforderung. Denn die unterschiedlichen Motive der vierzehn Bilder sollten eine Einheit bilden, «sie müssen gleichsam eine gemeinsame Bildsprache sprechen», sagt der Holzschneider. Eine Herausforderung, die der Künstler bewusst gesucht hat. Für eine Ausstellung im Kloster Fischingen zu seinem 70. Geburtstag wollte er etwas Neues schaffen. Etwas, das auch zur Osterzeit passt. Einen Kreuzweg zu illustrieren, wäre für ihn aber nicht in Frage gekommen. «Die Via Crucis ist ein schwieriges, fast erdrückendes Thema», meint Rottmeier. Er sei dagegen eher ein fröhlicher Mensch.

Peter Rottmeier fand sein Motiv schliesslich im Lichtweg der Salesianer des Don Bosco. Eine Ordensgemeinschaft, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde und sich seither in der Jugendarbeit engagiert. Die Idee für einen Lichtweg entstand Ende der 1980er-Jahre. Seine Stationen beschreiben analog zum Kreuzweg den Lichtweg von Ostern bis Pfingsten. Der Weg kann als Ergänzung und Fortsetzung der Via Crucis verstanden und gebetet werden. Besonders junge Christen fühlen sich von dieser Andachtsform angesprochen. So wurde der Lichtweg beispielsweise im Jahre 2000 an den 15. Weltjugendtage in Rom von jungen Menschen aus aller Welt gefeiert. Hier sieht Peter Rottmeier denn auch einen Zusammenhang zu seinem Leben. «Ostern ist Befreiung, Auferstehung und Mysterium: Das kann ich in meinem Bildern auffangen», sagt der Künstler. Er selber war 35 Jahre lang Lehrer und fühlt sich der Jugend verpflichtet. «Ihr möchte ich einen Weg der Freude und der Hoffnung aufzeigen.»

Dass der Holzschneider die Herausforderung, die er suchte, auch gemeistert hat, erklärt er sich so: «Wenn ich arbeite, fliegen mir oft Gedanken und Ideen zu, die ich nur noch umsetzen muss.» Doch nicht alle Motive gehen dem Künstler gleichermassen von der Hand. Die Gestaltung des Bildes «Geistsendung» sei ihm schwer gefallen. «Die Aussage ist wohl richtig, aber es überzeugt mich nicht ganz», gibt er zu. «Ich bin ein gläubiger Mensch, aber ich habe auch viele Fragezeichen.» Dennoch wolle er sich als Künstler auch Themen stellen, die er nicht ganz erklären kann. Das könne er am besten, indem er seine Bilder sprechen lasse. «Sie sprechen eine Sprache, die andere verstehen.» Die Botschaften, die sie vermitteln ergeben sich aus den vierzehn Stationen des Lichtwegs. Dazu gehören unter anderen «Die Auferstehung Jesu», «Auf dem Weg nach Emmaus», «Im Abendmahlssaal», «Himmelfahrt» oder «Die Geistsendung».

Alte Technik

Peter Rottmeiers künstlerisches Medium ist der Holzschnitt. Zu dieser Technik fand der gelernte Schriftsetzer und spätere Realschullehrer über seine Liebe zum Holz. «Es ist eine ganz alte Technik», so Rottmeier. Der Holzschnitt erlebte um 1500 mit der Erfindung des Buchdrucks eine Hochblüte. Damals dienten die prägnanten Schwarz- Weiss-Bilder zur Illustration von Büchern. Peter Rottmeier dagegen erzeugt im Zyklus Via Lucis feine Farbabstufungen. Das gelingt, weil er unterschiedliche Druckstöcke verwendet und mehrere Arbeitsgänge ausführt. Zudem arbeitet der Künstler mit Schablonen. So trägt er die Farben Gold und Silber mit Hilfe einer Schablone und eines Stupfpinsels auf jedes einzelne Bild auf. «Das geht nur, weil ich kleine Auflagen mache », sagt er. Bei der Via Lucis sind es zehn Stück. Ein vollständiger Zyklus ist noch im Besitz des Künstlers. Einer ist ganzjährig – ausser in der Passionszeit – in der katholischen Kirche in Geroldswil (ZH) ausgestellt. Ein weiterer befindet sich im Kloster Benediktbeuren (D). Zudem besteht die Möglichkeit, die Bilderreihe beim Künstler auszuleihen oder in Buchform zu beziehen. «Ich freue mich», so Peter Rottmeier, «wenn ich mit meinen Holzschnitten mithelfen darf, die Via Lucis in die Welt hinauszutragen.

Sibylle Zambon-Akeret

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■ Weitere Infos: www.pero.ch

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Peter Rottmaier: Die Auferstehung Jesu,
Holzschnitt 2012

Bild: Peter Rottmeier
Der Künstler Peter Rottmeier

Bild: zVg
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