Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 15

«Kulturelle Elemente aus Indien und der Hindu-Religion»

Die syro-malabarische Kirche in der Schweiz

Die katholische Kirche ist eine Gemeinschaft von 22 verschiedenen Kirchen oder Riten, die nach eigener Rechtsordnung leben. Einer davon ist der syro-malabarische Ritus, dem auch viele indischstämmige Familien in der Schweiz angehören, zum Beispiel in Schaffhausen. Wir unterhielten uns mit Pater Varghese Nadackal, Pfarrer in Dielsdorf ZH, der in Schaffhausen einmal im Monat einen Gottesdienst im syro-malabarischen Ritus abhält.

Pater Nadackal, die syro-malabarische Kirche gilt als eine katholische Kirche. Was bedeutet das genau?

Genau genommen handelt es sich um eine apostolische Kirche. Apostel Thomas hat diese im Jahr 52 n. Chr. in Südindien gegründet. Deswegen nennen wir uns «Thomaschristen». Geschichtlich gesehen waren wir von Beginn an eine mit Rom verbundene, katholische Kirche. Der syro-malabarische Ritus gehört zu den Ostriten in der katholischen Kirche, wir sind also genau gesagt eine katholische Ostkirche in Indien.

«Unsere Frauen tragen als Schmuck die Lotusblume»

Wie sieht die Liturgie nach syro-malabarischem Ritus aus?

Hier zeigen sich natürlich wesentliche Unterschiede zur Liturgie der katholischen Westkirchen. Die Struktur der Kirche und der Glaube an Jesus Christus sind dabei genau gleich, in Liturgie, Spiritualität und Theologie sind die Ostkirchen aber abweichend. Die syro-malabarische Kirche folgt dem Ostritus und hat zudem viele Elemente aus umliegenden Ländern und Kulturen adaptiert. So hat unsere Liturgie durchaus Ähnlichkeiten mit orthodoxen Gottesdiensten.

Man sagt, Thomaschristen seien «Hindu in Kultur, Christen in Religion und orientalisch in der Liturgie» …

Das ist genau richtig. Wir haben viele kulturelle Elemente aus Indien und der Hindu-Religion adaptiert. Trotzdem sind wir katholisch geblieben. Ein Beispiel: Alle unsere verheirateten Frauen tragen ein bestimmtes Schmuckstück (Taali). Der Schmuck zeigt die Lotusblume, die Nationalblume Indiens. Einen ähnlichen Schmuck tragen auch verheiratete Hindu-Frauen. Mit einem Unterschied: Auf den Schmuckstücken der syro-malabarischen Frauen ist zusätzlich ein Kreuz eingearbeitet.

«Gewalt in Indien ist vor allem politisch motiviert»

In letzter Zeit häufen sich die Meldungen über Konflikte und gewaltsame Übergriffe auf Christen in Indien. Wo sehen Sie die Quelle dieser Probleme?

Zunächst einmal ist Indien ein Subkontinent mit 1,2 Milliarden Einwohnern, wovon die Katholiken gerade einmal drei Prozent ausmachen. Die angesprochenen Übergriffe geschehen hauptsächlich in Nordindien, wo die Missionsarbeit noch nicht so weit fortgeschritten ist. Dort leben verhältnismässig viele Analphabeten und schlecht ausgebildete, arme Leute. Die Gewalt ist aus meiner Sicht vor allem politisch motiviert und geht von einigen wenigen Hindu-Fanatikern aus, welche in jenen Regionen Unruhe stiften wollen. Der Hinduismus ist nämlich ansonsten die toleranteste Religion auf der ganzen Welt.

Welche Rolle spielt die Missionsarbeit in diesen Konflikten?

Es gibt zwei Seiten. Einerseits versuchen wir den Leuten zu helfen, in dem wir beispielsweise bessere Schulbildung anbieten. Dadurch erhalten viele junge Menschen, davon rund 90 Prozent Hindus, die Chance, später zu studieren und gesellschaftlich wie politisch aufzusteigen. Anderseits gibt es wie gesagt einige Hindu-Fanatiker, welche unsere Präsenz nicht gerne sehen und zu bekämpfen versuchen.

Zurück zum syro-malabarischen Ritus, wie er in der Schweiz und speziell in der Region Schaffhausen gefeiert wird. Wie ist die Gemeinschaft der Thomas christen in Schaffhausen im Hinblick auf Seelsorge, Veranstaltungen und andere Angebote organisiert?

Die syro-malabarischen Christen in der Schweiz gehören alle einer hiesigen römisch-katholischen Pfarrei an. Von dieser erhalten sie auch die seelsorgerische Betreuung. Unter sich treffen sich die indischen Christen in Gebetsgruppen und zu verschiedenen anderen Anlässen. In der Schweiz gibt es übrigens keine indische Mission, deshalb sind wir im Bezug auf das seelsorgerische Angebot eingeschränkt. Mithilfe der Kommission «migratio» und indischer Priester, die in der Schweiz tätig sind, konnten wir mittlerweile trotzdem ein Angebot an Gottesdiensten im syro-malabarischen Ritus aufbauen, so zum Beispiel einmal pro Monat im St. Peter in Schaffhausen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview und Bild: Simon Peter

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Pater Varghese Nadackal, Pfarrer in Dielsdorf ZH, hält einmal im Monat in St. Peter Schaffhausen einen Gottesdienst im syro-malabarischen Ritus ab.
Die syro-malabarischen Christen in der Schweiz
gehören alle einer hiesigen römischkatholischen Pfarrei an.
Bilder: St. Peter Schaffhausen
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