Papst Leo XIV. richtet dramatischen Appell an die Welt

Am Tag nach der erneuten Eskalation im Nahen Osten äusserte sich Papst Leo XIV. zur Situation. In einem dramatischen Appell an Beteiligte und an die diplo­matische Welt fordert er ein Ende der Gewalt. Auch der Weltkirchenrat in Genf verurteilt die Militäraktion im Nahen Osten.

Mit einem eindringlichen Appell hat Papst Leo XIV. dazu aufgerufen, die « Spirale der Gewalt » im Nahen Osten zu stoppen. Er verfolge mit grosser Besorgnis die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten und im Iran in diesen dramatischen Stunden, sagte der Papst auf dem Petersplatz am Tag nach dem Angriff. « Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegen­seitige Drohungen oder durch Waffen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, erreichen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog. »

Spirale der Eskalation stoppen
Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie von enormem Ausmass richte er seinen eindringlichen Appell an alle Beteiligten : Sie sollten die moralische Verantwortung übernehmen, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwind­baren Abgrund werde. Die Diplomatie möge ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker fördern, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnten. Abschliessend forderte der Papst die Menschheit dazu auf, weiterhin für den Frieden zu beten.

Weltkirchenrat verurteilt Militäraktion
Der Schlagabtausch Israels und der USA mit dem Iran könne zu einem Flächenbrand führen, warnt der Weltkirchenrat. Er fordert eine Rückkehr zur Diplomatie. Er hat die Militärangriffe Israels und der USA gegen den Iran und dessen Vergeltungsschläge verurteilt. Diese Spirale der Gewalt gefährde Millionen von Zivilisten, untergrabe die regionale und internationale Sicherheit und belaste die ohnehin fragile wirtschaftliche und soziale Stabilität im Nahen Osten, erklärte Generalsekretär Jerry Pillay in Genf.

Militärische Konfrontation und Vergeltung könnten weder beständige Sicherheit noch Frieden bringen. Stattdessen brächten sie mehr Leid und erhöhten die Gefahr eines regionalen Flächenbrands mit unvorher­sehbaren globalen Folgen, so der Vertreter des Weltkirchenrats, des Zusammenschlusses von 356 christlichen Kirchen, die zusammen mehr als 580 Millionen Christen repräsentieren. Die römisch-katholische Kirche gehört dem Rat nicht an.

Militärische Aktionen sofort einstellen
Der Weltkirchenrat fordert die sofortige Einstellung aller militärischen Aktionen, den Schutz der Zivilbevölkerung, die Wiederaufnahme diplomatischer Verhand­lungen und koordiniert internationale Bemühungen zur Verhinderung einer weiteren Eskalation.

Severina Bartonitschek / kath.ch, 16.03.2026

Zerstörung im Zentrum Teherans nach Bombenangriffen
Quelle: Hossein Zohrevand / Wikimedia Commons
Zerstörung im Zentrum Teherans nach Bombenangriffen

Kommentare

+
Peter Schweizer

13.04.2026, 14:52

Papst sei Dank!
Im Januar 2026 wurde der damalige Botschafter des Kirchenstaates ins Pentagon einbestellt und erhielt eine Standpauke, durch Unterstaatssekretär Elbridge Colby, weil der Papst zuvor den Angriff auf Venezuela kritisiert hatte. Die Vereinigten Staaten verfügten über „militärische Macht“ weltweit zu tun, was immer sie wollten, und die katholische Kirche tue gut daran, sich auf deren Seite zu stellen.
Den Papst scheint das aber nicht zu beeindrucken. Zuletzt hat er Trumps Aussage, wonach im Iran eine „ganze Zivilisation“ sterben werde, scharf kritisiert. Diese Androhung sei nicht nur ein Vorstoss gegen das Völkerrecht, sondern zeige auch Hass und den Willen zur Zerstörung. Dem sollten die Menschen den Einsatz für Frieden entgegensetzen.
Papst Leo XIV akzeptiert offenbar das „11. Gebot“ nicht, das da lautet: „Israel darf alles!“ Im Alten Testament wird dem auserwählten Volk die Vertreibung und Ausrottung anderer Völker aufgetragen, um das versprochene Land zu erobern. Netanjahus Zionisten und US-amerikanische Evangelisten arbeiten heute daran ein Gross-Israel (Eretz-Israel: von Nil bis zum Euphrat) zu schaffen. Und dabei ist jedes Mittel erlaubt. Denn das Übel gedeiht – nach Karl Kraus – nie besser, als wenn ein Ideal davor steht.
Hoffen wir, dass sich der Papst und die christlichen Kirchen endlich vom Alten Testament mit seinen rassistischen Geboten distanzieren. Die christliche Friedensbotschaft ist damit nicht vereinbar. Vorerst aber bewundere ich den Papst, dass er nicht schweigt. Martin Luther King sagte einst: Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde. Gott sei Dank will Papst Leo XIV kein „schweigender Freund“ sein.
Peter Schweizer, Neuhausen

Neuen Kommentar hinzufügen

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.

Plain text

  • No HTML tags allowed.
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.