Vom Geschichtsstudium zur politischen und kirchlichen Satire
Als Kind griff Thomas Plaßmann lieber zum Stift als zum Fussball. Heute arbeitet er als Karikaturist und hat auf der letzten Seite von forumKirche einen festen Platz. Er gehört zu den seltenen Satirikern, die sich an Themen aus Kirche und Religion herantrauen.
Wie kamen Sie nach dem Abitur dazu, Karikaturist zu werden ?
Nach dem Abitur habe ich mich für ein Studium der Geschichte und Germanistik entschieden. Relativ schnell merkte ich jedoch, dass der Lehrerberuf für mich nicht infrage kam. Als persönliches Interesse hätte ich mir das Studium gut vorstellen können, beruflich jedoch weniger. Deshalb suchte ich nach Alternativen und wollte etwas Handwerkliches mit dem Künstlerischen verbinden. Mein ursprünglicher Plan war es, Restaurator zu werden, was sich aber nicht realisieren liess. Und da ich schon immer gerne gezeichnet habe, führte mich mein Weg schliesslich zum Beruf des Karikaturisten.
Haben Sie schon vor den Karikaturen viel gezeichnet ?
Ja, eigentlich immer. Schon im Kindergarten habe ich lieber mit Stiften gearbeitet als mit Bauklötzen. Das Zeichnen setzte sich später in der Schule fort. Bereits damals hatte ich eine Vorliebe für humorvolle Zeichnungen und Karikaturen, habe Lehrer karikiert und fand das spannender, als Fussball zu spielen. Dabei bin ich geblieben.
Wie schwierig ist es für Sie, immer wieder neue Ideen zu finden ?
Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, es gibt dafür keinen Schlüssel. Zumal sich meine Arbeit auf verschiedene Bereiche verteilt. Ein wichtiger Teil sind politische Karikaturen für grosse deutsche Medien wie die Frankfurter Rundschau, den Kölner Stadt‑Anzeiger oder Der Spiegel Online. Daneben arbeite ich schon lange über Themen aus Religion und Kirche und zeichne dafür für verschiedene Redaktionen aus dem kirchlichen Bereich, so auch für forumKirche.
Die Themen ergeben sich oft aus dem aktuellen Geschehen. Die grössere Herausforderung dabei ist nicht so sehr das Thema selbst, sondern die Frage, wie ich damit umgehe, wie ich es bewerte. Eine Karikatur ist ja immer mehr als eine Illustration. Sie braucht eine klare Haltung und einen Kommentar.
Wie viel Zeit brauchen Sie für eine Karikatur ?
Das ist sehr unterschiedlich. Ich arbeite immer mit einer festen Deadline. Der gesamte Prozess dauert zwischen einer und zwei Stunden, je nachdem, wie lange die Ideenfindung braucht. Die eigentliche Zeichnung ist dann vergleichsweise schnell gemacht. In etwa einer halben Stunde ist das Bild gezeichnet, digitalisiert und abgeschickt.
Welche Rolle spielt die katholische Kirche in Ihrem Leben ?
Die Kirche spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich bin katholisch sozialisiert, war Messdiener und später auch in der Jugendarbeit engagiert. Dieses Engagement hat mich nie losgelassen, ich bin bis heute kirchlich aktiv. Natürlich gibt es vieles, woran ich mich reibe. Trotzdem bleibt für mich der Kern – der Glaube und die Botschaft Jesu – zentral. Darum kann ich für mich nicht zu dem Schluss kommen, mich von der Kirche zu lösen. Karikaturen sind für mich ein geeignetes Mittel, um mich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, auch kritisch. Am Anfang gab es Widerstände. Viele dachten, eine Karikatur sei einfach eine Witzzeichnung und man dürfe sich nicht über fromme Themen lustig machen. Dabei geht es mir nicht um Spott, um Herabsetzung, sondern darum, Wege zu finden, die Themen manchmal mit etwas Selbstironie, mit Humor, aber auch mit angemessener Schärfe aufzugreifen.
Was möchten Sie kirchlichen Lesern mit Ihren Cartoons vermitteln ?
Ich möchte nicht direkt etwas vermitteln, sondern Themen sichtbar machen und Fragen stellen. Karikaturen können Diskussionen anstossen, beim Einzelnen, im innerkirchlichen Bezug – und zugleich Menschen erreichen, die sonst wenig mit der Kirche zu tun haben. Ein gutes Bild löst sofort etwas im Kopf aus. Darin sehe ich meine Aufgabe : über Humor und Satire Zugänge zu religiösen Themen zu schaffen.
Interview : Matteo Metzger, 02.03.2026
Dieser Artikel entstand im Zusammenhang mit Matteo Metzgers berufsfeldspezifischem Praktikum an der Fachmittelschule der Kantonsschule Frauenfeld.
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