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Aktuelle Ausgabe Nr. 3

Spendet Wärme und Licht

Zur Symbolik der Kerze

Am 2. Februar, dem Fest «Darstellung des Herrn», auch bekannt als «Mariä Lichtmess», segnet man traditionellerweise die Kerzen, die während des Jahres verwendet werden, sei es privat oder im Gottesdienst. Und das sind nicht wenige!

Trotz elektrischem Licht sind Kerzen beliebt, vor allem als Stimmungserzeuger. In der Schweiz werden rund 20 000 Tonnen Kerzen pro Jahr verbraucht, fast drei Kilogramm pro Person. Im kirchlichen Kontext ist die Kerze in erster Linie ein Lichtsymbol: Sie verweist auf Christus, das Licht der Welt, und auf die Getauften, die Kinder des Lichtes. Darüber hinaus bringt sie Verehrung zum Ausdruck oder unterstreicht den festlichen Charakter der Liturgie.

Licht des Auferstandenen
Während die meisten Kerzen aus Paraffin oder Stearin hergestellt werden, achten die Produzenten bei liturgischen Kerzen darauf, dass sie einen hohen Anteil (in der Schweiz üblicherweise 55 Prozent) an Bienenwachs aufweisen. Von besonderer Qualität ist die Osterkerze, von der es im Exsultet – dem grossen Gesang der Osternacht – heisst, dass sie «aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet ist». Das Bienenwachs wurde im Mittelalter für so kostbar erachtet, dass es als Zahlungsmittel diente. Die brennende Osterkerze symbolisiert Christus, den Auferstandenen, der in der Mitte der Seinen präsent ist und von dem alles Licht ausgeht. In der Osternachtfeier erhalten darum die anderen Kerzen ihr Licht von der Osterkerze: die Kerzen der Gläubigen und der Neugetauften, die Leuchter bei der Verkündigung des Evangeliums, die Altarkerzen, die Apostelkerzen. Während des Jahres wird die Osterkerze bei der Tauffeier und bei der Begräbnisfeier angezündet.

Kerzen versinnbildlichen das Leben in der Nachfolge Jesu: Wie das Wachs der brennenden Kerze dahinschmilzt, so wird auch der Christgläubige ein Lichtbringer erst um den Einsatz seines Lebens. Damit diese Zeichendimension erhalten bleibt, dürfen liturgische Kerzen nicht durch Attrappen und nur in Ausnahmefällen durch elektrisches Licht ersetzt werden.

Licht für die Suchenden
Die dunkle Jahreszeit ist die Hochsaison der Kerzen. Die Lichter des Adventskranzes und des Weihnachtsbaumes künden vom Licht, das dem in Finsternis lebenden Volk erscheint (Jes 9,1). Früher dauerte die Weihnachtszeit bis zum Fest «Darstellung des Herrn» am 2. Februar, dem vierzigsten Tag nach dem Fest der Geburt Jesu. Heute endet sie bereits mit dem Sonntag nach «Erscheinung des Herrn» (Dreikönigstag). Anfang Februar hat das neue Jahr seine Frische verloren, der Alltag ist wieder eingekehrt. Das Fest «Darstellung des Herrn» lässt uns aber nochmals auf Weihnachten zurückblicken. Nachdem uns mit der Taufe des Herrn bereits der erwachsene Jesus vor Augen geführt wurde, kehren wir mit diesem Fest zur Kindheit Jesu zurück: Maria und Josef machen sich vierzig Tage nach der Geburt Jesu auf den Weg nach Jerusalem, um den Erstgeborenen im Tempel Gott zu weihen, wie es vom Gesetz des Mose vorgeschrieben ist. Im Tempel begegnet die junge Familie zwei alten Menschen: Simeon und Hanna (Lk 2,22-39). Wie für die Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenland ist das Jesuskind auch für die beiden eine «Erscheinung». Mit ihm erfüllt sich, worauf sie ihr Leben lang gewartet haben. Simeon und Hanna geht im wahrsten Sinn des Wortes ein Licht auf. «Meine Augen haben das Heil gesehen, das du (Gott) vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.» Diese Worte von Simeon werden jeden Abend im kirchlichen Nachtgebet, der Komplet, gesprochen. Am Fest Darstellung des Herrn erinnert eine Lichterprozession und die Segnung der Kerzen an das damalige Licht-Ereignis im Tempel von Jerusalem. Sie gaben dem Fest den Namen «Lichtmess». Zwei gesegnete Kerzen werden auch für den Blasiussegen am Gedenktag des Heiligen, am 3. Februar, verwendet.

Licht ist Leben
Das Datum des Festes «Darstellung des Herrn» wurde in unseren Breitengraden lange Zeit als ein Wendepunkt im Jahreslauf wahrgenommen: Die Handwerker konnten wieder ohne künstliches Licht arbeiten, die Bauern nahmen ihre Tätigkeiten auf den Feldern wieder auf, die Dienstleute wurden entlohnt und hatten ein paar Tage frei. Auch wir heute schätzen es, wenn Anfang Februar die Tage spürbar länger werden. Das Licht tut gut, weckt Lebensgeister. Die Lichtmesskerzen bringen Freude zum Ausdruck über den sich ankündigenden Frühling, mit ihnen feiern wir Gott, den Ursprung des Lichtes.

Josef-Anton Willa, Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz

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Kerzen begleiten die Liturgie des Kirchenjahrs. Auch der Blasiussegen wird mit zwei brennenden Kerzen gespendet.

Bild: Harald Oppitz / KNA-Bild
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