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Aktuelle Ausgabe Nr. 3

Editorial

Aus Berichten und Statistiken wissen wir es schon lange: Der medizinische Fortschritt lässt Menschen in den westlichen Zivilisationen immer älter werden. Dadurch brauchen sie auch mehr Betreuung und Pflege. Was das konkret bedeutet, welche Entscheidungen und Konsequenzen die Verantwortung für betagte Menschen von Angehörigen fordert, zeigen die folgenden Seiten. Ehepartner und vor allem Kinder, die im Beruf stehen und eine eigene Familie zu versorgen haben, stehen vor grossen Herausforderungen. Herausforderungen lassen sich besser meistern, wenn man sie kreativ angeht und nach individuellen Lösungen sucht. Die Alternative «selber pflegen» oder «die Pflege abgeben» greift zu kurz. Mit Hilfe von Spitex und anderen Diensten ist es heute schon möglich, alte Menschen möglichst lange im häuslichen Umfeld zu betreuen. Wenn alle Geschwister einen Beitrag zur Betreuung der Mutter leisten, verteilt sich die Last schon auf mehrere Schultern. Selbst der entfernt lebende Bruder kann sie einmal im Jahr für zwei Wochen zu sich holen. Vielleicht gibt es in der Nachbarschaft auch eine junge Mutter, die bereit wäre, ein paar Stunden auf den dementen Opa aufzupassen. Oder vielleicht kennt man einen aufgeweckten Schüler, der gegen ein kleines Taschengeld zwei Mal die Woche mit der Oma im Rollstuhl spazieren geht. Wenn viele mithelfen, wird eine solche Aufgabe für den Einzelnen machbar.

Auch die Entscheidung für das Heim kann neue Spielräume eröffnen: Plötzlich ist wieder Zeit, mit dem Vater einmal die Woche sein geliebtes Schach zu spielen oder sich mit der bettlägerigen Mutter zusammen einen Radiogottesdienst anzuhören. Sicherlich schmeckt ihr auch das Mittagessen besser, wenn sie jeden Dienstag von ihren Enkeln gefüttert wird. Schliesslich braucht man die Pflege nicht allein seinen Angehörigen zu überlassen: Wer noch rüstig ist, kann nämlich Pflegebedürftige betreuen, sich diese Leistung gutschreiben lassen, um sie dann im hohen Alter selbst in Anspruch zu nehmen. Modelle wie die «Bank für Zeitvorsorge» der Stadt St. Gallen sollen dies möglich machen.

Es gibt sicherlich noch viele Ideen. Wir brauchen Menschen, die darüber ins Gespräch kommen und mutig etwas ausprobieren.

Detlef Kissner

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