Singen im Gottesdienst
Zum Schluss: Ein Beitrag von Hans-Jörg PeterGehören die grossen lateinischen Messen nur in den Konzertsaal?
Nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde die lateinische Messe fast ausschliesslich durch Eucharistiefeiern in der Landessprache ersetzt. Heute werden die grossen lateinischen Messen berühmter Komponisten meist als Konzerte aufgeführt ohne Bezug zu Liturgie und Gebet. Ich empfinde dies als eine Verarmung. Ein gesungenes Gebet ist eindringlicher, intensiver als ein nur gesprochenes oder gedachtes.
Der Kirchenchor Beringen, verstärkt durch einen Ad-hoc-Chor aus dem Zürcher Weinland, führte in der letzten Juniwoche den «Cantus Missae» von Josef Gabriel Rheinberger dreimal auf: in der reformierten Kirche Trüllikon als Kirchenkonzert, in der katholischen Kirche Santa Maria Schaffhausen anlässlich der sonntäglichen Eucharistiefeier und in der reformierten Kirche Beringen im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes.
In der abendlichen Feier in Beringen legte Pfarrer Finger den Schwerpunkt auf das Credo-Gebet und brachte den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern einen Teil der Worte einer lateinischen Messe näher. Die von Margrit Tenger geleiteten Sängerinnen und Sänger haben zusammen mit Pfarrer Finger gezeigt, dass auch andere Formen der Aufführung von Messen dem Idealzustand nahe kommen und so können bis jetzt noch kaum genutzte Möglichkeiten des Zusammenführens von Musik, Liturgie und Gebet entdeckt werden. Ich hoffe, das Vorgehen des Beringer Kirchenchores finde Nachahmer.
Hans-Jörg Peter ehemaliges Mitglied der Synode und des Thurgauer Seelsorgerats



