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Aktuelle Ausgabe Nr. 17

Einsatz für die Verletzten im Krieg

Das Leben von Henry Dunant

Henry Dunant (eigentlich Jean-Henri, er nannte sich aber meist Henry) wurde am 8. Mai 1828 in Genf in eine fromme calvinistische Familie geboren. Er verliess die Schule wegen schlechter Noten vorzeitig und machte eine Lehre in einem Bankhaus. Als er aus geschäftlichen Gründen dem französischen Kaiser Napoleon III. nachreiste, traf er 1859 auf das Schlachtfeld von Solferino in der Nähe des Gardasees, wo im italienischen Einigungskrieg österreichische, piemontesische und französische Truppen gekämpft hatten. Tausende Tote, Verletzte, Sterbende lagen da, um die sich niemand kümmerte.

Dunant half zusammen mit den Frauen des Dorfes und schrieb danach das Buch «Erinnerung an Solferino», in dem er eine Hilfsorganisation anregte, die sich um die Verletzten der Kriege kümmert. Er reiste quer durch Europa und warb für seine Idee. 1863 wurde in Genf das Rote Kreuz gegründet, Dunant wurde Sekretär des Komitees. 1864 unterzeichneten zwölf Staaten die erste Genfer Konvention, die das Los der Verwundeten verbessern und die Helfer schützen sollte. Massgeblich beteiligt war er auch an der Gründung der Young Mens Christian Association in Paris, der Weltorganisation des CVJM. Er gehörte zudem zu den Gründern der Schweizerischen Evangelischen Allianz, deren Sekretär er zeitweise war.

Geschäftlich war Dunant weniger erfolgreich: Er machte wegen seiner Geschäfte in Nordafrika Konkurs und wurde deswegen in Genf zur Persona non grata. 1867 musste er seine Heimatstadt verlassen und von allen Ämtern zurücktreten. Nach verschiedenen Stationen kam er nach Heiden/AR, wo er die letzten 23 Jahre seines Lebens, mit einem kurzen Abstecher nach Trogen/AR, zurückgezogen und verarmt lebte. 1901 erhielt er zusammen mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy den erstmals verliehenen Friedensnobelpreis. Am 30. Oktober 1910 starb er in Heiden.

Kipa

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«Die Gründung des Roten Kreuzes war Teamarbeit»

Während man in Heiden/AR, wo Henry Dunant gestorben ist, nur des berühmten Friedensnobelpreisträgers gedenkt, steht in Genf auch sein Widersacher Gustave Moynier im Zentrum der Feierlichkeiten. Er starb nur zwei Monate vor Dunant. Roger Durand, Präsident der Vereinigung «Henry Dunant + Gustave Moynier», gibt Auskunft.

Kipa: Die Beziehung zwischen den Genfern und Henry Dunant war in der Vergangenheit nicht immer die beste. Welches Bild haben die Genfer heute von ihm?

Roger Durand: Fast die ganze Bevölkerung ist sehr stolz auf Henry Dunant! Er ist der Gründer des Roten Kreuzes und eine der ganz grossen Persönlichkeiten der Genfer Geschichte. Man kann behaupten, dass die Distanz, der Groll bis zum 100. Geburtstag Dunants 1928 andauerten. Dann ist sich das IKRK bewusst geworden, dass man ein täuschendes und negatives Bild von Dunant transportiert hatte, und man hat begonnen, dieses Bild zu korrigieren. Seit den Sechzigerjahren hat das Rote Kreuz Dunant richtiggehend als Ikone gebraucht. Wir haben die Gesellschaft Henry Dunant gegründet und daran gearbeitet zu zeigen, wer der Mensch Dunant war und was Genf ihm verdankt.

Ausserhalb von Genf ist die Geschichte des Roten Kreuzes fast ausschliesslich mit Henry Dunant verbunden. Jetzt entdeckt man, dass viele weitere Persönlichkeiten sehr aktiv an dieser Gründung mitgewirkt haben.

Das ist wahr. Gustave Moynier hat eine sehr wichtige Rolle gespielt, insbesondere in der Ausformung und Konsolidierung des internationalen humanitären Rechts. Und dieses Recht ist unumgänglich geworden für alle Staaten auf der ganzen Welt. Wir versuchen daher zu zeigen, dass Dunant die Rolle des Initiators spielte, des Werbers und dass er einen ausserordentlichen Vermittler hatte in der Person von Gustave Moynier.

Andere Persönlichkeiten haben sich genauso eingesetzt, wie der alte General Dufour, der sich gegenüber Frankreich und der schweizerischen Regierung verbürgt hatte. Sein Beitrag war sehr wertvoll. Ebenso wie jener der beiden Ärzte Louis Appia und Théo dore Maunoir, die die Unterstützung und das Prestige der Medizin eingebracht haben.

Die Gründung des Roten Kreuzes war also Teamarbeit. Und man darf auch nicht die vielen Persönlichkeiten im Ausland vergessen, auch gekrönte Häupter wie Napoleon III., der das Rote Kreuz sehr intensiv unterstützt hatte. Ebenso Königin Augusta von Preussen und die spanische Regierung. Man hatte also Gründer und eine gewisse Anzahl Vermittler in verschiedenen europäischen Staaten, die eine entscheidende Rolle gespielt haben, besonders im deutschen Sprachraum.

kipa/bb/Übersetzung aus dem Französischen von Petra Mühlhäuser

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Henry Dunant

Bild: drk.de









Gustave Moynier

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