Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Aktuelle Ausgabe Nr. 16

Konkret, wirksam und langfristig

Das Umweltprojekt Grüner Güggel

Die Umweltkommission der Thurgauer Synode initiiert ab September ein neues Umweltprojekt mit dem Titel «Grüner Güggel». Es soll Pfarreien helfen, ihr Bewusstsein und Verhalten in ökologischer Hinsicht zu verbessern.

Im Dezember 2010 rief die Thurgauer Synode die Kommission «Kirche und Umwelt» ins Leben. Diese hat die Aufgabe, das Anliegen der Bewahrung der Schöpfung innerhalb der Thurgauer Landeskirche umzusetzen. Das vierköpfige Gremium mit seiner Präsidentin Gaby Zimmermann stellte in der Synodensitzung vom Juni 2013 das Projekt Grüner Güggel vor und warb für dessen Umsetzung. Bei der Synode hatte man für dieses Anliegen ein offenes Ohr, sodass im September eine erste Projektphase startet.

Verpflichtende Verantwortung

Alle müssten sich für Schöpfung und deren Erhalt interessieren, findet Gaby Zimmermann. Denn der von Gott geschaffene Mensch ist selbst Teil der Schöpfung. Er kann sich nicht losgelöst von ihr betrachten. Zweitens lebt er von den Tieren und Pflanzen, die auch zum göttlichen Werk gehören. Das Thema Schöpfung geht also jeden etwas an. «Es beginnt schon beim Einkaufen und der Frage, wie der eigene Fleischkonsum aussieht», erklärt die Romanshorner Gemeindeleiterin. Der Konsum von Fleisch sei ein Teilbereich des Lebens, der auch mit Schöpfung zu tun hat. So sind alle Lebensbereiche auf irgendeine Weise mit diesem Thema verbunden. Deshalb trage jeder, ob er wolle oder nicht, eine Verantwortung gegenüber der Schöpfung.

Bereits vielfältig engagiert

Wer meint, die Kirche sei im Bereich Umweltschutz untätig, der irrt. Viele Umweltprojekte werden bereits unter kirchlicher Regie durchgeführt. «Organisationen wie oeku oder akut setzen sich im grossen Stil für die Bewahrung unseres Lebensraumes ein», erklärt Gaby Zimmermann. Sie weist auf diverse Infobroschüren hin, die den Pfarreien Tipps im Umgang mit der Schöpfung geben. Diese würden sich aber mehrheitlich auf Teilbereiche (bspw. Abfalltrennung) konzentrieren. Das Projekt Grüner Güggel, das ab September im Kanton Thurgau startet, nimmt das Ganze in den Blick und analysiert systematisch den ökologischen Stand einer Pfarrei. Die gebürtige Kölnerin kam an einem Bodenseekirchentag erstmals persönlich in Kontakt mit dem Grünen Gockel, wie das Konzept in Deutschland genannt wird. «Nach der Tagung war ich motiviert, ein solches Projekt auch in der Schweiz zu starten.»

In den Startlöchern

Im Gegensatz zu Deutschland ist der Grüne Güggel in der Schweiz kaum bekannt. Einzig in Meilen/ZH wird ein solches Projekt auf reformierter Seite bereits durchgeführt. Nach Vorstellung des Projekts an der Thurgauer Synode wurden alle Kirchgemeinden in einem Schreiben von der Umweltkommission über das geplante Vorhaben informiert. Nun werden Pfarreien gesucht, die bereit sind, ab September mit einer Dauer von zwei Jahren am Grünen Güggel teilzunehmen. «Unser Ziel wäre der Start des Projekts mit fünf Kirchgemeinden», sagt Frau Zimmermann. Dabei müssten die interessierten Gemeinden Freiwillige finden, die als Umweltteam die ökologische Situation der eigenen Pfarrei «systematisch durchleuchten». Dies soll anhand eines Umweltmanagementsystems gemacht werden, das aus fünf Schritten besteht. Bei Mängeln wird nach konkreten Verbesserungsmassnahmen gesucht. Unterstützt wird das Team dabei von einem Umweltexperten, der ihm beratend zur Seite steht und alle Kenntnisse für eine prozesshafte Situationsanalyse mitbringt. Wenn eine Pfarrei in den zwei Jahren in ökologischer Hinsicht Fortschritte verzeichnet, erhält diese als Auszeichnung den Grünen Güggel.

Konkret wirksam

«Was das Projekt auszeichnet, ist seine Konkretheit», führt Gaby Zimmermann aus. Die professionelle Begleitung durch einen Umweltberater erleichtert das Erarbeiten effizienter Lösungsvorschläge. Doch was kann eine Gemeinde praktisch unternehmen, ohne dass zu grosse finanzielle und logistische Aufwände entstehen? «Bereits Kleinigkeiten, wie das bewusste Einkaufen von Blumenschmuck aus der Region und fair gehandelten Waren für einen Apéro, haben grosse Auswirkungen», erklärt Frau Zimmermann weiter. Eine Möglichkeit zur effizienten Energienutzung wäre z. B. die Abstimmung der Gottesdienstzeiten in mehrfach genutzten Kirchgebäuden, sodass nur einmal statt mehrmals geheizt werden muss. Bei den Massnahmen, versichert Zimmermann, werde stets auf deren Machbarkeit geachtet. Die individuelle, situationsbezogene Beratung durch den Umweltcoach gewährleiste dies.

Symbol für Aufmerksamkeit

Das Symbol des Hahns ist nicht zufällig gewählt. «Das Krähen des Hahns in den Morgenstunden diente früher als Weckruf.» Heute kann dieser Ruf uns an die ökologische Verantwortung erinnern und uns aufwecken, endlich die Initiative für die Schöpfung zu ergreifen. Ausserdem findet sich auf manchen Kirchtürmen ein Hahn. Aus luftiger Höhe hat er eine gute Aussicht in alle Richtungen und sieht alles, was mit der Natur geschieht. Bei Ausbeutung kräht er zur Ermahnung und Erinnerung an die gegebene Verantwortung laut. Somit wird auch das biblische Motiv aufgegriffen: Ein Hahn krähte warnend, als Petrus Jesus verriet. Sein Ruf soll so auch uns stets ermahnen, wenn wir die Schöpfung missachten.

Langfristigkeit als Erfolgsrezept

Nach den zwei begleiteten Jahren mit erfolgreichem Coaching durch den Umweltexperten sollte das Umweltteam der Pfarrei selbstständig in der Lage sein, bei Bedarf Verbesserungen vorzunehmen. Die Auszeichnung mit dem Grünen Güggel garantiere so ein langfristiges Engagement für die Umwelt, bekräftigt Gaby Zimmermann. Ausserdem macht eine solche Zertifizierung deutlich, dass die beteiligten Pfarreien die Schöpfungsspiritualität ernst nehmen und sich für Umweltanliegen einsetzen. Durch diesen Einsatz erhöht sich die Glaubwürdigkeit der Gemeinden. Ökologisch motivierte Menschen werden so besser erreicht und können sich neu für die Kirche begeistern. Schliesslich lohnt sich die Beteiligung am Projekt auch finanziell: Durch den effizienten Einsatz von Ressourcen können Betriebskosten eingespart werden. Alles gute Gründe, sich vom Grünen Güggel begeistern zu lassen.

Annabel Menet

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Gaby Zimmermann setzt sich mit Herzblut für das Gelingen des Grünen Güggels ein.

Bild: Annabel Menet
Der Grüne Gockel aus Deutschland soll als
Grüner Güggel auch im Thurgau Heimat finden.

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