Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 4

Spaniens Kirche und Lateinamerikas Religion

Interview mit dem Seelsorger der Spanischsprachigen Mission

Seit zwei Jahren leitet Don Fabio Amortegui die spanischsprachige Mission in Schaffhausen und Thurgau. In Kolumbien geboren, ist er seit 1972 als Priester tätig. Im Interview mit Mike Qerkini spricht er über den religiösen Hintergrund der Menschen, die er betreut.

Don Fabio, am Samstagabend halten Sie Gottesdienste in Schaffhausen, am Sonntag in Frauenfeld, Kreuzlingen und Amriswil: Welche Personen kommen zu diesen Feiern?

Was unsere MCE in Thurgau und Schaffhausen anbelangt, so haben
sich seit den 1950er-Jahren spanische Gastarbeiter vor allem in den
Gewerbezentren niedergelassen. Aber auch die Landwirtschaft zog
Gastarbeiter an: Viele Schweizer Familien wanderten in beiden Weltkriegen auch nach Lateinamerika aus, und die zurückgebliebenen Familien waren nicht mehr in der Lage, die
Anforderungen der Industrialisierung nach dem Krieg alleine zu erfüllen. In der ersten Stunde blühen alle Missionen. Allein in der Gegend, die ich heute betreue, waren damals fünf spanische Missionare tätig. Heute beeinträchtigen die Herausforderungen und Engpässe der Gesellschaft auch den christlichen Glauben. Viele
Familien sind mittlerweile nach Spanien zurückgekehrt. Am häufigsten kommen also die Älteren in die Messe und natürlich viele «Latinos».

Inwiefern unterscheiden sich diese von den spanischen Migranten?

Viele haben in ihrer Heimat nicht nur das Abitur oder die Matura abgelegt, sondern auch ein Studium. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie aber kaum Chancen. Indem sie einen Schweizer Partner heiraten, integrieren sie sich direkt und sehr schnell. Wegen ihrer gemeinsamen Kultur und Identität wollen sie untereinander trotzdem Kontakt pflegen, denn sie sind mit Herz und Seele beides – «Schweizer » und «Latinos». Zudem schätzen auch oft ihre Ehepartner die lateinamerikanische Kultur.

Spanier und Lateinamerikaner sprechen zwar die gleiche Sprache, haben aber eine ganz unterschiedliche religiöse Kultur. Wie würden Sie diese beschreiben?

Die Spanier, die schon lange in der Schweiz wohnen, haben die gewaltigen Veränderungen ihres Landes in den letzten Jahrzehnten – den Übergang vom Franco-Regime zur Demokratie, den EU-Beitritt, den Massentourismus, aber auch die Trennung von Kirche und Staat – nicht direkt miterlebt. Nur in den Ferien spürten sie etwas davon. Die «Latinos» hingegen kommen direkt aus einem Schmelzofen, wo die kubanische Revolution, die 68-Studentenrevolte, das Konzil und die Versammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellin tiefe Wurzeln in ihnen schlagen konnten.

Welche Rolle spielt die Frömmigkeit?

Joan Manuel Serrat beschreibt Spanien in einem Lied als Land der Musik, der Ironie und der Sakristeien («La España de guitarra y sacristía, de espíritu burlón»). Die spanische Religiosität mit Prozessionen, ‚Autos sacramentales’, Heiligen- und Marienfesten
erscheint anderen Europäern vielleicht etwas theatralisch. Viele Spanier aus der Schweiz, die hier kaum in die Messe gehen, tragen
in ihrer Heimat gerne die Trage der «Virgen de la Macarena» oder
«del Pilar» und sind sogar bereit, bis zu 8000 Euro dafür zu bezahlen. In Lateinamerika nehmen die Leute normalerweise für die Messe immer ihre Bibel mit; die Indios sogar die Texte des Konzil und der Bischofsversammlungen. Diese Texte enthalten dort mehr Licht und Feuer für die prekäre Lage als anderswo.

Es war das katholische Spanien, das Lateinamerika über Jahrhunderte eroberte, missionierte und kolonialisierte. Ist diese Geschichte
in den Beziehungen der spanischsprachigen Katholiken spürbar?

Nach den Unabhängigkeitskriegen in den damaligen Kolonien ist die enge Freundschaft mit der Metropole Spanien abgekühlt. Worte wie Monarchie und König bekamen einen negativen Beigeschmack. Viele Flüchtlinge aus dem spanischen Bürgerkrieg kamen nach Lateinamerika. Erst nach dem Tod Francos 1975 war eine Annäherung spürbar. Die katholische Kirche Spaniens hat die Beziehung zu Lateinamerika aber nie vernachlässigt: Nach wie vor blieb sie für den katholischen Glauben in Lateinamerika Mutterkirche und zugleich Brückenkopf zu Europa.

In der Kirche selbst kann von einer Gleichberechtigung keine Rede sein. Lateinamerika stellt heute über die Hälfte aller Katholiken weltweit. Trotzdem wurde erst 2002 mit Juan Diego aus Mexiko der erste Indio Lateinamerikas heilig gesprochen.

Schon vor Juan Diego wurden Indios wegen ihres Glaubens geehrt: Martin de Porres in Lima oder Maria Ramos in Kolumbien. Die Beziehung der Eroberer zu den Indios war aber geprägt durch Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung: Lange wurden Indios nicht als Priesterkandidaten angenommen, ihre Naturreligionen wurden verboten und unterdrückt. So ist die Heiligsprechung von Juan Diego eine ziemlich späte Genugtuung. Die Lage der Indianer aber bleibt unverändert oder verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. Daran ändern auch Seligsprechungen nur wenig.

Mike Qerkini

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Mike Qerkini (22) stammt aus dem Dorf «Stublla e Ëperme» im Südosten des Kosovos und lebt mit seiner Familie in Bettwiesen/TG.
Er arbeitet als Sachbearbeiter Treuhand bei der Firma Steffen &
Rausch AG in Weinfelden.

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Muchas familias suizas migraron a causa de las dos Guerras Mundiales. Desde 1950 trabajadores temporales españoles comenzaron a laborar en los centros industriales y en la agricultura en Suiza. Hoy en día las comunidades de hispanohablantes se concentran en Schaffhausen, Frauenfeld, Kreuzlingen y Amriswil en
celebraciones de la fe. Actualmente las misas en español son frecuentadas por latinos y gente de edad avanzada.
Trabajadores temporales de España y migrantes de Latinoamérica hablan la misma lengua, pero sus creencias religiosas difieren una de otra. Españoles que desde hace algún tiempo habitan en Suiza, no vivieron directamente el violento cambio que se dio tanto en la sociedad española como en la Iglesia en las últimas décadas.

Los latinos venían directamente de entornos violentos donde la Revolución Cubana, el 2do Concilio Vaticano, la Reunión de Obispos latinoamericanos en Medellín y no de menos la influencia europea que cada vez hundía más y más sus raíces en estos países.
La Iglesia Católica de España nunca ha descuidado su relación con Latinoamérica: el puente entre Europa y la Iglesia y la fe en Latinoamérica sigue en pie ahora como antes. Pero aún en la misma iglesia la igualdad de derechos no es un tema a tratar.

Latinoamérica concentra más de la mita de la población católica del mundo. A pesar de ello es sólo hasta el año 2002 con Juan Diego de México que se habla de la beatificación de un indígena  latinoamericano. Su canonización se entiende como una recompensa por las injusticias que los indígenas sufrieron en el nombre de la Fe.

Traducción: Fabiola López Bocanegra

Fabiola López-Bocanegra (27) ist in Mexiko-Stadt geboren und lebt mit ihrem Mann in St. Gallen.

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Albanisch: «Ohne Liebe werden Kinder aggressiv»

Kroatisch: Christus segne dieses Haus!

Italienisch: Die schönste Nonne muss weiter anonym bleiben

Albanisch: Lausche nach innen!

Kroatisch: Ganze Familien tanzen Folklore

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Portugiesisch: Jedes Haus wurde vom Pfarrer gesegnet

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Spanisch: «¡Un nuevo mundo se abrió para mí!»

Tamilisch: Schwarz bin ich, doch schön...

Italienisch: Eine Patenschaft für Kinder in Äthiopien

Albanisch/Spanisch: Eine bewusste Antwort

Kroatisch: Vier Tage zwischen Assisi, Collavakenza und La Verna

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Französisch: «Mauritius, Antonius und Monika waren Afrikaner»

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Italienisch: «Seelsorge als echte Sorge um die Seele»

Kroatisch: «Eine Offenbarung des gleichen Glaubens»

Albanisch: Katedralja e Nënë Terezë dhe lindja e një shteti të ri

Türkisch: Ein Helfer in vielen schwierigen Situationen

Portugiesisch: Baumstamm auf dem Kirchplatz und ein voller Esstisch

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Kirche ohne Grenzen 2012

Kirche ohne Grenzen 2011

Kirche ohne Grenzen 2010

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Spanisch-sprachige Gottesdienste finden in Schaffhausen, Kreuzlingen, Frauenfeld und Amriswil statt (vgl. S. 31)
Bild: Mike Qerkini
Don Fabio Amortegui dirige
la misión hispanohablante
en Schaffhausen y en Thurgau.
foto: akg
Fabiola López-Bocanegra (27) ist in Mexiko-Stadt geboren und lebt mit ihrem Mann in St. Gallen.
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