Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 23

Intensivere Begleitung von Freiwilligen

Kirche ruft neuen Berufszweig ins Leben

Das Orchester der Mitarbeitenden in der Seelsorge ist um ein Instrument reicher. Die Deutschschweizerische Ordinarienkonferenz (DOK) hat auf Antrag des Bildungsrates die neue berufliche Funktion «Kirchliche Freiwilligenanimation» eingeführt. Katechtinnen und Jugendarbeiter können diese Aufgabe künftig mit einer Zusatzqualifikation wahrnehmen.

Die neuen Animatoren sollen in Pfarreien oder Pastoralräumen Freiwillige suchen, begleiten, ihnen Anerkennung zukommen lassen und sie verabschieden. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, die Arbeit von einzelnen Freiwilligengruppen miteinander zu koordinieren und sie mit der Arbeit des Seelsorgeteams oder bestimmter Fachpersonen zu vernetzen. Dies alles soll dazu führen, dass sich viele Freiwillige kompetent und gern mit ihren Fähigkeiten in das Gemeindeleben einbringen.

«Wie eine solche Funktion konkret ausgestaltet wird, hängt letztlich von den Bedürfnissen der Pfarrei und den Möglichkeiten der Animatorin zusammen. Da ist eine grosse Bandbreit möglich», sagt Jörg Schwaratzki, Geschäftsführer des Bildungsrates der katholischen Kirche in der Deutschschweiz. So könne er sich zum Beispiel vorstellen, dass ein Freiwilligenanimator, der selbst als Kommunionhelfer tätig ist, auch eine Gruppe von Kommunionhelfern begleitet.

Bedarf erhoben

Der Entscheidung der DOK ging eine Bedarfsanalyse voraus, in die eine Befragung von Leitungspersonen von Pfarreien und Pastoralräumen in der Deutschschweiz einfloss. «Vor allem in grösseren Organisationseinheiten mit 7‘000 bis 10‘000 Katholiken sprach man sich für eine professionelle Begleitung von Freiwilligen aus», sagt Jörg Schwaratzki. Entscheidend ist auch die Bedeutung, die die Befragten der Freiwilligenarbeit generell beimessen: «Je höher der Stellenwert für die Seelsorge eingeschätzt wird, desto eher ist man bereit, dafür begleitendes Personal einzusetzen, das kein Theologiestudium mitbringt.» Bemerkenswert ist auch, dass das Interesse an solchem Personal im Bistum Basel überdurchschnittlich hoch war: 58 Prozent befürworteten diese neue Form der Unterstützung.

Auf der Suche nach Personen, die eine solche Aufgabe im Freiwilligenbereich übernehmen können, kamen die Mitarbeitenden in der Katechese und in der Jugendarbeit in den Blick. «Die DOK wollte personelles Potential nutzen, das schon da ist und mit einer schlanken Zusatzausbildung den erhobenen Bedarf abdecken kann», so Schwaratzki. Für die beiden Berufsgruppen bietet diese «Berufsfelderweiterung» darüber hinaus eine gute Möglichkeit, das Anstellungspensum zu erhöhen oder sich beruflich weiterzuentwickeln. Von daher ist der Theologe zuversichtlich, dass die neue Zusatzqualifikation gut angenommen wird.

Ausbildungselemente

Wer in das neue Berufsfeld einsteigen möchte, absolviert zunächst den Lehrgang «Freiwilligen-Koordination» des Vereins benevol und drei bis fünf Module des kirchlichen Weiterbildungssystems ForModula. «Der benevol-Kurs berücksichtigt mehr den administrativen Aspekt, während bei den Modulen 41 und 42 eher das Animatorische im Mittelpunkt steht», führt Jörg Schwaratzki aus. Im Modul 41 werden Grundlagen der Freiwilligenanimation anhand eines Projektes vermittelt, im Modul 42 reflektieren die Teilnehmenden ihre Rolle, Kompetenzen und Grenzen in ihren konkreten Handlungsfeldern. Das Modul 1 bietet die Möglichkeit, sein Wissen über die Kirche und ihre Organisation zu vertiefen. Je nach Vorbildung kommen noch die Module «Methoden der Projektarbeit» und «Umgang mit Konflikten» hinzu. Die neuen ForModula-Module 1, 41 und 42 werden in einer Pilotphase vom Theologisch-pastoralen Bildungsinstitut (TBI) ausgearbeitet und durchgeführt. Dabei ist das TBI um Kooperationen bemüht, um regionalen Anforderungen zu entsprechen.

Klares Profil

Und was unterscheidet die neuen Animatorinnen von den Seelsorgemitarbeitern (SEMA), deren Ausbildung im Thurgau vom Bistum Basel nicht mehr unterstützt wird? «Zum einen führt unsere Ausbildung nicht zu einem eigenständigen Beruf wie bei den SEMA. Zum anderen hat sie ein eng umrissenes Profil, das nicht vermischt ist mit anderen Aufträgen wie – z. B. dem Beerdigungsdienst», sagt Jörg Schwaratzki.

Er sieht den neuen Aufgabenbereich auch klar der operativen Ebene zugeordnet. Die strategische Kompetenz – in welchen Bereichen und in welchem Umfang Freiwilligenarbeit geleistet werden soll – liegt weiterhin in den Händen der pastoralen Leitung. Da die Animatoren vor allem mit Freiwilligen zu tun haben werden, die sich in seelsorglichen Bereichen einbringen, wird seiner Ansicht nach eine enge Kooperation mit dem Seelsorgeteam nötig sein.

Detlef Kissner

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Es ist gut, wenn viele Menschen – vor allem Freiwillige – Kirche mitgestalten. Das Zusammenspiel von Freiwilligen braucht aber auch Begleitung.

Bild: pixabay.com
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