Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 23

Der Weg zum Menschen

Nicht nur an Weihnachten animiert Musiker Andrew Bond zum Mitsingen

In der Schweiz ist der erfolgreiche Liedermacher und Märchenmusical-Produzent Andrew Bond (53) vor allem Kindern ein Begriff. Der gebürtige Engländer, der in Wädenswil lebt, erklärt, warum die Adventszeit und das Singen für ihn persönlich eine so grosse Bedeutung haben.

Haben Sie in der Weihnachtszeit besonders viel zu tun?

Vor acht Jahren war das noch so. Da gab ich in dieser Zeit sehr viele Konzerte, doch das war mir irgendwann zu stressig. Heute erreichen mich zwar immer noch sehr viele Anfragen rund um den Advent, doch ich fühle mich davon nicht mehr unter Druck gesetzt. Stattdessen reserviere ich mir jetzt immer ein freies Adventswochenende für die Familie. Zudem organisiere ich für unsere ganze Bond-Sippschaft, also 14 Personen, das Weihnachtskochen und nehme mir dafür Zeit.

Aus welchem Grund fingen Sie an, Kinderlieder zu komponieren?

Ich habe selbst als Kind immer gesungen – im Schülerchor, bei Theateraufführungen oder im Rahmen der Jugendarbeit der Kirchgemeinde. Irgendwann fing ich damit an, etwas Bekanntes umzutexten oder etwas ganz Neues zu kreieren, weil es für ein Cowboylager beispielsweise keine Cowboylieder gab. Später als Vater und Hausmann machte ich wieder diese Erfahrung. Ich wollte mit meinen mittlerweile erwachsenen Kindern singen, doch zu sehr vielen Themen fehlten mir die passenden Lieder. Also schrieb ich selbst übers Guetzli-Backen und anderes und nahm eine Kassette mit diesen Liedern für unsere Kinder auf. Das war der Start für immer neue Mundart-Alltags- und Festtagslieder für Familien und Kinder.

Holt man Kinder mit Mundart besser ab?

Auf jeden Fall. Mundart ist unsere Herzenssprache. Ich wollte das wunderschöne Lied «Der Mond ist aufgegangen» meinen Kindern, als sie klein waren, zum Einschlafen vorsingen. Doch der hochdeutsche Text klang für sie fremd. Deshalb schrieb ich eine eigene Version auf Mundart. Nicht als Ersatz, sondern damit sie einen Zugang zur Melodie und zu diesem Lied finden.

Das Problem besteht sicher bei vielen alten Volks- und Weihnachtsliedern, die von der Melodie her wunderschön sind, aber textlich zu altbacken.

Genau. Manche Lieder sind fast 200 Jahre alt. Ich habe für das Lied «Oh du Fröhliche» den Text ein wenig verändert. Beispielsweise wird das Wort «selig» bei uns im Alltag nur noch verwendet, wenn jemand gestorben ist. «Heere» klingt dafür sehr militärisch und die «gnadenbringende Weihnachtszeit» tönt auch nicht sehr positiv. Es gibt viele solcher Wörter, die heute nicht mehr verstanden werden. Tradition heisst für mich, etwas zu übernehmen, damit zu leben und dann weiterzugeben. Alles andere ist Konservation, also alles genau so zu behalten und das Neue nicht miteinzuschliessen. Wenn wir dies jedoch nicht tun, werden die Lieder irgendwann ganz vergessen.

Nimmt die Tradition des Liedersingens an Weihnachten immer mehr ab?

Nein, ich denke, sie hat sich nur verändert. Früher hatte man keine Tonträger, heute singen viele Familien zu einer CD. Zu meinen fünf grossen jährlichen Mitsing-Wienacht-Konzerten in Horgen kommen insgesamt bis zu 4500 Besucher. Wir machen dafür keine Werbung, die Anlässe stehen ausschliesslich auf der Webseite. Dennoch gehören sie für viele Menschen seit bald zwanzig Jahren zu Weihnachten dazu. Es wird also noch gesungen, doch viele sind verunsichert, wenn nicht alles perfekt klingt und lassen es dann lieber bleiben. Das ist schade, beim Sport probiert man ja auch einfach drauflos. Warum also nicht genauso musikalischen Breitensport betreiben?

Welchen Stellenwert hat das gemeinsame Singen an Weihnachten in Ihrer eigenen Familie?

Einen sehr grossen. Schon als Kind war ich ein richtiger Weihnachtsfan und mein persönliches Highlight waren in England jedes Jahr die «Christmas Carol Singers» auf dem Markplatz. Noch heute feiern wir traditionell englisch mit Truthahn und singen mindestens eine Stunde lang. Das ist unser Brauch, seit ich denken kann. Die Kinder wurden bei uns nie gezwungen mitzusingen, sie konnten sich in dieser Zeit selber beschäftigen. Als sie grösser wurden, kamen sie aber nach und nach zu uns und sangen mit. Vor einigen Jahren ist so ein Familien-Liederbuch entstanden, mit allen Weihnachtssongs, die wir singen und illustriert mit unseren Familienfotos der letzten fünfzig Jahre. 


Sie haben Theologie studiert und waren lange Religionslehrer. Hat sich Ihr Glauben im Laufe Ihres Lebens gewandelt?

Ja. Wir sind sehr christlich erzogen worden und so hatte ich schon früh das Gefühl, alle Antworten auf alle Fragen der Welt bereits zu kennen. Dann habe ich Luise Rinsers Buch über Franz von Assisi, «Bruder Feuer», gelesen und war fasziniert von dessen starken, naturnahem Glauben. Für mich war das wie eine Befreiung aus einer gewissen Enge. Später hat mich dann ein Interview mit Bono, dem Sänger der irischen Rockgruppe U2, geprägt. Er meinte darin, dass sein Glaube einer sei mit einem Komma, nicht unumstösslich, sondern immer veränderbar. Ich glaube an einen Gott, der den Weg zum Menschen sucht. Ich muss nicht alle Antworten kennen, sondern die Wahrheit aushalten, dass ich viele Antworten nie kennen werde.

Wie gehen Kinder und Jugendliche mit dem Thema Religion um?

Sie haben keine Berührungsängste in Sachen Glaubensfragen, suchen und finden ihren eigenen Weg. Deshalb sollten wir Erwachsenen ihnen auch keine Worte in den Mund legen, die nach Bekenntnis klingen. Und wir sollten ihnen auch nichts erzählen, wovon wir nicht selbst überzeugt sind.

Sarah Stutte

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Nächstes Konzert in der Nähe:

1. Dezember, 15.30 Uhr, evang. Kirche Romanshorn, Konzert mit Kinderchor

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Die Mitsing-Wienacht mit Andrew Bond ist für viele Kinder ein Highlight in der Adventszeit.

Bild: zVg
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