Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 23

Editorial

Der Begriff «Advent» kommt vom lateinischen «Adventus», was so viel wie «Ankunft» bedeutet. Eigentlich müssten uns die kommenden drei Wochen viel Freude bereiten, denn die meisten von uns sind Champions im Ankommen. Sie fahren und fliegen ständig irgendwohin, um an anderen Orten wieder anzukommen. Sie wissen genau, wie sie bei anderen Eindruck schinden können, wie sie bei ihnen gut ankommen. Das lernt man heute in Seminaren, Fernsehshows oder Youtube-Filmen. Und schliesslich sind sie es gewohnt, ihre grossen und kleinen Pläne umzusetzen – also immer dort anzukommen, wo sie hinwollen: Unser Arbeitsleben ist durchgetaktet und optimiert, unsere Terminkalender regeln minutiös die Abfolge von täglichen Pflichten, Treffen, Sport, Erholung… Wir sind wahre «Ankommer».

Leider meint Advent nicht dieses Ankommen. Nicht wir sollen ankommen, sondern ein anderer – Gott selbst – möchte bei uns ankommen. Das stellt uns vor ganz andere Herausforderungen: Glauben wir daran, dass da jemand «hinter» dieser Welt steht? Vertrauen wir darauf, dass er es gut mit uns meint? Und können wir uns einen Schöpfer vorstellen, der – wie Andrew Bond es sagt – «den Weg zum Menschen sucht», einer, der an jedem von uns Interesse hat, der zu dir und mir in Beziehung treten möchte? Letzteres fällt wohl am schwersten, weil es nicht zu unseren normalen Erfahrungen gehört. Vertraut man Zeugnissen der Bibel und grosser Mystikern, scheint eines klar zu sein: Wen Gott erreichen soll, der darf nicht ständig selbst ankommen wollen. Er muss sein Bewegtsein drosseln, innehalten und still werden. Adventliche Menschen sind aufmerksam, achten auf das, was sie umgibt: Pflanzen, Tiere, Menschen. Sie hören Ungesagtes, lesen zwischen den Zeilen, können warten, haben Geduld. Sie scheuen sich nicht, scheinbar Nutzloses oder Überflüssiges zu tun. Sie sind unabhängig von anderen Meinungen. Und sie verstehen durchkreuzte Pläne nicht als Missgeschick, sondern als Hinweis auf einen neuen Weg. Es sind Menschen, die bei sich daheim sind. Sie spüren es am besten, wenn Gott sie sucht.

In diesem Sinn: gute Erfahrungen im Advent!

Detlef Kissner

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