Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Aktuelle Ausgabe Nr. 21

Editorial

Als ich die neue Ausgabe der interreligiösen Zeitschrift zVisite das erste Mal in Händen hielt, war ich sehr überrascht zu sehen, wie wenig Frauen über die Religionsgrenzen hinweg in die Leitung von Gottesdiensten und kultischen Handlungen einbezogen sind. Das war mir in dieser Deutlichkeit bisher nicht bewusst. Auch wenn in manchen Religionen eine grundsätzliche Offenheit in Bezug auf diese Frage besteht, gestaltet sich die Realität dennoch ganz anders: Frauen stehen eher am Rande – nicht nur bei kultischen Vollzügen, sondern generell, wenn es um Leitung geht. Dies hängt mit patriarchalen Strukturen zusammen, die sich selbst in unserer aufgeklärten Welt erstaunlich zäh halten. Auf der anderen Seite ist vielen in unserer Gesellschaft klar, dass dieses Ungleichgewicht nicht hinnehmbar ist, weil es schlichtweg ungerecht ist.

Die, die gegen diese Situation vorgehen, haben es nicht leicht – schon gar nicht in der katholischen Kirche. Wer sich zu leise bemerkbar macht, wird nicht gehört. Wer sich zu verbissen und zu ungeduldig für einen Wandel einsetzt, wird nicht ernst genommen. Es ist eine Gratwanderung zwischen beherztem Engagement und zuversichtlicher Gelassenheit in Sachen Frauenrechte.

Es schadet allerdings auf keinen Fall, wenn viele Menschen bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten auf diese Schieflage hinweisen und sich für die Rechte von Frauen stark machen, wie z. B. Weihbischof Alain de Raemy, der bei der Jugendsynode in Rom darauf hinwies, dass die Ordensvertreterinnen im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen kein Stimmrecht hätten. Oder wie die Generaloberinnen von 34 deutschsprachigen Frauenorden, die bei ihrem Treffen Ende Oktober einmal mehr Mitbestimmung für Frauen forderten. Wir dürfen nicht schweigen. Je mehr Gläubige ihre Stimme für die Gleichstellung der Frauen in der Kirche erheben, desto weniger können die Kirchenoberen diese Angelegenheit aussitzen und als blosses Randthema abtun. Wenn sie glaubwürdig bleiben wollen, müssen sie irgendwann auch einen Schritt nach vorne tun.

Detlef Kissner

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