Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Aktuelle Ausgabe Nr. 18

Blick nach aussen

Der 56-jährige Armin Ruf ist seit Anfang September im Amt

Neben Mathew Varughese als leitender Priester des Pastoralraums Thurgau Mitte wird am 23. September auch Armin Ruf als neuer Gemeindeleiter ad interim begrüsst. Dies mit einem Gottesdienst in der Pfarrei St. Johannes in Weinfelden.

Was haben Sie für einen beruflichen Hintergrund?

Ich habe in Deutschland Religionspädagogik und Theologie studiert und dann als Pastoralassistent, aber auch als Religionslehrer in Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften gearbeitet. Zudem habe ich in Sozialethik promoviert, woraus sich mein Engagement bei der Caritas Kempten im Oberallgäu ergeben hat. Dort habe ich die letzten sieben Jahre als theologischer Referent für die Geschäftsführung gearbeitet.

Was waren dabei Ihre Aufgaben?

Ich habe in der Geschäftsstelle in Kempten als Supervisor und Moderator gearbeitet. Zudem war ich für die offenen Dienste zuständig, um die Caritas pastoral nach innen wie nach aussen zu vertreten. Dazu gehörte die Bahnhofsmission ebenso wie die Freiwilligenagentur oder das Demenzzentrum. Letzteres habe ich, zusammen mit anderen Trägern, als christlich-spirituelles Zentrum mitgegründet.

Was war Ihr Schwerpunkt in der Pfarreiarbeit?

Am Anfang war es die Jugendarbeit. Das hat sich weiterentwickelt, als die Kindertagesstätten durch die kirchliche Trägerschaft ein Anliegen wurden. Weitere Schwerpunkte waren der diakonische Ansatz einer Gemeinde, die Sakramentenvorbereitung und dann ganz stark die Förderung von liturgischen Formen. Mit der Zeit kam auch die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit hinzu.

Was hat Sie an der Arbeit in Weinfelden gereizt?

Mir gefällt das Konzept des Pastoralraums sehr gut, dass Pfarreien zusammenarbeiten und Synergien herstellen, jede Gemeinde aber zusammen mit dem Präsidium ihre definierte Leitung hat und dadurch ihre Eigenverantwortung bewahrt. Gemeinsam mit einem Priester, der für den gesamten Pastoralraum priesterliche Aufgaben übernimmt und gemeinsam mit Verbänden, Vereinen sowie Haupt- und Ehrenamtlichen versucht man, Kirche lebendig zu machen. Es ist mir ein Anliegen, zusammen mit dem Team die Schwerpunkte immer wieder neu auszuhandeln und mit denjenigen im Pastoralraum in Einklang zu bringen.

War Ihnen das Pastoralraum-Konzept bekannt?

Das war für mich neu. Durch meinen Kontakt zum Bistum Basel bin ich auf diese Stelle aufmerksam geworden und in diesem Zusammenhang kam der Pastoralraum zur Sprache. Gemeinsam mit Mathew Varughese wollen wir dieses Konzept nun umsetzen. Ich finde es zukunftsträchtig, dass die Kirche über ihren Tellerrand hinausschaut, auch auf der ökumenischen Seite. Kirche ist mehr, als sich sonntags zum Gottesdienst zu treffen, sie ist immer auch der Blick nach aussen.

Die Weinfelder Kirchgemeinde ist nach den Vorkommnissen um den ehemaligen Pfarrer gespalten. Wie wollen Sie das Vertrauen wieder herstellen?

Ich bin unvoreingenommen. Ich komme von aussen und weiss nicht alles, was ich auch nicht muss. Ich bin der Meinung, dass eine Gemeinde zusammengehört und Spaltungen nicht gut sind. Man muss offen und ehrlich zueinander sein und dann nach vorne blicken. Sollte noch etwas aufzuarbeiten sein, bin ich gerne bereit, Versöhnungsarbeit zu leisten. Es soll sich schliesslich jeder in dieser Gemeinde beheimatet fühlen.

Sind Sie eher jemand, der gerne Neuerungen anstösst?

Ich will mit den Menschen die Kirche nach vorne bringen. Ich weiss, es gibt immer Grenzen und jeder hat sein kirchliches Bild, was sehr bunt ist. Die Pfarrei ist nah an unterschiedlichen Menschen und macht sich gemeinsam mit ihnen auf den Weg. Bei der Caritas und in der Gemeindeentwicklung war ich stark in der Beratungsfunktion. Ich hatte keinerlei Möglichkeit, vor Ort mitzuwirken, was mir gefehlt hat. Deshalb bin ich froh, dass das Präsidium einen Nichtpriester als Gemeindeleiter ad interim akzeptiert hat.

Hatten Sie vorher einen Bezug zur Schweiz oder ist das ein kompletter Neuanfang für Sie?

Für mich ist es ein Neubeginn. Ich habe vier Kinder, die alle erwachsen und selbstständig sind. Jetzt kann ich noch einmal eine Herausforderung angehen. Der einzige Wermutstropfen daran ist die Entfernung zu meiner Frau. Sie ist beruflich so eingebunden, dass sie mich nicht begleiten kann. Sie kommt aber von Dietmannsried nach Weinfelden, so oft es geht. Das ist für uns auch Neuland, nach ganz vielen Jahren Ehe. Doch berufliches Engagement und Verantwortung für die Familie können vereinbart werden. Man muss viel miteinander reden, wie bei allen Dingen.

Sarah Stutte

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Armin Ruf leitet neu die Pfarrei St. Johannes in Weinfelden.

Bild: Sarah Stutte
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