Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 15

Im grünen Himmelbett

Eine Nacht im Bubble-Hotel als einmaliges Abenteuer

An vier verschiedenen Standorten stehen die luftigen Behausungen im Thurgau, in denen man fast unter freiem Himmel schläft. Auch die Kartause Ittingen bietet Ruhe und Entspannung mitten in der Natur.

Schon der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter wusste, dass sich eine Schönheit vor uns auftut, die uns entzückt und beseligt, wenn man den Sternenhimmel betrachtet. Dass dieses Gefühl in unserer Seele uns verstummen lässt und uns «eine Grösse und Ruhe gibt, der man sich andächtig und dankbar beugt». So oder ähnlich müssen sich auch die vielen Besucherinnen und Besucher fühlen, die im Thurgau schon einmal in einem Bubble-Hotel übernachtet haben. Einem Zimmer in einer durchsichtigen, wasserdichten Plastikblase, die freie Sicht auf die Natur, die sie umgibt, gewährt. Man liegt also nachts im Bett und sieht über sich die funkelnden Sterne und den hellen Mond, ist umgeben von Weite und Stille und geschützt durch mächtige Bäume. Hier wird es zum Erlebnis, wenn der Regen rhythmisch auf das Plastikdach prasselt. Hier kann man den Alltag abschalten und zur Ruhe kommen.

Rebberge im Blick

Die ungewöhnlichen Hotels, liegen versteckt und somit vor neugierigen Blicken geschützt, inmitten von blühenden Gärten und ebensolchen Obstbäumen, hoch über Seen oder in unmittelbarer Nähe davon. Im Thurgau gibt es inzwischen vier fixe Standorte. Zwei weitere Bubbles ziehen als so genannte Pop-up-Angebote an immer wieder wechselnde Plätze. Eine der permanenten Positionen bezieht die Bubble-Beherbergung auf dem Areal der Kartause Ittingen, hinter hohen Büschen, mit Sicht auf die Rebberge. Das Zimmer mitten im Grünen ist, wie alle anderen Bubbles auch, mit einem Doppelbett ausgestattet. Zwei Nachttische, ein Bistrotisch mit zwei Hockern und LED-Lampen ergänzen die Einrichtung. Die sanitären Anlagen befinden sich in Gehdistanz im anliegenden Bauernhof und Betrieb oder als mobile Toilettenanlage direkt neben der Behausung.

In allen Angeboten ist das Frühstück, das man in der Kartause im Restaurant Mühle serviert bekommt und das aus regionalen Produkten besteht, inbegriffen. Genauso wie zwei Velos oder E-Bikes, mit denen man die Gegend erkunden kann. Möchte man es exklusiver, bucht man das 4-Gang-Dinner mit Weinbegleitung und Begrüssungscocktail dazu. «Unser Publikum ist naturaffin und bunt gemischt, von Jung bis Alt. Die meisten buchen eine Nacht, es ist aber auch ein längeres Zeitfenster möglich. Und es gibt Wiederholungstäter. Was allen gemein ist: Sie sind am Ende ihres Aufenthalts hin und weg von dem Erlebnis», sagt Valentin Bot, Hoteldirektor der Kartause Ittingen.

Luxuriöses Camping

Das Bubble hat einen äusseren und einen inneren Eingang, die nie beide gleichzeitig geöffnet sein dürfen, da ansonsten die Luft entweicht. Infolgedessen würde die Plastikkugel in sich zusammenfallen. Die Luftzufuhr wird dabei aussen durch einen Kompressor geregelt, der überraschend leise arbeitet und somit im Inneren nicht zu hören ist. Ist den Gästen zu warm oder kalt, können sie die Temperatur selbst mittels Schalter regulieren, was die Angst vor kühlen Sommernächten nimmt. Das Bubble-Hotel gehe in Richtung «Glamping», meint Valentin Bot. Die Wortkreation, zusammengesetzt aus Glamour und Camping, beschreibt genau dieses. Die luxuriöse Variante des Zeltens ist ein Trend, der diesen Sommer vor allem an den schweizweiten Open-Airs zu bestaunen ist.

Die Idee dazu sei vor zwei Jahren eigentlich durch das «Bluescht-Telefon» von Thurgau Tourismus entstanden. Dabei nimmt «Madame Bluescht» den Anruf entgegen und erklärt, wo es derzeit schon am schönsten blüht. Daraus ergab sich das Angebot «Schlafen unter dem Blütenbaum», das aber keinen Schutz vor Regen gewährleistete. In Frankreich, wo die Bubble-Hotels von einem Designer entworfen werden, waren sie zu dieser Zeit schon ein Renner und so bestellte Thurgau Tourismus sie auch für die Schweiz.

Es geht auch ohne Strom

«Wir wurden von Anfang an regelrecht überrannt und waren jetzt in der zweiten Saison schon sehr früh zu 90 % ausgebucht», sagt Nathalie Meo, Leiterin Erlebnismarketing von Thurgau Tourismus. Sie hat selber auch schon im Bubble übernachtet und erklärt: «Zu Beginn hat man vielleicht noch Hemmungen was die Privatsphäre angeht. Doch alle Befürchtungen erübrigen sich schnell, weil man auch die Plastikhülle sehr schnell nicht mehr als solche wahrnimmt». Auch den Laptop oder das Handy würde man hier nicht vermissen, eine Steckdose und das WLAN-Passwort suche man sowieso vergebens. «Das war eine ganz bewusste Entscheidung, damit man sich voll und ganz auf die Natur einlassen kann. Und um das Abenteuer fotografisch festzuhalten, ist auch kein Zugang vonnöten», bekräftigt Nathalie Meo.

Die Himmelbetten sind von März bis Oktober bezugsbereit, wenn man denn schnell ist. Mittlerweile sind sämtliche Bubbles für diese Saison ausgebucht. Mit ein bisschen Glück kommt man noch an kurzfristig wieder freiwerdende Plätze oder versucht es im nächsten Frühling wieder, wenn die Landschaft erneut zu blühen beginnt.

Sarah Stutte

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Nähere Infos: www.himmelbett.cloud

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Das Bubble-Hotel der Kartause Ittingen: versteckt hinter hohen Büschen.

Bild: Sarah Stutte
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